Wie Apple & Co. «Leaker» aufspüren

Wer geheime Firmeninfos weitergibt, der kann bei den US-Techkonzernen was erleben.

Auf dem Areal von Apple geht es locker zu und her. Weniger locker ist der Umgang mit Whistleblowern. Foto: Kyodo News (Getty)

Auf dem Areal von Apple geht es locker zu und her. Weniger locker ist der Umgang mit Whistleblowern. Foto: Kyodo News (Getty)

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Apple ist der verschwiegenste der Techkonzerne. Und er ist wie kein anderer auf eine Kultur des Schweigens getrimmt. Doch auch Apple ist nicht vor Lecks gefeit. In einem internen Memo, das prompt publik wurde, droht das ­Management harsche Sanktionen an: «Leaker verlieren nicht nur ihre Stelle bei Apple, sie riskieren auch massive Bussen und Haftstrafen.»

Apple-Chef Tim Cook trat im Jahr 2012 mit dem Versprechen an, den Schleier über den laufenden Projekten noch stärker als Steve Jobs zuzuziehen und Apple immun zu machen. 2017 wurden die Mitarbeiter erneut auf die Schweigepflicht eingeschworen, doch seither haben Blogger und Newsorganisationen wie «Bloomberg» noch mehr Details zum iPhone X, zum Videostreaming, zur Apple Watch, zu den Virtual-Reality-Plänen sowie Neuerungen beim iPad und Air-Pod ausgeplaudert.

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«Rat-catching-Teams» in Firmen – brauchte es das?




Vor kurzem entliess Apple einen Mitarbeiter, der den streng vertraulichen Fahrplan zur künftigen Softwareentwicklung nach aussen weitergegeben hatte. Der Angestellte habe geglaubt, er werde nicht entdeckt, heisst es in einem internen Memo. «Doch Leute, die Lecks schlagen, werden schneller denn je gefasst.» 2017 seien 29 Leaker aufgespürt und 12 verhaftet worden. Dabei stützte sich Apple auf ein Team interner Spürhunde sowie Spezialisten für digitale ­Forensik. «Die strafrechtlichen Konsequenzen für Informationslecks sind real», schreibt Global-Security-Chef Tom Moyer. «Und sie bleiben für immer an der persönlichen und berufliche Identität haften.» Folge: Die Karriere in der Tech­in­dustrie ist vorbei.

«Wie ein Käfer zerdrückt»

Die Internetgiganten Google und Facebook betreiben verglichen mit Apple gegenüber den Angestellten eine relativ offene Information. Mark Zuckerberg lädt wöchentlich zu einem Mitarbeitertreffen ein und stellt sich den Fragen. Google informiert die Angestellten auf Google Plus regelmässig über technische Entwicklungen und unterhält Tausende von internen E-Mail-Listen. Gleichzeitig aber beschäftigt Facebook ein «Rat-catching-Team», interne Ermittler, die früher teils für das FBI, die CIA und militärische Nachrichtendienste gearbeitet hatten.


Video: Ein Ufo oder was?

Das neue Hauptquartier von Apple in Cupertino kommt futuristisch daher.


«Es ist erschreckend, wie viel sie wissen», sagte kürzlich ein entlassener Facebook-Mitarbeiter. «Zu Beginn ist man schockiert über das Ausmass der Transparenz. Doch auf der anderen Seite wird man wie ein Käfer zerdrückt, wenn man das Vertrauen verletzt.» ­Google versucht, die Treue der Mitarbeiter mit der Zuteilung von Vorzugsaktien zu sichern. Und wenn das nicht reicht, so sorgen die Schnüffler der legendären Pinkerton-Detektei für Abhilfe. Sie platzieren sich in Cafés in und Restaurants in der Nähe der Facebook- und Google-Büros und hören mit. Die beiden Konzerne verneinen eine solche Kooperation. Gemäss Pinkerton-Direktor David Davari gilt das Abhören der Mitarbeiter in erster Linie dem Aufspüren von Insiderhandel und Diebstahl von geistigem Eigentum.

Diese Massnahmen schaffen ein Klima der Angst und einen Druck, sich anzupassen. Dies erfuhr James Damore, ein Softwareingenieur bei Google, als er 2016 eine politisch höchst unkorrekte Kritik an der Anstellungspraxis publizierte. Er warf Google vor, konservative, weisse Männer zu benachteiligen. Er wurde entlassen und reichte eine Diskriminierungsklage ein. Noch steht der Ausgang dieses Präzedenzfalls aus.

Whistleblower entmutigt

Unbesehen aber davon, ob Damore recht erhält, bedrohen die Techfirmen mit ihrer Kontrollsucht mögliche Whistleblower, die Missstände oder illegalen Praktiken offenlegen. Die USA belohnt solche Enthüller wie kein anderes Land: UBS-Whistleblower Bradley Birkenfeld erhielt über 100 Millionen Dollar für seine Verdienste rund um das Aufdecken eines Steuerbetrugs.


Erfahrungen einer Whistleblowerin
Sie hatte alles richtig gemacht und wurde trotzdem dafür bestraft. (Abo+)


Im Silicon Valley «führt die überaus breite Definition der vertraulichen Informationen dazu, dass Angestellte nicht mehr wagen, sich zu äussern», erklärte Anwalt Chris Baker, der einen entlassenen Google-Mitarbeiter vertritt. «Es wird dann problematisch, wenn sie auch zu Themen nichts mehr sagen, die ihnen erlaubt wären.» Wie schwer es Whistleblower der Techindustrie haben, erfuhr Ellen Pao. Sie machte eine Kultur der Frauendiskriminierung in einer führenden Venture-Capital-Firma öffentlich, wurde gedemütigt und entlassen.

Bei Uber brauchte es mehrere Versuche, bevor Susan Fowler das frauenfeindliche Klima im Unternehmen publik machen konnte. «Ich musste supervorsichtig sein, um ernst genommen zu werden», erinnert sie sich. «Viele Frauen waren Whistleblower, und viele wurden heruntergemacht und schrecklich behandelt.»

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 17.04.2018, 12:27 Uhr

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