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So bedroht der Iran-Konflikt die Realwirtschaft

Die Märkte reagieren mit Kursverlusten. Eine Wirtschaftskrise lässt sich daraus aber noch nicht ableiten. Fünf Faktoren spielen eine wichtige Rolle.

Düstere Zeiten: Seit letzter Woche ist der Ölpreis um sechs Prozent gestiegen. Eine Ölraffinerie in Donges (Frankreich). Foto: Stephane Mahe (Reuters)
Düstere Zeiten: Seit letzter Woche ist der Ölpreis um sechs Prozent gestiegen. Eine Ölraffinerie in Donges (Frankreich). Foto: Stephane Mahe (Reuters)

Die Spannungen im Nahen Osten nach der Tötung des iranischen Generals Qassim Soleimani durch die USA in Bagdad haben bereits Auswirkungen auf die Kapital- und Rohstoffmärkte. Der Ölpreis notiert gemessen an der Sorte Brent mit einem Preis von rund 70 Dollar pro Fass so hoch wie seit dem letzten Frühling nicht mehr. Die Börsen zeigen am Montagvormittag weltweit Kursverluste, das Gold kostet mit einem Preis von 1580 Dollar pro Unze so viel wie zuletzt im April 2013. An Wert weiter zugelegt hat auch der Franken. Doch droht uns deshalb eine Krise? Das hängt vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Die folgenden fünf Faktoren spielen eine besondere Rolle:

Der Ölpreis

Mit Blick auf frühere Krisen und Kriege im Nahen Osten interessiert vor allem der Ölpreis, da ein grosser Teil des weltweiten Verbrauchs dieses Rohstoffs von dort kommt. Allein seit der letzten Woche ist der Preis des Rohstoffs um rund 6 Prozent angestiegen. Allerdings gab es Preise von über 70 Dollar pro Fass in den letzten Jahren schon mehrmals. Im Oktober 2018 kostete das Fass sogar 84 Dollar.

Gedämpft werden die Risiken eines Preisschubs zudem durch andere Quellen, wie jene aus dem Schieferöl in den USA. Zum anderen hat die Abhängigkeit vom Öl im Vergleich zu früheren Jahrzehnten abgenommen. Viel hängt aber davon ab, wie sich der Konflikt weiterentwickelt. Kommt es zu einem Krieg zwischen den USA und Iran oder einem Flächenbrand, der den ganzen Nahen Osten und die gesamte Ölförderung von da betrifft, würde der Ölpreis massiv weiter ansteigen. Das würde sich auf jeden Fall negativ auf die Weltwirtschaft auswirken – vor allem im Zusammenspiel mit anderen schädlichen wirtschaftlichen Entwicklungen.

Der Frankenkurs

Eine weitere deutliche Aufwertung des Frankens bleibt das grösste Risiko für die Schweizer Wirtschaft, vor allem angesichts einer schwachen Weltkonjunktur. Schon vor dem Anschlag in Bagdad legte der Wert der Schweizer Währung wieder zu. Seit Anfang Dezember ist der Preis des Euro in Franken bereits von 1.104 auf 1.084 gesunken. Ein günstiger Euro steht für eine Frankenaufwertung. Am Montag publizierte Daten der Nationalbank zu den Giroeinlagen der Banken lassen vermuten, dass die Notenbank sich schon vor der jüngsten Krise mit Devisenmarktinterventionen im Umfang von mehr als 2 Milliarden Franken innert einer Woche gegen die Aufwertung gestemmt hat.

Hinweise für die seit der Tötung von Soleimani gestiegene Nachfrage nach Sicherheit liefern auch der erwähnte höhere Goldpreis und die Staatsanleihen der USA, Deutschlands und der Schweiz. Diese Länder gelten als Schuldner mit höchster Bonität. In all diesen Ländern ist die Rendite dieser Anleihen trotz tiefen (in der Schweiz und Deutschland sogar negativer Renditen) weiter gesunken. Tiefere Renditen sind die Folge steigender Kurse der Anleihen.

Fehlende Reaktionsmöglichkeiten

Bisher waren die Amerikaner bei einem militärischen Vorgehen meist darauf bedacht, dies in Absprache oder sogar in Kooperation mit anderen Verbündeten zu tun. Doch Donald Trump hält davon wenig. Selbst mit den Europäern ist das Verhältnis der USA zerrüttet, und es stehen drastische Zollerhöhungen vonseiten der Amerikaner gegen Frankreich und weitere europäische Länder im Raum. Der Handelskrieg belastet schon jetzt die internationalen Wertschöpfungsketten, die Investitionen und das Wachstum.

Das verschlechterte politische und wirtschaftliche Klima und das vorhandene Misstrauen haben zur Folge, dass ein koordiniertes Vorgehen zur Linderung negativer wirtschaftlicher Folgeerscheinungen eines schweren Konflikts schwieriger zu bewerkstelligen ist. Verschlimmert wird das noch durch den bereits stark eingeschränkten Spielraum der Länder etwa in der Geldpolitik. Die Leitzinsen der Notenbanken sind bereits auf Tiefstständen oder sogar im negativen Bereich. Die öffentliche Verschuldung setzt auch Stützungsmassnahmen durch das Staatsbudget vielerorts Grenzen.

Die Reaktion von Konsumenten und Unternehmen

Wenn Konsumenten und Unternehmen angesichts einer ungewissen und potenziell bedrohlichen Entwicklung mit ihren Ausgaben auf die Bremse treten, kann das zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung führen: Dann bricht die Nachfrage und damit die Weltwirtschaft tatsächlich weiter ein. Bereits ohne die neuste Krise wird für das angelaufene Jahr für die Weltwirtschaft und die Schweiz nur ein geringes Wirtschaftswachstum erwartet – hauptsächlich wegen einer schwachen Gesamtnachfrage. Die Bereitschaft zu produktiven Investitionen der Unternehmen ist weltweit gering. Angesichts der Investitionsschwäche und des geringeren Aussenhandels bleibt der Konsum in vielen Ländern die wichtigste Konjunkturstütze – auch in der Schweiz.

Die Folgen an den Aktienmärkten

Dass die Aktienmärkte am Montag weltweit Kursverluste verzeichnen, wird von Marktbeobachtern einheitlich mit der Krise nach der Ermordung des iranischen Generals durch die USA in Verbindung gebracht. Aber auch diese Kursverluste haben bisher kein Ausmass erreicht, das auf eine schwere weltweite Wirtschaftskrise hindeutet. Generell werden an den Börsen über Aktien Erwartungen zur künftigen wirtschaftlichen Entwicklung gehandelt. Die bisherigen Kursverluste stehen für die Verunsicherung darüber, wie es in dieser Krise weitergeht.

Sollte der Konflikt eskalieren, dürfte sich das in noch stärkeren Kurseinbrüchen spiegeln. Damit besteht auch die Gefahr, dass Konsumenten und Unternehmen durch eine solche Börsenentwicklung noch stärker verunsichert werden und erst recht mit ihren Ausgaben auf die Bremse treten – auch weil jene, die direkt oder indirekt Aktien besitzen, Vermögensverluste zu erdulden hätten.

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