UBS und CS im US-Stresstest: Noch kein Grund zum Jubeln

Die Schweizer Grossbanken bestehen die erste Runde einer Soliditätsprüfung mit guten Werten. Doch die echte Herausforderung kommt noch.

Die Prüfer schauen sich die Bankbilanzen genau an: Siegel der US-Notenbank Fed.

Die Prüfer schauen sich die Bankbilanzen genau an: Siegel der US-Notenbank Fed. Bild: Andrew Harnik/Keystone

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Prüfungsangst, das gibt es nicht nur bei Schülern und Studierenden. Sondern auch bei hoch bezahlten Bankmanagern. In der Nacht auf Freitag hat die US-Notenbank Federal Reserve (Fed) den ersten Teil der Ergebnisse ihres Stresstests veröffentlicht. «Das ist der härteste der Welt», sagt ein Bankmanager. Und zum ersten Mal waren die US-Töchter von UBS und Credit Suisse mit von der Partie. Insgesamt mussten 35 Banken ihre Daten für den Test einreichen.

Die Simulation der US-Bankenaufsicht rechnet durch, wie die Eigenmittelausstattung der Banken im Fall einer neuen Weltwirtschaftskrise aussieht. Mehrere Szenarien wurden dafür vorgegeben. Das schlimmste sieht unter anderem einen Anstieg der US-Arbeitslosenquote auf 10 Prozent vor, die Immobilienpreise sacken um 30 bis 40 Prozent ab, die Aktienmärkte brechen um zwei Drittel ein. Zudem sieht das Krisenszenario schwere Rezessionen in der Eurozone, Grossbritannien und Japan vor.

CS und UBS mit guten Werten

Selbst unter diesen drastischen Annahmen weisen UBS und Credit Suisse noch komfortable Kapitalpolster aus. Keine der 35 getesteten Banken fiel durch, selbst die krisengeplagte Deutsche Bank packte die Prüfung.

Im Vergleich zu anderen US-Töchtern sowie zu den US-Banken schlagen sich die US-Töchter der Schweizer Geldhäuser sogar ausgesprochen gut. So sackt selbst im oben beschriebenen Katastrophen-Szenario die risikogewichtete Kapitalquote bei UBS nur auf 16,4 Prozent ab. Bei Credit Suisse Holding USA kommt das Fed auf einen Wert von 17,6 Prozent. Damit liegen die US-Einheiten der Schweizer Häuser ein ganzes Stück über dem Sollwert von 4,5 Prozent.

Was die Kennziffern aussagen

Es gibt mehrere Arten, die Kapitalausstattung zu berechnen. Bei der risikogewichteten Kalkulation wird die Eigenmittelausstattung einer Bank im Verhältnis zu den Verlustrisiken der Vermögenswerte gesetzt. So ist das Risiko, dass ein Hypothekarkredit platzt, geringer als bei einem Kredit an ein junges Start-up-Unternehmen.

Daneben gibt es Kennziffern wie die Verschuldungsquote oder auch Leverage Ratio genannt, bei denen die Verlustrisiken keine Rolle spielen. Hierbei wird einfach die Grösse der Bilanz in das Verhältnis zum Eigenkapital gesetzt. Bei der sogenannten Verschuldungsquote schneidet wiederum die US-Tochter der UBS mit 7,5 Prozent besser ab als Credit Suisse mit 6,7 Prozent. Vereinfacht ausgedrückt bedeutet dies, dass selbst im Krisenszenario die UBS noch 7,5 Dollar Eigenkapital zur Besicherung von 100 Dollar Aktiva wie Kredite hat.

Der schwierige Teil kommt erst

Die Ergebnisse der Schweizer Grossbanken können sich sehen lassen, vor allem mit Blick auf einige namhafte US-Geldhäuser. So fällt die Investmentbank Goldman Sachs mit einer risikogewichteten Eigenmittelquote im Stressszenario von nur 5,6 Prozent negativ auf. Mit Werten von 7,2 Prozent bzw. 7,3 Prozent glänzen JP Morgan und Morgan Stanley auch nicht gerade.

Doch die Manager von UBS und Credit Suisse wissen: Es ist zu früh, um den Champagner zu entkorken. Denn die Donnerstagnacht veröffentlichten Ergebnisse sind nur der erste Teil des Stresstests. Der zweite, wichtigere Teil folgt am 28. Juni. Hierbei rechnen die Prüfer des Fed nicht einfach Bilanzen durch, sondern analysieren im Detail, wie eine Bank ihre Risiken und die Kapitalausstattung managt. Bei diesem Teil des Tests haben die Prüfer entsprechend mehr Ermessensspielraum.

Risikofaktor für die Dividenden

Für die US-Banken haben die Ergebnisse enorme Bedeutung: Denn ist die Aufsicht nicht zufrieden, so kann sie einer Bank verbieten, ihren Aktionären eine Dividende auszuschütten. Diese Macht hat die US-Aufsicht über Credit Suisse und UBS zwar nicht, denn die Ausschüttung genehmigt die Aufsicht der Konzernmutter, also die schweizerische Finma. Allerdings kann das Fed den US-Töchtern der Schweizer Banken Vorschriften machen, ob und wie viel Kapital sie der Konzernmutter in die Schweiz überweisen dürfen.

Es gibt einen weiteren Grund für Bescheidenheit aus Schweizer Sicht. Denn die Ergebnisse der Kapitalausstattung im Stresstest hängen stark davon ab, nach welchem Modell gerechnet wird. So hat die Credit Suisse die Stressszenarien des Fed nach ihrem eigenen Rechenmodell durchkalkuliert und die Ergebnisse publiziert. Und die von Credit Suisse errechneten Ergebnisse sind deutlich tiefer als jene des Fed. So kommt die Bank nach ihren eigenen Kalkulationen auf eine risikogewichtete harte Eigenkapitalquote im Krisenszenario von nur 13 Prozent, das ist 4,6 Prozentpunkte schlechter als das Ergebnis der Prüfer der US-Aufsicht. Laut Credit Suisse stünde die Bank im Austausch mit dem Fed, damit die Berechnungen in Zukunft weniger auseinanderlaufen.

Anleger nahmen die Ergebnisse der US-Prüfung am Freitag mit Erleichterung zur Kenntnis. Die Aktien von Credit Suisse und UBS legten um über 1 Prozent zu.

(DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 22.06.2018, 12:15 Uhr

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