Strom sparen bei Strassenlampen

Strassenlampen, die weniger stark leuchten, wenn es keinen Verkehr hat: Diese Entwicklung wurde heute vom Bund ausgezeichnet.

Die Teststrasse in Urdorf ZH bei Vollbeleuchtung (links) und gedimmt.

Die Teststrasse in Urdorf ZH bei Vollbeleuchtung (links) und gedimmt.

(Bild: Günter Bolzern)

Yvonne Debrunner@yvonnedebrunner

Als Schweizer Städte im 18. Jahrhundert begannen, ihre Strassen zu beleuchten, war das nicht unumstritten. Konservative Kräfte sahen darin einen Eingriff in die göttliche Ordnung. Der Fortschritt liess sich allerdings nicht aufhalten. Heute ist die durchgängige Beleuchtung der Strassen bei Nacht Standard.

Ironischerweise geht der Fortschritt nun wieder in die umgekehrte Richtung. Energieverschwendung und Lichtverschmutzung sind die Schlagworte. Um beides zu reduzieren, haben die Elektrizitätswerke des Kantons Zürich (EKZ) mit dem Beleuchtungsunternehmen Schréder Swiss SA ein neues System entwickelt. Dieses lässt Strassenlampen bei geringem Bedarf schwächer leuchten. Die Entwicklung wurde heute vom Bundesamt für Energie mit dem Energiepreis Watt d’Or ausgezeichnet, als eines von mehreren Projekten.

So funktioniert das System: Mittels eines Sensors wird gemessen, wie dicht der Verkehr ist. Sind nur wenige Autos, Velos oder Fussgänger unterwegs, leuchten die Strassenlampen schwächer. Ganz ausgeschaltet werden sie aber nie. Sie reduzieren einfach die Intensität. Mit normaler Stärke leuchten sie lediglich wenn viel Verkehr herrscht, zur Rushhour etwa.

Das erscheint auf den ersten Blick widersprüchlich. Schliesslich strahlen die Lampen der Autos bei viel Verkehr ja ohnehin schon viel Licht ab. Dennoch brauche es dann eine stärkere Beleuchtung, sagt Jörg Haller, der bei den EKZ für die öffentliche Beleuchtung zuständig ist. Das wisse man aus Studien und sei so auch in internationalen Normen geregelt. Denn zum einen seien bei viel Verkehr auch mehr Velofahrer oder Fussgänger unterwegs. Diese müssten sichtbar gemacht werden. Zum anderen seien die Lampen der Autos für andere Verkehrsteilnehmer eine Störquelle, die die Sichtbarkeit vermindere. Auch deshalb brauche es mehr Beleuchtung.

Die Idee für das neue System kam Haller, als er im zürcherischen Urdorf Strassenlampen auf LED umrüstete. Die EKZ sind neben ihrem klassischen Geschäft als Stromversorgerin auch für Tausende Strassenlampen im Kanton Zürich zuständig. Es war Nacht in Urdorf, die Strasse menschenleer und Haller dachte sich: «Weshalb müssen diese Lampen so hell leuchten?»

30 Prozent Strom gespart

Das neu entwickelte System wurde dann ebenfalls in Urdorf an der zentralen Durchgangsstrasse ein Jahr lang getestet. Es sei ein Erfolg gewesen, sagt Haller. Nur während einer Stunde am Morgen und drei Stunden am Abend sei die Beleuchtung auf dem höchsten Niveau gelaufen. Dadurch hätten 30 Prozent an Energie gespart werden können. Bei schwächer befahrenen Strassen könnte die Energieeinsparung bis zu 70 Prozent betragen.

Doch das sei nicht der einzige Vorteil: Für gewisse nachtaktive Tiere wie Fledermäuse bedeute es weniger Stress, wenn Lichtquellen reduziert würden, sagt Haller. Und auch manche Anwohner schätzten es, wenn die Strassenlampe vor dem Fenster nicht die ganze Nacht maximal hell leuchte. Bei der Anwohnerverträglichkeit habe man ausserdem dazugelernt. Bei früheren Versuchen mit intelligenter Lichtsteuerung hätten die Strassenlampen bei Verkehrsaufkommen auf einen Schlag stärker geleuchtet. Das habe zu einem ständigen Wechsel der Helligkeit geführt, der für die Anwohner unangenehm gewesen sei. Bei der neuen Variante werde das Licht sanft verstärkt und abgeschwächt.

Wirtschaftlich gelohnt hat sich die neue Anlage in Urdorf nicht. Aber das ist bei einem Pilotprojekt normal, wie Haller sagt. Nun folge der nächste Schritt: Mehrere Hersteller hätten die Idee aufgenommen und entwickelten marktreife, billigere Produkte.

Der Bund

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