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Tiefer Dollar- und Eurokurs führt zu «Discount» bei Übernahmen Konzerne kaufen aber nicht allein wegen der Währung im Ausland dazu Von Martine Salomon und Marc Forster, sda Hintergrund

Nach der Wirtschaftskrise sorgen die Schweizer Unternehmen mit Milliardenübernahmen im Ausland für Schlagzeilen.

Der tiefe Kurs von Euro und Dollar senkt die Kaufpreise - ist aber dennoch nicht der einzige Grund, weswegen die Konzerne reihenweise im Ausland auf Shoppingtour gehen. Der Lonza-Konzern übernimmt für 1,4 Milliarden Dollar den amerikanischen Biozid-Hersteller Arch Chemicals. Ganz offen sprach Konzernchef Stefan Borgas davon, dass wegen des tiefen Kurses der US- Währung zum Franken - aktuell kostet ein Dollar 83 Rappen - der Kauf «zum idealen Zeitpunkt» erfolge. Damit ist Lonza nicht mehr nur Opfer, sondern auch Profiteur der Frankenstärke. Die wegen des Frankens hohen Kosten federt der Pharma- und Chemiekonzern mit längeren Arbeitszeiten am Standort Visp ab. Die kürzlich getroffene Entscheidung war alles andere als populär. Mit dem Arch-Kauf profitiert Lonza doppelt. Indem der Konzern ein starkes Standbein in den USA erhält, ist er weniger von den Exporten aus der Schweiz abhängig. In der Sprache der Experten unterliegen so Währungsrisiken so einem «natürlichen Hedging», sie wirken also zu einem gewissen Grad wie ein Absicherungsgeschäft gegen Schwankungen. Finanzstarke Konzerne Die Gründe für die Zukäufe sind aber vielfältig: Patrik Kerler von der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsfirma KPMG betont, dass nicht nur der Preis entscheidend sei, sondern auch die Umsätze in den jeweiligen Währungen. In den vergangenen Jahren sei die Zahl von schweizerischen Auslandsakquisitionen stets höher gewesen als umgekehrt, sagt Kerler. Zudem ist viel Geld für Akquisitionen vorhanden: Nach der Krise warten viele Unternehmen, welche dank solider Finanzen die Rezession gut überstanden haben, mit einer vollen Kriegskasse auf, wie Janwillem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, erläutert. «Allerdings kann aufgrund der Dauer eines Transaktionsprozesses von üblicherweise drei bis sechs Monaten der Schweizer Käufer aufgrund der Kursentwicklungen einen gewissen «Discount» erzielen, wenn er sein erstes Angebot mit dem definitiven Kaufpreis in Franken umrechnet», erklärt KPMG-Experte Kerler weiter. Aus Sicht von Yves Longchamps, Ökonom der Genfer Bank Pictet, ist der Devisenkurs einer von mehreren wichtigen Faktoren: «Vor jeder Kaufentscheidung steht zunächst eine detaillierte Analyse», sagte der Experte. Der Devisenkurs könne eine gute Gelegenheit bieten, ohne dabei der eigentliche Treiber beim Kauf zu sein. Die Rabatte sind allerdings beträchtlich: Seit Januar 2007 haben Dollar und Euro je rund 30 Prozent ihres Werts zum Franken verloren, das britische Pfund gar 40 Prozent. Bei Kaufverhandlungen hat ein Käufer so auch die Möglichkeit, mit dem Preis noch etwas höher zu gehen, wenn gleichzeitig die Kurse sinken: Ein Vorteil bei Verhandlungen. Kapitalkraft entscheidet Umgekehrt beeinflussen die Wechselkurse auch die Zukäufe von ausländischen Unternehmen in der Schweiz. Einerseits werden Übernahmekandidaten teurer - andererseits könnten ausländische Käufer auch gerade deswegen an Schweizer Firmen interessiert sein, weil der Franken so sicher ist. Dies gilt beispielsweise bei Immobilienfirmen mit stabilen Erträgen in Franken. Im Gegensatz zu exportorientierten Unternehmen werden diese nicht gebremst vom starken Franken. «Zuallererst hängt es von der Kapitalkraft eines Unternehmens ab, ob es ein Übernahmekandidat ist oder nicht», betont Janwillem Acket.

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