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SNB dürfte Massnahme von Wechselkurs-Untergrenze weiter aufsparen Von Thomas Pohl, AWP Analyse

Mit ihren jüngsten Interventionen gegen die Frankenstärke am Mittwochmorgen hat die Schweizerische Nationalbank kurzfristig den gegenteiligen Effekt verursacht.

Der Grund liegt wohl darin, dass viele Marktteilnehmer im Vorfeld auf die Bekanntgabe einer Wechselkursuntergrenze spekuliert hatten. Diese Massnahme dürfte sich die SNB allerdings noch eine Zeit lang vorbehalten. Bei ihrer Bekämpfung der Überbewertung der Schweizer Währung setzt die SNB vorläufig weiterhin auf die Strategie, die Liquidität auf dem Franken-Geldmarkt signifikant zu erhöhen. Die Erfolge der Massnahmen sind insofern an den Märkten bereits sichtbar, als sich nun negative Zinssätze abzeichnen: Das Halten von Schweizer Franken wird damit «bestraft». Wirksamkeit umstritten Im Lauf der vergangenen Woche war der Euro-Kurs von einem Wert nahe der Parität bis auf über 1,15 Fr. gestiegen, der Dollar stieg von rund 0,70 Fr. bis auf über 0,80 Franken. Ob aber die Liquiditätsmassnahmen der SNB die Ursache für die signifikante Frankenabschwächung waren, ist bei Beobachtern strittig. Auf der einen Seite stellt sich etwa UBS-Ökonom Reto Huenerwadel auf den Standpunkt, dass die Massnahmen die Euro- und Dollar- Wechselkurse von ihren Tiefstwerten weggebracht hätten. Dagegen sieht die Währungsstrategin der Bank Sarasin, Ursina Kubli, den Grund für die Bewegung eher in den Erwartungen der Einführung einer Wechselkurs-Untergrenze durch die SNB. Die in den Zinsfutures implizierten negativen Zinssätze beeindruckten aber die Märkte wohl nicht, meint der UBS- Währungsstratege Geoffrey Yu in einem Kommentar zur jüngsten SNB- Intervention. Auch in der «Financial Times» vom Mittwoch äusserten Experten ihre Zweifel, dass negative Zinssätze die Investoren von Frankenkäufen abschreckten. Währungsuntergrenze auf Tisch Die Beobachter in der Schweiz gehen aber davon aus, dass sich die SNB eine direkte Intervention am Devisenmarkt mittels der Verteidigung einer Währungsuntergrenze vorläufig noch aufsparen wird. Natürlich sei ein solcher Schritt «auf dem Tisch», seiner Ansicht stehe er aber nicht «oben auf der Liste» der SNB, meint etwa UBS- Ökonom Huenerwadel. Auch CS-Ökonom Fabian Heller glaubt, dass sich die SNB einen solchen Schritt vorerst noch vorbehalten wird: «Auf jeden Fall ist er aber eine realistische Möglichkeit.» Solange der Schweizer Franken aber noch klar über einem Niveau von 1,10 CHF je Euro tendiere, werde die SNB zunächst noch ihre weiteren Mittel ausschöpfen, glaubt auch er. Für Sarasin-Ökonomin Kubli dürften neben dem Wechselkurs vor allem auch volkswirtschaftliche Überlegungen für die SNB eine Rolle spielen: «Entscheidend wird auch sein, wie schnell die Konjunkturdaten ein Rezessionsrisiko für die schweizerische Volkswirtschaft signalisieren werden.» Aussichten auf Erfolg Sollte die SNB zu einem solchen Schritt greifen, geben die Beobachter der SNB allerdings keine allzu schlechten Erfolgsaussichten. Schlussendlich gehe es bei einer Intervention um die Glaubwürdigkeit, sagt CS-Ökonom Heller. Diese sei sicher besser als noch bei der letzten Intervention: «Die SNB kann sich auf diesem Niveau keine Intervention mehr leisten, ohne auch tatsächlich eine Abschwächung zu sehen», glaubt Heller. Aber auch negative Konjunkturdaten für die Schweiz würden die Glaubwürdigkeit einer SNB-Intervention erhöhen, meint Kubli. Gestärkt worden ist die Nationalbank in den letzten Tagen zudem durch einen breiten politischen Sukkurs. Inzwischen haben auch die zuletzt stärksten Kritiker aus den Reihen der SVP der SNB ihre Unterstützung ausgesprochen. Die Erfolgsaussichten steigen im Urteil der Ökonomen auch deshalb, weil die starke Überbewertung des Frankens bei allen Marktteilnehmern wohl unbestritten ist. «Der Franken ist wohl noch nie so stark von seinem fairen Wert abgewichen», sagt Kubli. Deshalb dürfte eine Untergrenze von 1,15 Fr. oder 1,20 Fr. zum Euro - die noch immer eine klare Überbewertung des Frankens darstelle - besser zu verteidigen sein.

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