Träumereien auf Staatskosten

Rita Flubacher, Redaktorin, über den restriktiven Vorbezug bei der zweiten Säule.

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Die Pensionskasse ist eine patente Sache. Man kann sich lange vor dem Ruhestand mit dem Geld daraus ein Haus kaufen, eine eigene Firma finanzieren oder sich eine neue Existenz in Thailand aufbauen. Wer wissen will, wie sich Reichtum anfühlt, lässt sich sein angespartes Vorsorgekapital am Ende des Berufslebens ausbezahlen. Mit der sechs- bis siebenstelligen Geldsumme auf dem Konto lassen sich locker luxuriöse Weltreisen und andere Träumereien finanzieren.

Mit dem Gedanken der Vorsorge im Alter hat das alles nicht mehr viel zu tun. Jeder Kapitalbezug – ob fürs Haus, das Start-up oder die Auswanderung – schmälert die künftige Rente. Und damit wächst die Gefahr, dass der Rentenbezüger eine Ergänzungsleistung beantragen muss, um im Alter über die Runden zu kommen. Akut wird die Gefahr, wenn der Pensionierte ganz auf seine Rente verzichtet und das Kapital selber verwaltet. Nicht jeder hat ein goldenes Händchen bei der Verwaltung seines Vermögens. Geht es schief, trägt die Allgemeinheit die Kosten.

Bescheidene Entlastung

Dass die Ergänzungsleistung für immer mehr Menschen zum Lebensrettungsring wird, zeigt sich an den Zahlen. In den letzten 15 Jahren haben sich die Ausgaben der öffentlichen Hand auf 4,6 Milliarden Franken verdoppelt. Verständlich, dass Bundesrat Alain Berset hier Gegensteuer geben will. Allerdings mit geschwächtem Schwung, wie die am Freitag ­publik gewordenen Pläne zeigen. Kapitalbezüge für ­Immobilienkäufe bleiben unangetastet. Verbieten möchte Berset hingegen die Firmengründung mit Pensionskassengeld. Ganz verbieten oder auf 50 Prozent beschränken will er die Auszahlung des Altersgut­habens in Kapitalform. Allerdings kann er aus gesetz­lichen Gründen in allen Fällen nur die Guthaben im obligatorischen Teil der beruflichen Vorsorge sperren.

Unter dem Strich dürfte die Entlastung bei den Ergänzungsleistungen damit bescheiden ausfallen. Trotzdem ist die bundesrätliche Absicht löblich: Die Korrekturen sollen die Leute daran erinnern, dass Vorsorgegelder keine patente Sache sind, um ­allerlei Wünsche zu finanzieren. Sondern eine ­Vorsorge im Alter.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 14.11.2015, 00:10 Uhr

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