Schweizer Online-Trader im Check

Mit der richtigen Wahl des Anbieters können Tausende Franken gespart werden. Ein Vergleich für drei Einkommensklassen.

Die günstigsten und die teuersten Anbieter liegen kostenmässig um Welten auseinander: Ein Mann handelt am Laptop. Foto: iStock

Die günstigsten und die teuersten Anbieter liegen kostenmässig um Welten auseinander: Ein Mann handelt am Laptop. Foto: iStock

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Der Aktienhandel per Mausklick am eigenen Computer ist in den vergangenen Jahren massiv günstiger geworden – ausser in der Schweiz. Noch immer halten zahlreiche Banken an ihren hohen Gebühren fest. Deutlich anders läuft der Wettbewerb in den USA. Erst kürzlich hat mit JP-Morgan eine der ganz grossen Banken eine Investmentplattform für Privatanleger auf den Markt gebracht, auf der die ersten hundert Trades pro Jahr gratis und franko sind.

Hierzulande spielt der Wettbewerb deutlich weniger stark. «Die Hürden, den Anbieter zu wechseln, sind bei uns relativ hoch. Das spielt den Banken in die Hände», sagt Benjamin Manz vom Online-Vergleichsdienst Moneyland.ch. Umso mehr sind Anleger gefordert, die Kosten und die Gebühren der einzelnen Anbieter unter die Lupe zu nehmen.

Moneyland.ch hat die Trading-Gebühren von Anbietern, die über eine Zulassung in der Schweiz verfügen, für drei fiktive Personen Andi Aufstrebend, Rita Redlich und Siegfried Sicher verglichen. Je nach Profil wurde eine gewisse Zahl an Transaktionen in Aktien aus der Schweiz, aus Europa und den USA sowie in Schweizer ETF angenommen. Die Gesamtkosten beziehen sich jeweils auf ein Jahr.

Profil 1 Andi Aufstrebend

Andi Aufstrebend (30) verdient gut und treibt seinen Vermögensaufbau gezielt mit langfristigen Aktienanlagen voran. Das Privatkonto nutzt er wenig – Zahlungen und Geldbezüge stehen im Fokus. Als Millennial setzt er auf einen Robo Advisor, und in der Altersvorsorge liegt sein Schwerpunkt auf Aktien. Daneben handelt er wiederkehrend bei einem Online-Broker.

Einkommen: 100'000 Franken
Privatkonto: 5000 Franken
Online-Trading: Depotwert 50'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Standardkarte ab und zu ein
Verwaltetes Vermögen: 50'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit möglichst hohem Aktienanteil

Profil 2 Rita Redlich

Rita Redlich (45) hat sich in ihrem Unternehmen etabliert, ihr Lohn nähert sich der Maximalstufe. Sie konnte bislang einiges auf die Seite legen, verwaltet wird das Geld von einem Vermögensverwalter. Ab und zu handelt sie selbst mit Aktien. Das Privatkonto nutzt sie immer wieder. Ihr Anlagestil ist vorsichtiger geworden – in der dritten Säule bevorzugt sie defensive Fonds.

Einkommen: 200'000 Franken
Privatkonto: 40'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 100'000 Franken
Kreditkarte: Setzt ihre Goldkarte gelegentlich ein
Verwaltetes Vermögen: 500'000 Franken
Säule 3a: Fonds mit Aktienanteil von maximal 40 Prozent

Profil 3 Siegfried Sicher

Siegfried Sicher (60) nähert sich der Pensionierung und hat die höchste Lohnstufe erreicht. Sein Privatkonto nutzt er rege, vor allem für Zahlungen. Der Anlagehorizont ist kürzer geworden, er setzt auf Sicherheit – sowohl bei seinem Vermögen wie auch in der dritten Säule, wo er nur noch Zinskonten besitzt. Bei seinem Online-Broker hält er wenige Aktien und ETF.

Einkommen: 300'000 Franken
Privatkonto: 50'000 Franken
Online-Trading: Depotwert 250'000 Franken
Kreditkarte: Setzt seine Platinkarte häufig ein
Verwaltetes Vermögen: 1'500'000 Franken
Säule 3a: Ausschliesslich Zinskonten

Grosse Gebührendifferenzen

Obschon alle drei ihr Wertschriftenportfolio unterschiedlich aktiv bewirtschaften, fällt das Fazit des Vergleichs unisono aus: Die günstigsten und die teuersten Anbieter liegen kostenmässig um Welten auseinander. Zum Beispiel bei Andi Aufstrebend: Er versucht, den Wert seines Depots mit taktischem Handeln zu vermehren. Macht er dies beim Schweizer Ableger der Saxo Bank, kostet ihn das knapp über 2000 Franken (vgl. Tabelle). Würde er die gleichen Trades bei Credit Suisse platzieren, kämen die Kosten auf knapp 7000 Franken zu stehen, bei UBS gar auf 8000 Franken – für eine praktisch identische Dienstleistung.

Online-Trading-Angebote im Vergleich

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Eine ähnliche Erfahrung macht auch Rita Redlich, die nur ab und zu Gewinne mitnimmt und sie in andere Titel investiert. Bei ihrem Handelsverhalten ist der günstige Anbieter Cornèrtrader sechsmal günstiger als etwa UBS.

Selbst Anleger wie Siegfried Sicher, die ihre Wertschriften ausschliesslich halten und keine Käufe abwickeln, können in die Kostenfalle tappen. Während Cornèrtrader, die Trading-Plattform der Tessiner Cornèr Bank, auf das Erheben von Depotgebühren vollumfänglich verzichtet, schlagen sie bei den Mitbewerbern wegen der ansprechenden Grösse von Siegfried Sichers Depot spürbar zu Buche.

Eine ausführlichere Tabelle mit der Auflistung aller Kosten und Gebühren finden Sie hier.

Vor allem die auf Online-Trading spezialisierten Plattformen bieten in der Regel die besten Konditionen.

Je nach der individuellen Konstellation kann die Rangliste der günstigsten Anbieter unterschiedlich ausfallen. Anhand der drei untersuchten Profile kristallisiert sich heraus, welche Anbieter tendenziell günstig und welche eher teuer sind.

Vor allem die auf Online-Trading spezialisierten Plattformen wie Cornèrtrader, Saxo Bank und Strateo bieten in der Regel die besten Konditionen. Ebenfalls zu den günstigen Anbietern gehören Swissquote, Postfinance sowie Bank Zweiplus mit ihrer Plattform Cash.ch.

Teuer sind hingegen die Online-Plattformen von Kantonalbanken, Migros Bank und Raiffeisen. UBS und Credit Suisse richten ihre Angebote nicht auf Anleger aus, die günstig selbst handeln wollen, und sind deshalb das Schlusslicht.

Teure Wechsel

Anleger, die dank ihrer Kenntnisse nicht auf eine Beratung angewiesen sind, können gemäss Experte Manz grundsätzlich den günstigsten Anbieter auswählen. Alle aufgeführten Banken werden von der Finanzmarktaufsicht (Finma) beaufsichtigt. Sollte ein Anbieter dennoch in Konkurs gehen, wären zumindest die gehaltenen Wertschriften davon nicht betroffen, sie könnten in diesem Fall zu einem anderen Anbieter transferiert werden.

Es kann sich auch lohnen, beim neuen Anbieter nachzufragen, ob er die Wechselkosten übernimmt.

Wer mit seinem Depot zu einer günstigeren Bank wechseln möchte, wird indes mit Hürden konfrontiert. Viele Anbieter verlangen für den Transfer je Titel 100 Franken und mehr. Bei zwanzig verschiedenen Aktien fallen somit mindestens 2000 Franken an Wechselgebühren an. Diese hohen Gebühren hatten vor zwei Jahren den Preisüberwacher und das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) auf den Plan gerufen – allerdings ohne spürbaren Erfolg.

Benjamin Manz von Moneyland empfiehlt, Aktien an der Börse zu verkaufen und sie beim neuen Anbieter erneut zu kaufen. «Wer viele unterschiedliche Titel hat, fährt so nicht selten am günstigsten.» Je nach Aktivität und Vermögen kann es sich auch lohnen, beim neuen Anbieter nachzufragen, ob er die Wechselkosten übernimmt.

Ein individueller Vergleich kann auf moneyland.ch erstellt werden.

(Finanz und Wirtschaft)

Erstellt: 09.11.2018, 15:12 Uhr

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