Die Schweiz ist Brau-Weltmeister

Die Schweizer trinken nur noch 54 Liter Bier im Jahr, aber kein Land weltweit hat mehr Brauereien.

Ihre Zahl steigt jährlich: In der Schweiz werden viele neue, oft kleine Braustätten wie die Garage Bier Brauerei des Berner Restaurants «Barbiere» gegründet.

Ihre Zahl steigt jährlich: In der Schweiz werden viele neue, oft kleine Braustätten wie die Garage Bier Brauerei des Berner Restaurants «Barbiere» gegründet. Bild: Keystone

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Die Schweizerinnen und Schweizer trinken immer weniger Bier, dafür vermehrt einheimische Produkte. Das zeigen die heute veröffentlichten Zahlen des Schweizer Brauerei-Verbands (SBV). Im kürzlich abgeschlossenen Braujahr, das vom 1. Oktober 2016 bis 30. September 2017 dauerte, verringerte sich der Gesamtkonsum im Vergleich zum Vorjahr um 0,2 Prozent von 4'621'928 auf 4'612'261 Hektoliter (461 Millionen Liter).

Wie hoch der momentane Pro-Kopf-Konsum ist, wird noch nicht ausgewiesen. 2017 dürfte er sich aber wieder bei etwa 54-55 Litern befinden, wie der SBV auf Nachfrage angibt. In den letzten knapp dreissig Jahren ist er damit um 23 Prozent zurückgegangen. 1990/91 tranken die Schweizer im Schnitt noch 71 Liter.

Hauptgrund für den tieferen Bierausstoss im vergangenen Braujahr ist der markante Rückgang der Importe um 3,5 Prozent. Mit 1'144'896 Hektolitern (42’000 weniger als im Vorjahr) machen aus dem Ausland eingeführte Biere nur noch knapp einen Viertel des hiesigen Marktes aus.

Die Schweizer Brauereien hingegen haben ein erfreuliches Jahr hinter sich. Sie steigerten ihre Produktion von einheimischen und hierzulande unter Lizenz gebrauten ausländischen Marken um 0,9 Prozent auf 3'467'365 Hektoliter und ihren Marktanteil auf über drei Viertel.

Damit setzt sich der Trend fort, der die Szene und den Markt seit 2013 erfasst hat: Während die Nachfrage nach importierten Bieren kontinuerlich abnimmt, haben die inländischen Brauereien ihre jahrelange Abwärtsspirale gestoppt und legen von Jahr zu Jahr zu.

«Der Gründungsboom setzt sich ungebremst fort.»Schweizer Brauerei-Verband

Eine wichtige Rolle spielt dabei die Zunahme der Anzahl Brauereien im Land. Als Braustätte gilt, wer berufs- oder hobbymässig mehr als 4 Hektoliter Bier pro Jahr braut oder dieses unabhängig von der Menge abgibt oder verkauft. Per 11. September 2017 wurden total 833 solche Braustätten im «Verzeichnis der steuerpflichtigen Inlandbrauereien» der Eidgenössischen Zollverwaltung geführt. Das sind noch einmal 99 mehr als im vergangenen Jahr.

Eingesetzt hat dieser Boom 1991 mit dem Ende des Bierkartells, einer Vereinbarung zwischen fast allen Schweizer Brauereien unter Führung des heutigen SBV. Sie bestand seit 1935 und erlaubte eine umfassende Marktregulierung. Seit das Kartell vor gut 25 Jahren aufgelöst wurde, ist die Anzahl Neugründungen regelrecht explodiert. Alleine seit der Jahrtausendwende hat sie sich verzehnfacht. Laut dem SBV weist die Schweiz heute im Verhältnis zur Bevölkerungszahl die grösste Dichte an Brauereien weltweit auf.

4'000 verschiedene Biere

Mit der wachsenden Anzahl an Brauereien wächst auch die Vielfalt ungebrochen. Allein die 19 Mitglieder des SBV, darunter Feldschlösschen und Doppelleu, stehen für nahezu 300 verschiedene Biermarken. Rechnet man gemäss dem Verband nun für jede weitere registrierte Brauerei fünf Marken hinzu, resultieren mindestens 4'000 verschiedene Schweizer Biere.

Trotz der stetig wachsenden Zahl an neuen Braustätten wird der Markt aber immer noch von wenigen grossen Brauereien dominiert. 99,2 Prozent des Schweizer Bieres wird von 49 Brauereien gebraut, die jährlich über 1000 Hektoliter produzieren.

(Tages-Anzeiger)

Erstellt: 21.11.2017, 11:37 Uhr

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