Schwerstarbeit wegen Black Friday

Für Kundinnen und Kunden heisst Black Friday: günstige Angebote zuhauf. Für Angestellte fängt damit die strengste Zeit des Jahres an.

Zu Spitzenzeiten werden bei der Post täglich bis zu 1,4 Millionen Pakete verarbeitet: Mitarbeiter im Paketzentrum Härkingen. Foto: Reto Oeschger

Zu Spitzenzeiten werden bei der Post täglich bis zu 1,4 Millionen Pakete verarbeitet: Mitarbeiter im Paketzentrum Härkingen. Foto: Reto Oeschger

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Es gibt die eine Seite: Heute kommen Schnäppchenjäger auf ihre Kosten. Am Black Friday macht mittlerweile ein Grossteil der bekannten Schweizer Detailhändler in irgendeiner Form mit. Sie bieten den Konsumentinnen und Konsumenten teilweise grosse Rabatte an und kurbeln so ihr Weihnachtsgeschäft an. Beim Startschuss zum Weihnachtsgeschäft nicht dabei zu sein, scheint für viele Händler keine Alternative.

Und dann ist da noch die andere Seite: All die online bestellten Tablets, Kleider und Parfüms müssen verschickt werden. Denn dies ist Teil des Deals. Wer am Black Friday Schnäppchen jagt, erwartet die Ware möglichst bald bei sich zu Hause.

Was nach Courant normal klingt – schliesslich versprechen viele Onlinehändler auch unter dem Jahr einen schnellen Lieferdienst –, hat Auswirkungen auf die Lieferkette. Der Black Friday bringt die Post und andere Lieferdienste in Bedrängnis: Sie setzen das Versprechen der schnellen Lieferung um. Und müssen sich darum auf deutlich grössere Paketmengen vorbereiten. Das heisst vor allem auch: Überstunden für die Angestellten.

Bei der Schweizerischen Post ist man vorgewarnt. Im vergangenen Jahr hat die Post in der Woche rund um Black Friday und dem in der Schweiz weniger verbreiteten Cyber Monday 7 Millionen Pakete verarbeitet. Das sind rund 1 Million Päckchen mehr als in den letzten zwei Wochen vor Weihnachten – der Zeit, die in der Vergangenheit immer wieder für Rekordmengen sorgte. Das heisst auch, dass zu Spitzenzeiten täglich bis zu 1,4 Millionen Pakete verarbeitet werden. Dies entspreche rund dem Doppelten eines normalen Tages, heisst es in einem Blog der Post.

Keine Ferien und Temporäre

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter heisst das zum Beispiel, dass sie während dieser Tage keine Ferien oder Kompensationstage beziehen können. Die entsprechende Regelung sei im Gesamtarbeitsvertrag umschrieben und «von den Mitarbeitenden breit akzeptiert», sagt ein Sprecher der Post.

Doch dies reicht bei weitem nicht, um die Mengen abzudecken. In den Paketzentren werden rund 30 Prozent zusätzliche Temporärangestellte dazugeholt. Die Angestellten müssen denn auch am Samstag in die Hosen, und die Arbeitszeit in den Zentrenwird verlängert. Entschädigt werden die Arbeitnehmenden mit einem Freitag unter der Woche, einen finanziellen Anreiz gibt es für die Samstagsarbeit nicht.

Zudem muss die Post 400 Lieferfahrzeuge dazumieten, um alles zeitnah zu denKunden zu bringen. Dies auch morgen Samstag und am Samstag vor Weihnachten.

Zumindest im Paketbereich muss die Schweizerische Post denn auch liefern. Der Markt ist liberalisiert, und auch andere Unternehmen buhlen um die Grosskunden. Und genau wie die Post muss auch etwa DPD mit einem Ansturm rechnen. «An einem normalen Tag wickeln wir um die 75'000 Pakete ab, am Black Friday rechnen wir dieses Jahr mit circa 93'000 Paketen und am Cyber Monday sogar mit etwa 123'000 Paketen», sagt eine DPD-Sprecherin. Deshalb werden zusätzliche Autos und Zusteller die Abwicklung vornehmen. Auch die Arbeitsschichten werden länger.

Ebenso leisten die Angestellten des privaten Postanbieters Quickmail Überstunden. Dort rechnet man nach Black Friday mit 50 Prozent mehr Paketen als in einer normalen Woche, wie es auf Anfrage heisst. Bei Quickmail ist man wenig glücklich über den Ansturm nach dem Black Friday. Geschäftsführer Christof Lenhard sagt: «Wir können das Volumen knapp bewältigen, aber wir halten es für einen ökonomischen Unsinn, in Wochen mit ohnehin grosser Nachfrage diese mit Rabatten zusätzlich anzuheizen.»

Dass die Paketlieferanten wegen der Schnäppchenjägerei unter Druck sind, zeigt sich am Beispiel von UPS. Dort wird während der Peak Season, wie die Firma selber auf ihrer Website die Wochen vor Weihnachten nennt, für die Lieferung von grossen oder unhandlichen Paketen mehr Geld verlangt.

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