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Schuldenkrise Angst vor Ansturm auf griechische Banken

Athen Angesichts der düsteren Zukunftsaussichten wächst in Griechenland die Angst vor einem Ansturm auf die Banken.

An einem einzigen Tag sollen die Griechen in dieser Woche fast eine Milliarde Euro abgehoben haben. Staatspräsident Karolos Papoulias warnte bereits vor einer bedrohlichen Entwicklung. Von einem klassischen «Bank run» mit langen Schlangen vor den Kassenschaltern der Finanzinstitute ist zwar noch nichts zu spüren, doch bringt die Entwicklung die Banken des Landes in grosse Schwierigkeiten. Europas oberster Währungshüter Mario Draghi sprach sich am Mittwoch in Frankfurt klar für einen Verbleib Griechenlands in der Eurozone aus. Das sei die «starke Präferenz» der Europäischen Zentralbank (EZB). Die Entscheidung über die Zukunft des Landes werde jedoch nicht von der EZB getroffen. Unterdessen wurden während der dramatischen Verhandlungen über eine neue Regierung in Griechenland am Montag knapp 900 Millionen Euro abgehoben, wie die Nachrichtenagentur dpa aus Bankenkreisen erfuhr. Papoulias hatte am Wochenende die Parteichefs darauf hingewiesen, dass die Griechen wieder hohe Summen von Geldautomaten oder übers Online-Banking abgehoben hätten. Geldabzüge Seit Ausbruch der Schuldenkrise nehmen die Griechen hohe Summen an Bargeld mit nach Hause oder überweisen Erspartes auf ausländische Konten. Sie befürchten, dass die heimischen Banken zusammenbrechen könnten oder das Geld bei einer Umwandlung in die alte Währung Drachme stark an Wert verlieren würde. Die Einlagen der griechischen Privathaushalte bei den Banken verringerten sich nach Angaben der staatlichen Notenbank seit Anfang 2010 von 195 Milliarden Euro auf 140 Milliarden Euro im März 2012. Dies entspricht einem durchschnittlichen Abfluss von zwei Milliarden Euro im Monat. Ein Betrag von 900 Millionen Euro an einem Tag wäre eine sehr hohe Summe. Bis zum Sonntagnachmittag seien am Wochenende rund 700 Millionen Euro abgehoben worden, soll Papoulias nach Berichten griechischer Medien unter Berufung auf Notenbank-Chef Georg Provopoulos mitgeteilt haben. Der Chef des Bündnisses der Radikalen Linken (Syriza), Alexis Tsipras, habe sich wenig beeindruckt gezeigt: «Ach was? Sie haben jetzt entdeckt, dass das Geld ausfliesst. Es sind doch seit Ausbruch dieser Krise 73 Milliarden Euro verloren gegangen.» Banken brauchen Kapital Am Dienstag war der letzte Versuch einer Regierungsbildung gescheitert. Nun müssen die Griechen im Juni erneut wählen. Falls radikale Parteien, die das Sparpaket der bisherigen Regierung ablehnen, in der neuen Abstimmung weiter zulegen, droht dem Land ein Stopp der internationalen Hilfen und damit auch der Staatsbankrott. Im Raum steht zudem der Austritt aus der Euro-Zone. Für die Banken ist der Geldabfluss höchst problematisch. Die griechischen Geldhäuser sollen nach früheren Berichten über einen nationalen Bankenrettungsfonds mit bis zu 50 Milliarden Euro rekapitalisiert oder in Einzelfällen fusioniert und abgewickelt werden. Dabei stammen 25 Milliarden Euro aus Mitteln des Euro-Rettungsfonds EFSF. Davon will die Regierung 18 Milliarden Euro laut einem Bericht des staatlichen Fernsehens vom Mittwoch nun auch an die Banken weiterreichen.

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