Der letzte Schweizer verlässt die Syngenta-Chefetage

Beim Agrokonzern dreht das Personalkarussell weiter. Gleichzeitig sucht der Multi jetzt Investoren für seine Megaanleihe.

Sein Abgang lässt aufhorchen: Christoph Mäder, hier bei einer Pressekonferenz Ende Juni 2017. Foto: Lautent Gillieron (Keystone)

Sein Abgang lässt aufhorchen: Christoph Mäder, hier bei einer Pressekonferenz Ende Juni 2017. Foto: Lautent Gillieron (Keystone)

Christoph Mäder ist ein Veteran bei Syngenta: Der heute 59-Jährige war bis 1998 bei Novartis beschäftigt. Dann wechselte er 1999 zur neu gegründeten Syngenta. Seither leitete er dort die Rechtsabteilung.

Per Ende Juli wird er den von Chemchina aufgekauften Agrokonzern verlassen. Einen Grund für den am Dienstag kommunizierten Rücktritt gibt es nicht. Auf Nachfrage lässt Mäder mitteilen: «Es ist ein Schritt, den ich auf eigenen Wunsch und in voller Übereinstimmung mit der Firma vollziehe. Ich werde ­sicher noch andere Aufgaben wahr­nehmen, aber eher im nicht exekutiven ­Bereich.» Mäder ist derzeit unter anderem Verwaltungsrat bei Lonza und Vizepräsident von Economiesuisse.

Trotzdem lässt der Wechsel auf­horchen. Mit Mäder verabschiedet sich der letzte Schweizer aus der Syngenta-Leitung. Er war es auch, der zusammen mit dem früheren Verwaltungsratspräsidenten Michel Demaré den Übernahmevertrag mit den Chinesen erarbeitet hatte. Beide standen als Garanten dafür, dass der chinesische Käufer sich an die Abmachungen halten würde. Doch kurz vor Weihnachten verliess Demaré überraschend seinen Posten. Angeblich, weil er sich mit dem neuen chinesischen Syngenta-Präsidenten Ren Jianxin wegen der Refinanzierung des Megadeals überworfen hatte.

Auf Mäder folgt der Amerikaner ­Stephen Landsman, der erst 2017 bei Syngenta angeheuert hat. Er arbeitete davor als Jurist bei der US-Firma Univar, wo der jetzige Syngenta-Konzernchef Erik Fyrwald bis 2016 Chef war.

Die nur noch aus Amerikanern und Briten bestehende Syngenta-Leitung muss sich jetzt unter Hochdruck mit einem Projekt der Sonderklasse beschäftigen: Fast 5 Milliarden Dollar will das Unternehmen einsammeln. Gestern informierte Syngenta Investoren über die Details der weltweiten Kreditaufnahme.

Risiken erklären den hohen Zins

Der Konzern bietet Investoren hohe Zinsen, damit die Anleger anbeissen. Die Tranche mit einer Laufzeit von fünf Jahren der Anleihe wird laut den veröffentlichten Konditionen mit einem ­Aufschlag auf die massgebliche US-Staatsanleihe von 2,37 Prozentpunkten offeriert.

Laut Thomas Isler, Analyst der Schweizer Ratingagentur Independent Credit View, gibt es mehrere Gründe für den hohen Zins. «Der chinesische Eigentümer wird als Risikofaktor angesehen», sagt der Experte. «Niemand weiss, wie viel Mittel Chemchina künftig über Dividenden aus Syngenta abziehen wird.»

Ein Problem sei zudem, dass die grossen Ratingagenturen Standard & Poor’s und Moody’s mit Blick auf Syngentas Kreditwürdigkeit uneins sind. S & P billigt dem Konzern eine Einstufung im Bereich «Investmentgrade» zu. Gross­investoren wie Pensionskassen können demnach in Schuldtitel Syngentas investieren. Moody’s dagegen stuft Syngenta unterhalb der Kategorie «Investmentgrade» ein. Diese Uneinigkeit «verunsichert Investoren», sagt Isler.

Mit Sorge blickt er auf die Verschuldung Syngentas: «Noch nie hat das Unternehmen so viel Geld am Kreditmarkt aufgenommen. Die Verschuldung dürfte Ende Jahr netto auf 9,1 Milliarden Dollar ansteigen, was dem 3,5-Fachen des erwarteten Vorsteuergewinns entspräche.» Syngenta muss die Schulden aufnehmen, um eine noch teuere ­Brückenfinanzierung von Chemchina abzulösen. Der Staatskonzern hatte sie abgeschlossen, um den Kaufpreis von 43 Milliarden Dollar zu stemmen.

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