Streit um Abschaltung des AKW Fessenheim

Der von Präsident Hollande versprochene Stilllegungstermin per Ende 2016 wird kaum eingehalten werden.

Das nördlich von Basel am Rhein gelegene Atomkraftwerk Fessenheim.

Das nördlich von Basel am Rhein gelegene Atomkraftwerk Fessenheim. Bild: Winfried Rothermel/Keystone

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Bundesrätin Doris Leuthard sagte diese Woche im Ständerat zum Thema Abschalttermin für das französische Atomkraftwerk Fessenheim: «Der sozialistische Präsident hat in seinen Wahlversprechen immer gesagt, 2016 sei Ende Feuer. Ich spüre davon nichts.» Eigentlich müsste das Gesuch für die Ausserbetriebnahme noch im Juni eingereicht werden, aber es sehe nicht danach aus. Umweltministerin Ségolène Royal mache genau dasselbe Spiel wie Francois Hollande.

Ganz untätig ist Ségolène Royale aber nicht. Wie die französische Zeitung «Le Monde» vor wenigen Tagen meldete, bietet sie den Besitzern für die vorzeitige Stilllegung eine Entschädigung von 80 bis 100 Millionen Euro an. Das ist für die Hauptaktionärin, die staatliche Elektricité de France (EDF), viel zu wenig. Diese gehen von mindestens 2 Milliarden Euro aus, wie «Le Monde» weiter schreibt. Sie stützen sich dabei auf Gutachten von Experten, deren Schätzungen zwischen 2,5 und 4 Milliarden Euro variieren.

Die Entschädigungssumme ist aber nicht der einzige Streitpunkt. EDF will Fessenheim weder 2016 wie von Hollande einst versprochen hatte noch 2017 stilllegen, sondern erst, wenn der Druckwasserreaktor (EPR) in Flamanville am Ärmelkanal ans Netz gehen wird. Nach mehrmaligen Verschiebungen dürfte das frühestens 2018 der Fall sein.

Das aus zwei Reaktoren bestehende Atomkraftwerk Fessenheim wurde 1977 in Betrieb genommen. Es ist damit das älteste der 19 französischen Atomkraftwerke mit ihren insgesamt 58 Reaktoren. Aufgrund mehrerer Zwischenfälle sorgte es in den vergangenen Jahren immer wieder für Schlagzeilen. Ein Ereignis aus dem Jahr 2014 führte zu einer Interpellation von SP-Ständerat Claude Janiak BL, welche diese Woche im Ständerat behandelt wurde. Das AKW Fessenheim befindet sich 35 Kilometer nördlich von Basel am Rhein.

BKW bezieht 5 Prozent des Stroms

In einer weiteren Interpellation kritisierte SP-Ständerätin Anita Fetz BS mehrere Schweizer Kantone und Gemeinden: Sie seien an Fessenheim beteiligt und sollen deshalb auf die sofortige Stilllegung hinarbeiten. Bundesrätin Doris Leuthard sagte, die Beteiligung bestehe nur indirekt. Beteiligt seien Alpiq, Axpo und BKW via die Kernkraftwerk-Beteiligungsgesellschaft AG (KBG). Aber auch die KBG ist nicht Aktionärin von Fessenheim, vielmehr besitzen die Schweizer Stromkonzerne via KBG Strombezugsrechte. Konkret haben Alpiq, Axpo und BKW das Recht, je 5 Prozent der Stromproduktion von Fessenheim zu beziehen. Bei den heutigen Strompreisen auf dem freien Markt ist es aber wohl eher eine Pflicht, die entsprechenden Strommengen zu beziehen.

Die 637 Gigawattstunden, welche die BKW 2015 aus Fessenheim bezog, entsprachen wiederum rund 5 Prozent ihrer gesamten eigenen Stromproduktion. Oder ein anderer Vergleich: Der BKW-Anteil an Fessenheim entsprach rund einem Fünftel der Stromproduktion aus dem AKW Mühleberg. Früher verkaufte die BKW einen Teil des Stroms aus Fessenheim an Energie Wasser Bern (EWB). Dieser Vertrag wurde Ende 2014 auf Wunsch von EWB aufgelöst. EWB bezieht seither von der BKW die entsprechende Menge Wasserstrom.

Alpiq, Axpo und BKW gingen die Kooperation mit Fessenheim ein, weil das Atomkraftwerk Graben nach heftigen Protesten der Bevölkerung nicht gebaut werden konnte. In den Büchern der Kernkraft-Beteiligungsgesellschaft AG werden die Bezugsrechte aus Fessenheim als immaterielle Werte aufgeführt. Ebenfalls in der Bilanz steht der Wert der Brennstoffvorräte. Die drei Stromkonzerne übernehmen die entsprechenden Anteile in ihre Bilanz. Wegen der tiefen Strompreise und des absehbaren Endes des AKW Fessenheim nahm die BKW bereits im Jahr 2013 Wertberichtigungen auf den Strombezugsrechten vor und bildete entsprechende Rückstellungen. Der Wert der Bezugsrechte werde jährlich neu beurteilt, erklärt Fässler. In ihrer Planung gehe die BKW von einem Betriebsende des Atomkraftwerks Fessenheim im Jahr 2017 aus.

Ausfall wäre verkraftbar

Auf die Stromversorgung der BKW hätte das Ende in Fessenheim keinen Einfluss, hält er weiter fest. Sie versorge ihre Kunden standardmässig zu hundert Prozent mit erneuerbarer Energie. Neun von zehn Kunden setzten auf das Standardprodukt Energy Blue. Die 0,6 Terawattstunden aus Fessenheim fielen im Vergleich zur gesamten Produktionsmenge der BKW von 11,8 Terawattstunden nicht ins Gewicht. (Der Bund)

Erstellt: 03.06.2016, 06:44 Uhr

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