Start-up-Experiment abgebrochen

Mit grossen Plänen wechselte der Chef des Kabelnetzbetreibers Quickline letzten Sommer in ein hauseigenes Jungunternehmen. Nach wenigen Monaten ist er nun bereits wieder weg.

Im Juni 2018 war die welt bei Quickline noch in Ordnung: Chef Nicola Perrenoud (links) und Nachfolger Frédéric Goetschmann.

Im Juni 2018 war die welt bei Quickline noch in Ordnung: Chef Nicola Perrenoud (links) und Nachfolger Frédéric Goetschmann.

(Bild: zvg)

Adrian Hopf-Sulc@adrianhopf

Quickline hat ein Problem: Der Verbund von 23 Schweizer Kabelnetzbetreibern ist nicht nur deutlich kleiner als Konkurrentin UPC. Er wird auch zunehmend von der Swisscom und anderen Internetprovidern konkurrenziert. Denn um fernzusehen, ist heute mancherorts kein Kabelnetzanschluss mehr nötig. Ein Anschluss ans Glasfasernetz über die Telefonbuchse reicht völlig aus.

Um technologisch nicht den Anschluss zu verlieren, gründete Quickline im vergangenen Mai an ihrem Sitz in Nidau die Nexora AG. Die Firma soll eine Fernseh-Plattform für Quickline-Kunden, aber auch für Dritte entwickeln. Quickline kündigte mit Nexora aber noch viel mehr an: «Das Innovations-Lab wird mit künstlicher Intelligenz, Big Data und Advanced Advertising den nächsten Digitalisierungsschub vorantreiben.»

Mitte Jahr gab Quickline-Chef Nicolas Perrenoud seinen Posten auf und wechselte als Chef zu Nexora. Bei Quickline übernahm der langjährige Finanzchef Frédéric Goetschmann das Ruder. Nach acht Jahren an der Spitze von Quickline wolle er etwas Neues wagen, sagte Perrenoud damals und bezeichnete Nexora als Start-up – was nicht falsch war: Er und fünf weitere Mitarbeiter übernahmen die Aktienmehrheit an Nexora. Quickline war zwar die grösste Aktionärin, aber Minderheitsaktionärin.

Aktionäre fordern Kontrolle

Doch die Jungunternehmer-Träume von Perrenoud platzten bald: Bereits im November verliessen er und zwei weitere Kaderleute die Nexora AG. Der Hintergrund: Kurz nach dem Wechsel Perrenouds zu Nexora fand im Verwaltungsrat von Quickline ein Meinungsumschwung statt. Quickline sollte die Kontrolle über Nexora erlangen, also die Aktienmehrheit, so die neue Devise. Offenbar war bei einigen Aktionären von Quickline die Off-Net-Strategie von Nexora nicht gut angekommen.

Die Aktionäre, das sind die regionalen Kabelnetzbetreiber. Mit TV-Produkten, die auch über Glasfaser genutzt werden könnten, würde Quickline zwar zusätzliche Einnahmen generieren. Doch die Nutzer solcher Angebote hätten keinen Anreiz, einen Kabelnetzbetreiber statt eines Telecomanbieters als Internetprovider zu wählen. Diese Konkurrenz aus dem eigenen Haus missfiel den Kabelnetzbetreibern. Sie forderten, Nexora an die engere Leine zu nehmen.

Alle Aktien zurückgekauft

Rechtlich hatte Quickline wohl keine Handhabe, die Aktienmehrheit an Nexora zu erreichen. Doch das Management des Jungunternehmens wollte den Streit nicht eskalieren lassen und verkaufte seine Aktien an Quickline – dem Vernehmen nach zu einem guten Preis. Quickline hält nun 100 Prozent an Nexora. Statt eines Start-ups ist Nexora nun eine klassische Tochterfirma. Sie beschäftigt inzwischen knapp 20 Mitarbeiter in Nidau und Zürich. Nicolas Perrenoud spricht nur von «konstruktiven Gesprächen» mit Quickline. Aus dem Aktienverkauf an Quickline hat er jedoch seine Konsequenz gezogen und sich von Nexora verabschiedet. Bis Mitte Jahr will er sich nun eine Auszeit mit der Familie gönnen und dann neue Projekte prüfen, wie er sagt.

Bei Quickline gibt man sich auf Anfrage des «Bund» zugeknöpft. Beim Unternehmen, das 160 Mitarbeitende zählt, will sich offiziell niemand zum Thema Nexora äussern. Doch an der Ausrichtung der Tochterfirma soll sich offenbar nichts ändern – die Off-Net-Strategie ist noch nicht vom Tisch. Auf der Website von Nexora werden Unternehmen ausserhalb der Quickline-Gruppe immer noch als potenzielle Kunden genannt.

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