Schweizer Zement für Trumps Mexiko-Mauer

Ein Dokument der US-Regierung zeigt: Ein Schweizer Zementhersteller will beim Mauerbau an der US-Südgrenze mitmischen. Es ist nicht die erste hiesige Firma.

Momentan gibt es hier nur einen Zaun: Grenzbefestigung im nordmexikanischen San Luis Río Colorado. Foto: Guillermo Arias (AFP)

Momentan gibt es hier nur einen Zaun: Grenzbefestigung im nordmexikanischen San Luis Río Colorado. Foto: Guillermo Arias (AFP)

Mario Stäuble@mario_staeuble

Es war der Chef des Bauchemiekonzerns Sika, der das Thema in der Schweiz lancierte: «Wenn Trump die Mauer tatsächlich baut – in welcher Form auch immer –, dann sind wir auch beteiligt», sagte Jan Jenisch am letzten Freitag bei der Präsentation der Jahreszahlen in Zürich. Die Rede ist vom kontroversen Ausbau der Befestigung an der Grenze zwischen den USA und Mexiko. Der neue US-Präsident Donald Trump hatte «The Wall» zu einem zentralen Versprechen seines Wahlkampfs gemacht.

Während Sika von künftigen Möglichkeiten spricht, ist ein anderes Schweizer Unternehmen einen Schritt weiter: Der Zementkonzern LafargeHolcim hat sich in einer anlaufenden Ausschreibung für einen Prototypen der Mauererweiterung als Interessent eintragen lassen. Das zeigen US-Vergabedokumente.

Die Pläne der Trump-Regierung konkretisieren sich in rasantem Tempo. Am 24. Februar hat das Ministerium für Innere Sicherheit auf der regierungseigenen Vergabeplattform FBO.gov eine Anzeige aufgeschaltet. Darin kündigt es an, am 6. März einen Mauerauftrag auszuschreiben. Konkret geht es um «Design und Konstruktion von mehreren prototypischen Mauerstrukturen in der Nähe der US-mexikanischen Grenze». Bereits am 10. März müssen Interessenten ein erstes Konzept ihrer Prototypen einreichen. Danach werden aus den Anbietern Finalisten ausgewählt, und schon Mitte April will die Regierung die ersten Aufträge vergeben.

Seit letzter Woche können sich Unternehmen in einer Liste als «interessierte Lieferanten» für den Auftrag eintragen lassen. Das Echo ist enorm – nach dem Stand von vorgestern Dienstag haben sich bereits 220 Firmen angemeldet. Mit dabei sind Dutzende amerikanische KMU, aber auch Milliardenrüstungskonzerne wie Raytheon.

Noch ist die Eintragungsphase nicht abgeschlossen, weitere Unternehmen werden hinzukommen. LafargeHolcim ist bislang der einzige Schweizer Name, der darauf auftaucht. Der weltgrösste Zementkonzern mit Hauptsitz in Jona SG entstand 2015 aus der Fusion des französischen Zementanbieters Lafarge mit dem Schweizer Konkurrenten Holcim. Involviert ist die US-Filiale des Konglomerats, Lafarge North America.

Zuschlag nur indirekt

Auf Anfrage erklärt Lafarge-Sprecher Eike Christian Meuter, wie der Eintrag in der Liste zustande kommt: Die US-Regierung sei ein bestehender Kunde von ­LafargeHolcim. Das Marketingteam habe das Unternehmen routinemässig in die Liste eintragen lassen wie bei anderen öffentlichen Infrastrukturprojekten auch. Bislang sei das Unternehmen aber von niemandem kontaktiert worden, der am Projekt arbeite.

LafargeHolcim kann nicht direkt an den Auftrag gelangen, wie Sprecher Meuter weiterschreibt. Der Konzern würde als Baustoffhersteller nicht als Bieter gelten, da solche Projekte von Bauunternehmen gemanagt würden. Erst in einem zweiten Schritt wäre es möglich, dass ein ausführendes Bauunternehmen auf einen Hersteller von Zement und Zuschlagstoffen wie ­La­farge­Holcim zugehe. Der eigentliche Auftrag käme dann von der Baufirma.

Wichtigster Einzelaktionär von ­LafargeHolcim ist der Schweizer Milliardär Thomas Schmidheiny, der aktuell 12 Prozent der Aktien hält. Er lässt via seinen Sprecher ausrichten, dass er auf Fragen zur Beteiligung des Konzerns am Mauerprojekt keine Stellung beziehe.

Sogar Mexikaner wollen den Auftrag

Klar ist, dass der Auftrag den Gewinnern der Ausschreibung hohe Umsätze bescheren wird, sollten die Sperren tatsächlich gebaut werden. Selbst Cemex, der mexikanische Konkurrent von ­LafargeHolcim, würde gerne Baumaterial ­liefern, wie Konzernchef Rogelio Zambrano der Zeitung «La Reforma» sagte – obwohl sich die mexikanische Regierung vehement gegen die Mauer ausgesprochen hat.

Heute ist die US-mexikanische Grenze auf einer Länge von rund 1000 Kilometern befestigt, vor allem durch Zäune. Die Grenzlinie ist total 3200 Kilometer lang. Präsident Trump sprach während seiner Wahlkampagne von Kosten in der Höhe von 10 bis 12 Milliarden Dollar; die Nachrichtenagentur Reuters berief sich kürzlich auf einen internen Bericht des Ministeriums für innere Sicherheit, in dem Kosten von 21,6 Milliarden genannt wurden.

Für das Mauerprojekt bestehen allerdings verschiedene Hürden. Für die Finanzierung von solchen Projekten ist in den USA der Kongress zuständig, dessen Haltung in der Mauerfrage ungewiss ist. Dazu kommen umweltrechtliche Schranken und Privateigentümer, die ihr Land womöglich nicht für eine Grenzbefestigung zur Verfügung stellen wollen.

Auch Künstler wollen bauen

Nicht alle der aktuell 220 Auftragsinteressenten wollen ernsthaft mit dem Bau der Grenzbefestigungen Geld verdienen. Eine Bieterin führte als Unternehmensname nur «#Artthatwall» auf, was auf einen Scherz einer Künstlerin hindeutet. Und ein anderer Eintrag lautet auf ­Detlef Lemme, Hamburg. Auf Anfrage erklärt der Deutsche: «Ich bin Künstler und Visualisierer.» Er sei bei seinen eigenen Recherchen auf die Ausschreibung gestossen und plane nun, bis zum 20. März einen Designvorschlag einer «alternativen Mauer» einzureichen, die nicht physisch auf die Grenze gebaut, sondern nur «gedacht» sei.

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