Das Ende des Bankschalters

Die Valiant schliesst drei Viertel ihrer Schalter – Einzahlungen müssen künftig am Automaten erledigt werden. Auch andere Banken überlegen sich, den Schalter teilweise abzuschaffen.

Bargeld beziehen und einzahlen sollen die Kunden der Valiant am Automaten.

Bargeld beziehen und einzahlen sollen die Kunden der Valiant am Automaten. Bild: Adrian Moser

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Für viele ältere Bankkunden ist es ein Ritual: einmal im Monat mit den Einzahlungsscheinen an den Bankschalter, dazu ein kurzes Schwätzchen mit der Frau oder dem Mann hinter der Theke.

Doch die Banken versuchen mit allen Mitteln, den Kunden diese Gewohnheit auszutreiben: bisher mit Strafgebühren für Schalterzahlungen oder tieferen Kontogebühren für Benutzer von E-Banking. Künftig soll es in vielen Filialen gar keine Schalterzahlungen mehr geben.

So hat die Berner Regionalbank Valiant am Donnerstag bekannt gegeben, in den nächsten fünf Jahren in 64 der 84 Filialen die Schalter zu schliessen. Zwar werden weiterhin in jeder Filiale Berater arbeiten, die Kunden etwa bei Kontoeröffnungen, Hypotheken und Anlagen helfen werden. Doch Bargeldbezüge und Einzahlungen werden nur noch an den Automaten möglich sein.

Damit ist die Valiant nicht alleine: Raiffeisen betreibt bereits mehrere Filialen, an deren Schalter es kein Bargeld mehr gibt – aus Sicherheits-, aber auch aus Kostengründen. Die Genossenschaftsbank ist die Schweizer Bank mit den meisten Standorten, zumeist sind es Klein- und Kleinstfilialen. Sie ist am meisten betroffen vom veränderten Kundenverhalten aufgrund der Digitalisierung. In den letzten fünf Jahren hat Raiffeisen schweizweit bereits 150 Filialen geschlossen.

Davon ist die Grossbank UBS mit ihrem viel weitmaschigeren Filialnetz weit entfernt. Doch auch sie bestätigt auf Anfrage, dass sie prüft, Bargeldgeschäfte in kleineren Filialen künftig ganz den Ein- und Auszahlungsautomaten zu überlassen. Ebenso setzt die Credit Suisse «an ausgewählten Standorten» auf das Modell Kundenberater plus Automatenzone.

Alle Angestellten dürfen bleiben

Die Valiant hat eine solche Filiale bereits im Januar im aargauischen Brugg eröffnet: Die Kunden können dort bei einem Mitarbeiter auf dem Bildschirm ihr Anliegen anbringen. Der Mitarbeiter vermittelt sie dann gegebenenfalls an einen der drei Berater, die in der Filiale arbeiten – oder an einen Ein- und Auszahlungsautomaten. Nach diesem Modell sollen nun auch die betroffenen 64 Valiant-Filialen umgestaltet werden. Zu Entlassungen soll es nicht kommen: Die 65 betroffenen Angestellten sollen etwa je zur Hälfte zu Kundenberatern umgeschult werden und im zentralen Kundencenter eingesetzt werden.

Die Umgestaltung der Filialen werde die Bank rund 10 Millionen Franken kosten, schreibt Valiant-Sprecher Marc Andrey auf Anfrage. Dem gegenüber stünden jährliche Einsparungen von 4 bis 5 Millionen Franken an Betriebskosten. Die Valiant begründet die Schalterschliessungen damit, dass die Zahl der Transaktionen am Schalter in den letzten zwei Jahren um ein Viertel gesunken ist. Bei der Berner Kantonalbank (BEKB) sinken die Schaltergeschäfte in einem ähnlichen Mass: Die Frequenzen gingen jährlich um 10 Prozent zurück, sagte Kantonalbank-Chef Hanspeter Rüfenacht im Januar dem «Bund».

So testet die BEKB seit Februar eine gänzlich «unbemannte» Filiale in Nidau. Den Kunden steht dort ein Ein- und Auszahlungsautomat zur Verfügung sowie eine Beratungsmöglichkeit per Telefon, aus welcher später eine Videochat-Funktion werden soll. Der Test sei bisher «positiv» ausgefallen, schreibt BEKB-Sprecher Alex Josty. Der Automat erfreue sich «hoher Frequenzen», und die Telefonberatung werde «rege genutzt». «Die unbemannte Filiale könnte ein Modell sein, um kleinere Standorte zu betreiben», schreibt die Kantonalbank. Für grössere Standorte komme das System jedoch nicht infrage.

Auch die UBS testet derzeit die Videoberatung. Dies in der Filiale im aargauischen Stein. Die Funktion soll zum Einsatz kommen, wenn die Berater in der kleinen Geschäftsstelle nicht alle Bedürfnisse der Kunden abdecken können. Ganz unbemannte Filialen soll es bei der UBS vorerst nicht geben, sagt Sprecherin Ursula Dober.

Expansion in Ost und West

Auch bei der Valiant soll weiterhin jede Filiale über eine Handvoll Kundenberater verfügen. Und die 20 grössten Valiant-Geschäftsstellen werden weiterhin über Schalter verfügen, etwa jene am Berner Bundesplatz. Nächstes Jahr werden die ersten drei Geschäftsstellen umgebaut, um mit dem neuen Modell Erfahrungen zu sammeln: jene in Wohlen bei Bern, in Neuenegg und im luzernischen Buchrain. Unter anderem müsse getestet werden, wie die Bank mit den Bargeldeinzahlungen der KMU und mit den Bankschliessfächern umgeht, sagte Valiant-Chef Markus Gygax am Donnerstag an einer Telefonkonferenz.

Gleichzeitig mit dem Abbau der Schalter will die Valiant neue Geschäftsstellen eröffnen: im Oktober in Morges, nächstes Jahr in Nyon und Vevey und «ab 2019» in Rheinfelden, Frauenfeld, St. Gallen und Wil. Damit stösst die Bank mit Filialen in heute 11 Kantonen neu in die Kantone Thurgau und St. Gallen vor. Während die repetitiven Dienstleistungen an Automaten oder lieber ganz ins Internet ausgelagert werden sollen, wird die persönliche Beratung bei einem Kredit oder der Vermögensverwaltung noch lange zentral sein, so ist die lila Bank überzeugt. (Der Bund)

Erstellt: 11.08.2017, 06:45 Uhr

Keine Negativzinsen bezahlt

Wie jede Schweizer Bank hat auch die Berner Valiant bei der Nationalbank eine Freigrenze, bis zu welcher sie auf ihre deponierten Gelder keine Negativzinsen bezahlen muss. Man habe diese Grenze «bis zum letzten Franken» ausgereizt, sagte Valiant-Chef Markus Gygax am Donnerstag. Dies weil die Valiant derzeit damit Geld verdient, fremde Gelder entgegenzunehmen und dafür selbst Negativzinsen zu verlangen.

Auch mit Privatkunden ist die Bank streng: Wer über 3 Millionen Franken auf seinem Konto hat, dem drohen Strafzinsen. Diese Regel hatte Auswirkungen auf die Kundengelder im ersten Halbjahr: Sie sanken um 1,3 Prozent auf 18,0 Milliarden Franken. Die Hypotheken nahmen hingegen um 1,3 Prozent auf 21,0 Milliarden Franken zu. Unter dem Strich resultierte ein Gewinn von 52,2 Millionen Franken (+1,0 Prozent). Der Personalbestand stieg um 4 auf 846 Vollzeitstellen.

Die Bank kündigte am Donnerstag an, sich künftig auch mit besicherten Anleihen zu refinanzieren. Das sind Anleihen, die mit «erstklassigen» Hypotheken hinterlegt sind, wodurch der Zinssatz, den die Valiant bezahlen muss, deutlich sinkt, unter Umständen sogar in den negativen Bereich. In einer ersten Tranche will die Bank Ende Jahr solche Papiere im Wert von 150 Millionen Franken an institutionelle Anleger ausgeben.

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