Schweizer Städtetourismus boomt – auch bei Inländern

Der Trend zu kürzeren, dafür häufigeren Ferienreisen spielt den Schweizer Städten in die Hände. Sie verzeichnen mehr Buchungen – auch von Schweizerinnen und Schweizern.

«Zibelemärit» in Bern, eine beliebte Touristenattraktion. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

«Zibelemärit» in Bern, eine beliebte Touristenattraktion. Foto: Alessandro della Valle (Keystone)

Holger Alich@Holger_Alich

Ferien in der Schweiz – wer denkt da nicht an blaue Seen, Wandertouren in den Bergen oder Skifahren? Die verblüffende Antwort: Die Schweizer selbst. Denn sie verbringen vermehrt ihre Ferien in der Stadt. Das zeigt die jüngste Studie der Konjunkturforschungsstelle (KOF) der ETH zum Tourismus in der Schweiz. «Die städtischen Gebiete in der Schweiz erleben einen regelrechten Boom», heisst es in der Studie. «Zwischen 2006 und 2018 konnten sie die Zahl der ­Logiernächte um 35 Prozent steigern.»

Ein Plus von 45 Prozent

Dabei sind Inländerinnen und Inländer ein wichtiger Treiber. Gemäss der KOF-Studie stieg ­die Zahl der Übernachtungen der Schweizer und Schweizerinnen in den Stadtgebieten zwischen 2006 und 2018 um sogar 45 Prozent.

«Der Trend geht dahin, dass die Menschen eher kurze Ferien machen. Daher wollen sie nicht viel Zeit für die Anreise verlieren und suchen Destinationen, die gut erreichbar sind», erklärt Florian Hälg, einer der Autoren der KOF-Tourismusstudie.

Neben den Sehenswürdigkeiten ziehe die Besucher vor allem das lokale Kultur- und Freizeitangebot an. Ein weiterer Grund sei, dass das Angebot an Hotels aller Preisklassen in den vergangenen Jahr in den Städten zugenommen habe. Und der Boom geht weiter: Allein in Zürich sollen in den kommenden drei Jahren 18 neue Hotels mit 2400 Zimmern entstehen. Das zeigt eine Studie des Immobilienberaters Jones Lang Lasalle. Das ist gut für Gäste: Der Bettenboom drückt die Preise. Die Nachfrage scheint da zu sein: «Ein Treiber für steigende Übernachtungszahlen sind die grossen Anlässe in der Stadt wie zum Beispiel Konzerte von international bekannten Bands, die Street Parade oder auch das Züri-Fäscht», sagt ein Sprecher von Zürich Tourismus. Auch die Oper würde Besucher in die Stadt ­locken, diese würden dann oft nach der Vorstellung in Zürich übernachten.

Nur eine oder zwei Nächte im Durchschnitt

Laut Sven Gubler, Interimschef von Bern Welcome, werden in der Bundesstadt sogar 43 bis 45 Prozent aller Logiernächte von Schweizerinnen und Schweizern gebucht. Diese hohe Quote sei stabil. «Zudem ist die Destination Bern ein beliebtes Ziel für Tagesausflüge, insbesondere für Gäste aus dem Inland, dies unter anderem aufgrund der geografischen Lage, der guten ÖV-Erschliessung und des vielseitigen Angebots. Reisende aus der Schweiz sind somit der Hauptmarkt für die Destination Bern», so Gubler.

Die Schweiz ist mit dem Trend zu Kurzferien in der Stadt kein Einzelfall: Laut der KOF-Tourismusstudie sind auch im europäischen Ausland Stadttrips im Kommen, zum Beispiel im benachbarten Österreich. «Während die Zahl der Übernachtungen in Wien 2018 um über 60 Prozent höher war als 2006, stagnierte sie in den übrigen Bundesländern mehrheitlich», heisst es in der Studie. Für die Hoteliers hat der Trend aber auch Nachteile. So planen die Stadttouristen ihre Trips eher kurzfristig. Zudem beträgt die durchschnittliche Buchungsdauer laut dem KOF-Experten Hälg «im Schnitt nur ein bis zwei Nächte».

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