Rudolf Rechsteiner als neuer Ethos-Präsident vorgeschlagen

Das Basler SP-Urgestein soll künftig die Geschicke der Stiftung für nachhaltige Entwicklung leiten.

Rudolf Rechtsteiner ist Experte für erneuerbare Energien. 15 Jahre lang war er SP-Nationalrat. Von 2012 bis 2017 sass er im Grossen Rat der Stadt Basel. (Archiv)

Rudolf Rechtsteiner ist Experte für erneuerbare Energien. 15 Jahre lang war er SP-Nationalrat. Von 2012 bis 2017 sass er im Grossen Rat der Stadt Basel. (Archiv)

(Bild: Keystone Marcel Bieri)

Die Anlagestiftung Ethos hat die Kandidaten für die Nachfolge des langjährigen Präsidenten Dominique Biedermann bestimmt. SP-Politiker Rudolf Rechsteiner soll Präsident der Stiftung werden, Coop-Verwaltungsrätin Beth Krasna Präsidentin von Ethos Services.

Die Ethos-Räte seien überzeugt, dass diese beiden Persönlichkeiten einen grossen Beitrag zur weiteren Positionierung von Ethos als einem herausragenden Akteur auf dem Gebiet der nachhaltigen Anlagen leisten werden, teilte die Stiftung am Freitag mit.

Dominique Biedermann hat Ende Januar bekanntgegeben, dass er auf die Generalversammlung im Juni diese zwei Ämter abgibt. Biedermann ist der letzte Vertreter der Gründungsmitglieder, der noch für Ethos tätig ist. Biedermann ist seit der Gründung von Ethos vor 21 Jahren für die Anlagestiftung tätig. Mitte 2015 gab er das Direktorium an Vincent Kaufmann ab und liess sich zum Stiftungspräsidenten wählen.

Gleichzeitig teilten die Ethos-Räte mit, dass ab der Generalversammlung zwei verschiedene Personen die Präsidentschaft der Ethos Stiftung und von Ethos Services übernehmen sollen.

Eklat zum Jahreswechsel

Zuvor war Biedermann dafür kritisiert worden, zu viel Macht anzusammeln. Erst im Dezember kam es bei der Anlagestiftung zum Eklat: Die Geschäftsführerin der Pensionskasse der Post, Françoise Bruderer, trat aus dem Ethos-Stiftungsrat aus. Monika Roth, Verwaltungsrätin von Ethos Services, nahm ebenfalls ihren Hut.

Die beiden Frauen warfen Biedermann vor, dass sich um ihn zu viel Macht ansammle, seit er vom Chef zum Präsidenten der Stiftung wurde. Kritisiert wurde auch die Tatsache, dass Biedermanns Ehefrau in der Geschäftsleitung sitzt.

Biedermann wies die Kritik damals zunächst als völlig unberechtigt zurück. Ethos kündigte nach den Rücktritten zudem an, eine Selbstevaluation durchzuführen. Ziel sei es, die Nachfolgeregelung im Verwaltungsrat zu gewährleisten.

Pikant waren die Vorwürfe insbesondere wegen der Vorbildfunktion von Ethos. Denn die Anlagestiftung schaut bei ihren Stimmrechtsempfehlungen Unternehmen jeweils bezüglich guter Unternehmensführung auf die Finger.

Als Folge des Eklats beendete im Januar die Pensionskasse Post die Zusammenarbeit mit Ethos. Die Kommunikation seitens von Ethos zeuge «von keinerlei Einsicht bezüglich der kritisierten Mängel», begründete sie das im Januar.

Wegen der «Unzulänglichkeit in der Corporate Governance» sah die PK Post die Glaubwürdigkeit von Ethos «stark beeinträchtigt». Die Stiftung zeigte sich jedoch bereit, auf ihren Entscheid zurückzukommen, wenn Ethos «spätestens an der Generalversammlung» die «erwarteten und notwendigen Schritte» einleite.

Neue Präsidenten und Stiftungsräte

Der vorgesehene Nachfolger von Biedermann an der Stiftungsspitze, Rudolf Rechsteiner, ist Experte für erneuerbare Energien und war SP-Nationalrat von 1995 bis 2010. Von 2012 bis 2017 sass er für diese Partei im Grossen Rat der Stadt Basel. Seit 2010 arbeitet Rechsteiner als unabhängiger Berater zu Themen wie Energie, Energiepolitik und sozialer Sicherheit sowie als Dozent. Rechsteiner sitzt zudem im Verwaltungsrat der Industriellen Werke Basel und der staatlichen Pensionskasse Basel.

Er präsidiert die Stiftung Swissaid für internationale Entwicklungszusammenarbeit. Beth Krasna ist Chemie-Ingenieurin und Mitglied des Verwaltungsrates von Coop, des ETH-Rats und des auf Mikrofinanz spezialisierten Unternehmens Symbiotics. Beth Krasna wird laut Mitteilung die Weiterentwicklung und Förderung der Produkte von Ethos Services präsidieren.

Zudem gibt Ethos weitere Änderungen an seiner Führungsspitze bekannt. So schlägt der Stiftungsrat vor, Andrea Frost-Hirschi als Vertreterin der Mitgliedsinstitutionen in den Stiftungsrat zu wählen. Frost-Hirschi ist Vizepräsidentin der Verwaltungskommission der Bernischen Pensionskasse (BPK).

Zudem wird Jean-Louis Rimaz, der seit 2014 als statutarischer Vertreter der Pensionskasse des Kantons Genf (CPEG) dem Stiftungsrat angehört, sein Mandat nicht zu verlängern. Als neuen Vertreter hat die CPEG Jacques Folly ernannt. Die Ethos Stiftung schliesst eigenen Angaben zufolge mehr als 220 schweizerische Pensionskassen und andere steuerbefreite Institutionen zusammen.

nag/sda

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