«Wir haben keine Ahnung, was wir da machen»

Tesla-Gründer Elon Musk plant ein Tunnelnetz für Autos unter Los Angeles. Doch jetzt irritiert er seine Fans.

Im Tunnel in Los Angeles sollen Autos mit 200 km/h transportiert werden. (Foto: The Boring Company)

Im Tunnel in Los Angeles sollen Autos mit 200 km/h transportiert werden. (Foto: The Boring Company)

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Es ist in diesem Zusammenhang natürlich wichtig, die Antwort auf die Frage zu kennen, warum ein Hund sich am Hintern leckt: weil er es kann. Das führt nämlich direkt zu der Antwort auf die Frage, warum Elon Musk auf dem Gelände seiner Raketenfirma Space-X im Süden von Los Angeles einen überdimensionalen Bohrer einfach mal bohren lässt: weil er es kann.

Musk hat diesem Bohrer den Namen Godot gegeben, was nicht ohne Ironie ist. Es soll der Heilsbringer all jener sein, die jeden Morgen im Stau stehen und darüber klagen, dass es noch immer keine fliegenden Autos gibt. Musk kennt sich damit aus, er baut Elektroautos und recycelbare Raketen.

Er sagt: «Anders als fliegende Autos sind die Tunnel wasserdicht, unsichtbar und können einem nicht auf den Kopf fallen.» Seine Jünger warten nun also auf die Ankunft des Bohrers auf der anderen Seite. Das kann allerdings ein bisschen dauern, Musk hat der Firma, die den Tunnel bohrt, den schönen Namen «The Boring Company» gegeben. Das kann «Bohrfirma» heissen – oder auch «langweiliges Unternehmen».

Aber nun schrieb Musk überraschend bei Twitter: «Wir warten nicht mehr auf Godot.» Wer Musk einmal live erlebt hat – er ist ein sympathisch schlechter Redner –, der kann sich vorstellen, wie er sich diebisch über diesen vielleicht wochenlang vorbereiteten Witz freut und ob dieser humoristischen Glanzleistung gleich noch nachlegt: «Ich liebe Fussböden. Die lassen dich niemals fallen.» Puhuhu.

Eine Milliarde Dollar pro Tunnelmeile

Im Tunnelsystem von Musk sollen Fahrzeuge auf einer Plattform in den Untergrund abgesenkt und mit einer Geschwindigkeit von 200 Kilometern pro Stunde durch das Netzwerk unterhalb von Los Angeles transportiert werden. «Ich will nur, dass Sie eines wissen», sagte Musk kürzlich über die Bohrfirma: «Wir haben keine Ahnung, was wir da machen.» Er macht einfach mal – und holt sich nebenbei die Unterstützung von Bürgermeister Eric Garcetti, der einen möglichen Tunnel eine «schnelle und direkte Verbindung zwischen Flughafen und Hauptbahnhof» nannte. Nein, an dieser Stelle folgt nun kein Hinweis auf die Zehn-Minuten-Rede von Edmund Stoiber. Das wäre zu einfach.

Musk spricht offen über die Probleme beim Tunnelbau, er veröffentlichte etwa ein Bild von seinem Haustier, einer Schnecke mit dem Namen Gary: «Unser Ziel ist es, schneller als Gary zu sein – derzeit ist die Schnecke 14-mal so flink wie Godot.» Zudem würden die Kosten bei derzeit einer Milliarde Dollar pro Tunnelmeile liegen: «Um das Netzwerk praktikabel zu machen, müssen wir die Kosten um das Zehnfache senken.» Ach ja: Dieser Tunnel, den Godot gerade gräbt, wird nicht unbedingt nach Los Angeles führen.

Arnie Shadbehr, Stadtverwalter von Hawthorne, der Heimatstadt von Musks Raketenfirma Space-X, sagt: «Alles, was sie gerade tun, passiert auf ihrem Parkplatz. Der Tunnelbau muss alle aufsichtsrechtlichen Anforderungen des Bundesstaates Kalifornien erfüllen, bevor wir überhaupt darüber nachdenken, Genehmigungen zu erteilen.» Solche Genehmigungen braucht Musk übrigens nicht nur in Hawthorne, sondern in vielen der zahlreichen Städte, aus denen sich der Grossraum Los Angeles zusammensetzt. Musk sagt deshalb schon: «Technologie ist einfacher als Bürokratie.» Es dürfte also noch ein bisschen dauern, bis Godot wirklich in Los Angeles ankommt.

Würden Estragon und Wladimir, die beiden Figuren aus «Warten auf Godot», auf ein Tunnelnetzwerk unterhalb von LA warten, dann würden sie sagen: «Komm, wir gehen!» - «Wir können nicht.» – «Warum nicht?» – «Wir warten auf Godot.» – «Ah!». (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.07.2017, 10:53 Uhr

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