So läuft eine Scheidung ab

Anwältin Carmen Rosat sagt, wann man einen Anwalt braucht, welche Art von Scheidung am günstigsten ist – und warum sich Egoismus nicht lohnt.

Alles hat ein Ende: Die Hälfte aller Schweizer Ehen wird wieder aufgelöst. Foto: iStock

Alles hat ein Ende: Die Hälfte aller Schweizer Ehen wird wieder aufgelöst. Foto: iStock

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In der Schweiz wird etwa jede zweite Ehe geschieden. Carmen Rosat, Anwältin bei Rosat Rechtsanwälte Bern, arbeitet seit knapp zehn Jahren als Scheidungsanwältin. Sie sagt: «Ich hatte noch nie eine 08/15-Scheidung. Bei jeder Scheidung gibt es gewisse Probleme, die intensive Abklärungen erfordern.» Die Anwaltskosten für eine Scheidung belaufen sich derzeit auf mindestens 3000 Franken, dazu kommen Kosten des Gerichts, die einkommensabhängig sind.

Am günstigsten lässt sich die Ehe auflösen, wenn beide dies wollen – die sogenannte Scheidung auf gemeinsames Begehren: Die Scheidungswilligen verfassen gemeinsam eine Konvention über die Folgen der Scheidung. Geregelt werden das Sorgerecht und die Unterhaltszahlung, wer in der Wohnung bleibt und wie die Güter und die Gerichtskosten aufgeteilt werden.

Die Vereinbarung

Die Vereinbarung reicht man dann mit einem Gesuch, dem sogenannten Scheidungsbegehren, beim Zivilgericht ein. Manche Gerichte bieten vorgedruckte Formulare an, man kann aber auch einen Brief aufsetzen und darin schreiben, dass man sich scheiden lassen will. Den Brief müssen beide Ehegatten unterschreiben.

Das Gericht lädt zur Anhörung ein, an der es sich davon überzeugt, dass der Scheidungswille und die getroffene Vereinbarung auf dem freien Willen beider beruhen. Die Regelung bezüglich der Kinder schaut das Gericht von Amtes wegen genauer an. Vater und Mutter behalten in der Regel das gemeinsame Sorgerecht. Nur in Ausnahmefällen, wenn das Kindeswohl erheblich gefährdet ist, muss das Gericht einem Elternteil das Sorgerecht allein zuteilen. Kinder ab sechs Jahren werden angehört. Ihre Meinung wird mitberücksichtigt, ist aber nicht allein entscheidend. Der Richter oder die Richterin prüft die Angemessenheit der Scheidungsvereinbarung und spricht je nachdem die Scheidung sofort aus.

Wie teilen?

Das Güterrecht, also das Vermögensrecht der Ehegatten, und den Ehegattenunterhalt dürfen die Parteien dagegen so regeln, wie sie es wollen. Diesbezüglich prüft das Gericht nur, dass niemand ungerecht behandelt wird.

Können sich die Scheidenden nicht einigen, gibt es eine Kampfscheidung. Sie wird vor Gericht ausgetragen, und die Parteien streiten sich über jeden einzelnen Punkt. Eine solche Scheidung kann rasch mehrere Zehntausend Franken kosten.

Braucht es den Anwalt?

Können sich die Eheleute selber einigen, ist teilweise keine anwaltliche Unterstützung nötig. Bei strittigen Scheidungen dagegen brauchen meistens beide Seiten einen Anwalt. Lassen die Finanzen solche Ausgaben nicht zu, können Scheidungswillige beim Gericht die unentgeltliche Prozessführung beantragen. Bewilligt das Gericht den Antrag, werden die Gerichts- und die Anwaltskosten vorläufig von der Gerichtskasse übernommen.

Die Trennungsfrist

Wenn sich einer der Ehegatten der Scheidung widersetzt, kann diese erst ausgesprochen werden, wenn die beiden seit mindestens zwei Jahren getrennt leben. Die Frist beginnt in der Regel, wenn einer der Partner auszieht. In Ausnahmefällen kann eine Ehe vor Ablauf dieser zweijährigen Trennungsfrist geschieden werden. Vorausgesetzt ist allerdings, dass die Fortsetzung der Ehe für den einen Ehegatten unzumutbar geworden ist, beispielsweise bei körperlicher Gewalt. Allerdings sind die Massstäbe der Gerichte hoch. Eine Ohrfeige zum Beispiel reicht nicht aus.

Das Vermögen aufteilen

Ist bei der Eheschliessung nichts anderes abgemacht worden, leben die Eheleute nach den Regeln der Errungenschaftsbeteiligung. Das bedeutet: Was beide während der Ehe verdient haben, wird je hälftig geteilt. Zur Errungenschaftsbeteiligung zählen Renten, Lohn und Erträge aus dem Eigengut, also beispielsweise Mietzinseinnahmen von einem vor der Ehe gekauften Haus. Nicht halbiert wird das Eigengut, also jenes Vermögen, welches ein Partner in die Ehe mitbrachte oder während der Ehe erbte oder geschenkt bekam. Bei einem Ehevertrag gibt es die Varianten Gütergemeinschaft und Gütertrennung. Bei der Gütergemeinschaft gibt es das Gesamtgut, das beiden ungeteilt gehört und über das sie nur gemeinsam verfügen können. Bei Gütertrennung behält jede Seite, was ihr gehört, und verwaltet es selbst.

Die Namen

Nach einer Scheidung behalten die Ehepartner grundsätzlich den Namen, den sie bei der Heirat angenommen haben. Falls die Ehefrau oder der Ehemann bei der Heirat den Namen geändert hat, kann sie oder er nach der Scheidung den Ledignamen jederzeit wieder annehmen. Dazu reicht eine Erklärung beim Zivilstandsamt.

Die Scheidung der Eltern hat keine Auswirkungen auf den Namen der Kinder. Dieser kann nur bei Vorliegen achtenswerter Gründe mit einem Gesuch um Namensänderung geändert werden. Carmen Rosat rät Paaren jeweils, bei Scheidungen grosszügig zu sein und die eigene Situation nicht immer bis ins Endlose optimieren zu wollen. «Parteien mit Kindern sollen sich bewusst sein, dass sie über die Kinder ein Leben lang verbunden bleiben. Ein gegenseitiger respektvoller Umgang vor, während und nach der Scheidung ist darum wichtig.»

Erstellt: 20.09.2019, 19:38 Uhr

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