Swiss benachteiligt Kunden aus der Schweiz

Ab 2018 zahlen Passagiere, die in der EU abfliegen, keine Kreditkartengebühren mehr – ab Zürich und Genf jedoch schon

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Erich Bürgler@sonntagszeitung

Die Elektrofachhändler Digitec und Mediamarkt haben sie vor kurzem abgeschafft, genauso wie der Reiseanbieter Hotelplan: Aufschläge für Kreditkartenzahlungen beim Onlinekauf verschwinden.

Die Fluggesellschaft Swiss dagegen hält an Gebühren von bis zu 30 Franken fest. Ab kommendem Jahr drohen Kunden mit Flügen aus der Schweiz gegenüber Reisenden ab Deutschland benachteiligt zu werden. Denn eine neue EU-Richtlinie verbietet Aufschläge für Zahlungen mit Kreditkarten von Privaten in EU-Ländern. Deutschland wird die Regel Anfang 2018 umsetzen, andere Länder werden folgen. Die Lufthansa, die heute für Kartenzahlungen bei Flügen ab Deutschland noch Aufschläge verlangt, muss damit ab 2018 für Zahlungen mit Visa und Mastercard aufhören. Dasselbe gilt für ihre Tochter Swiss.

Wer ab der Schweiz reist, hat Pech. Die Swiss will am Aufschlag für Schweizer Abflugsorte fest­halten. In der Schweiz finde die Zahlungsrichtlinie keine Anwendung, sagt eine Sprecherin. «Die Zahlungsgebühr wird in Abhängigkeit des Abflugsorts berechnet und unabhängig davon, auf welcher Website der Kunde seinen Flug bucht.» Demnach zahlen Kunden für einen Flug Zürich–Frankfurt–Zürich Gebühren. Für Frankfurt–Zürich–Frankfurt fallen sie weg. Die Swiss will offenbar erst auf staatlichen Zwang reagieren, nämlich dann, wenn auch die Schweiz solche Gebühren per Gesetz verbietet. «Sollte die Schweiz die Rechtsgrundlage der EU angleichen, müsste auch Swiss ­entsprechende Kostensenkungen ­vornehmen», sagt die Sprecherin.

Mastercard Schweiz droht ab Herbst mit Bussen

Dabei gerät die Fluggesellschaft mit ihrem Geschäftsgebaren zunehmend in Bedrängnis. Zwar gibt es in der Schweiz keine gesetzliche Handhabe gegen die Aufschläge. Die Kartenfirmen Mastercard und Visa verbieten solche Gebühren aber in ihren Verträgen und drohen bei Verstössen mit Bussen.

Bisher duldeten die Kreditkartenfirmen die Aufschläge. Doch im August sind die Gebühren, welche den Händlern für Kartenzahlungen anfallen, gesunken. Nach Einschätzungen der Wettbewerbskommission verursachen Kreditkarten damit heute gleich hohe Kosten wie die Bargeldzahlung. Das heisst, die Aufschläge der Swiss haben ihre wirtschaftliche Berechtigung verloren.

Mastercard will nun härter durchgreifen. Laut Guido Müller, Länderchef von Mastercard Schweiz, wird das Unternehmen noch diesen Herbst Bussen gegen fehlbare Lizenznehmer aussprechen, bestätigt er einen Bericht von «20 Minuten». Zudem prüft Mastercard härtere Sanktionsmöglichkeiten.

«Eine erhebliche Einnahmequelle»

Diese sind offenbar nötig, denn die Swiss zeigt sich von drohenden Bussen bisher unbeeindruckt. Laut mehreren Branchenkennern macht die Airline mit den Zuschlägen Profit. Das glaubt auch Thomas Hodel, Geschäftsführer der Branchenorganisation Swiss Payment Association: «Für die Swiss dürften die Gebühren für Kartenzahlungen eine erhebliche zusätzliche Einnahmequelle sein.» Die Swiss bestreitet das. Sie trage einen Teil der durch Kartenzahlungen entstehenden Kosten selbst, sagt die Sprecherin. Wie sehr die Fluggesellschaft unter Druck kommt, haben auch die Swiss-Kunden in der Hand. Sie können die Gebühren mit online abrufbaren Formularen bei Kartenherausgebern wie UBS, Swisscard und Viseca zurückfordern. Das bedeutet für die Airline einen zusätzlichen administrativen Aufwand.

Nicht für alle Zahlungsarten verrechnet die Swiss Gebühren. Kunden mit einer Postcard zahlen in der Schweiz keinen Aufschlag. Das macht die Swiss nicht freiwillig. Laut den Vorgaben der Preisbekanntgabeverordnung muss die Airline mindestens eine kostenfreie Bezahlmöglichkeit im Internet anbieten. Sonst müsste sie in den Preisen, mit denen sie wirbt, die Kreditkartengebühren einschliessen. Mit der Kontokarte der Post hat die Swiss eine kostenfreie Bezahlmöglichkeit gewählt, die deutlich weniger verbreitet ist als Mastercard und Visa.

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