Wirtschaftskapitän wird Politiker

Ypsomed-Chef Simon Michel hat den Sprung in das Solothurner Kantonsparlament geschafft – wohl nur ein Zwischenziel auf dem Weg in den Nationalrat.

Streng wirtschaftsliberal: Ypsomed-Chef Simon Michel (links) mit seinem Vater Willy.

Streng wirtschaftsliberal: Ypsomed-Chef Simon Michel (links) mit seinem Vater Willy.

(Bild: Adrian Moser)

Adrian Sulc@adriansulc

Als Quereinsteiger landete Simon Michel gleich auf Platz zwei der FDP-Liste seines Wahlkreises. Die nächsten vier Jahre wird er nun im Solothurner Kantonsrat sitzen. Der 40-Jährige ist Chef des Burgdorfer Medizinaltechnik-Unternehmens Ypsomed und Sohn von Firmengründer Willy Michel. Bei Ypsomed dirigiert Simon Michel über 1000 Angestellte – im Parlament wird er eines von 100 Mitgliedern sein. Man darf gespannt sein, wie er den Rollenwechsel bewältigen wird.

«Ich bin überzeugt, dass Parlamente Gremien von Experten sein müssen. Und ich nehme wahr, dass es heute nicht mehr so ist wie vor 50 Jahren. Es gibt eine Untervertretung von Wirtschaftsvertretern», sagte Michel im Januar zu SRF. «Ich masse mir nicht an, überall mitzureden. Im Schul- und Gesundheitsbereich gibt es sicher Leute, die besser drauskommen.» Doch vielleicht wird Michel nicht die ganzen vier Jahre im Kantonsrat sitzen. Denn 2019 sind Nationalratswahlen – und der einzige Solothurner FDP-Nationalrat, Kurt Fluri, wird nach 16 Jahren womöglich nicht mehr antreten.

Sowieso hat Michel mit der nationalen Politik mehr am Hut als mit der kantonalen. Auf Twitter warb er unter anderem für die Light-Umsetzung der Masseineinwanderungsinitiative und für die Unternehmenssteuerreform III. Auch an den Pressekonferenzen von Ypsomed äussern sich Simon Michel und sein Vater immer wieder zu wirtschaftspolitischen Themen. Im Zentrum stehen die Forderung nach freiem Markt und viel Freiheit für die Unternehmen sowie ?der Wunsch, die Schweizer Industrie zu sichern. Aber Heimatliebe steht bei den Michels nicht über allem: Der nächste Ypsomed-Ausbau wird in Ostdeutschland stattfinden, wo die Lohnkosten um einiges tiefer liegen.

Doch im Januar konnte Simon Michel den vollendeten Ausbau der Ypsomed-Fabrik in Solothurn feiern. Dass das Unternehmen in der Stadt 50 neue Stellen schafft, sorgte für willkommene Publizität. Gleichzeitig warb ein prominent besetztes Unternehmerkomitee in der Lokalzeitung für seine Kandidatur. Simon Michel wohnt mit Frau und den zwei Söhnen in der Stadt Solothurn. Vor seinem Einstieg bei Ypsomed vor neun Jahren war er im Marketing von Orange tätig.

Der Bund

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