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Schindler-Familienpatron leitet Machtübergabe ein

Mit dem Transfer der Anteile an die nächste Generation steht der langjährige Lenker des Aufzugherstellers vor einer heiklen Aufgabe.

Patron Alfred Niklaus Schindler bereitet seine Nachfolge vor. Foto: Urs Flüeler (Keystone)
Patron Alfred Niklaus Schindler bereitet seine Nachfolge vor. Foto: Urs Flüeler (Keystone)

Es klingt wie eine Randnotiz: Beim Lifthersteller Schindler kommt es in den nächsten zwei Jahren zu einer «Umschichtung von Anteilen zwischen den Generationen». Doch hinter dem Satz verbirgt sich der Plan für den Machtwechsel bei einem der wichtigsten Traditionskonzerne der Schweiz: Der Patron Alfred Niklaus Schindler bereitet seine Nachfolge vor. Er hat das Unternehmen wie kein anderer geprägt und ihm zu internationalem Aufstieg verholfen. Entsprechend heikel ist die Übergabe für den langjährigen Firmenlenker, der keine leiblichen Kinder hat.

Aktuell hat die vierte Generation der Familien Schindler und Bonnard bei dem Konzern das Sagen. Ihre Vertreter besitzen gemeinsam 71 Prozent der Stimm- und 44 Prozent der Kapitalanteile und haben ihre Beteiligung in einem Aktionärsbindungsvertrag festgezurrt. Nun kündigte das Unternehmen an, im Zuge der Übergabe sei in den kommenden zwei Jahren mit bis zu 15 Transaktionen zu rechnen. Deren Wert werde jeweils zwischen 20 und 350 Millionen Franken liegen. Wer genau dabei verkauft und wer zukauft, legt Schindler nicht offen.

Repräsentiert wird die abtretende vierte Generation der Familien zum einen von Patron Schindler selbst, der als «Chairman Emeritus» im Verwaltungsrat sitzt. Er hatte einmal erklärt, er wolle bis 2022 in dem Gremium die Interessen der Familie vertreten. Dort ist auch sein Cousin Luc Bonnard vertreten. Doch beide sind über 70 Jahre alt.

Kandidaten aus zwei Familien

Spannend ist daher die Frage, wer aus der nächsten Generation das Sagen hat. Schindlers Adoptivtochter Caroline Schindler sitzt seit einigen Jahren im Verwaltungsrat der Schweizer Dachgesellschaft Schindler Aufzüge. Sie hat einen Master in Fashion Design in Italien erworben. Sein Adoptivsohn Paul hat indes nichts mit der Firma zu tun.

In der Poleposition befinden sich daher zwei andere. Zum einen ist das Schindlers Nichte Carole Vischer. Die Juristin ist im Verwaltungsrat der Konzernholding vertreten und wird intern seit Jahren als offen und zugänglich geschätzt. Doch hier kommt auch die andere Familienseite ins Spiel, die Bonnards. Sie haben ebenfalls einen Vertreter der neuen Generation im Verwaltungsrat sitzen: Tobias Staehelin. Der Neffe von Luc Bonnard ist ebenfalls Jurist und hat im Schindler-Konzern bereits Führungserfahrung in China und Deutschland gesammelt. Auch er könnte gute Karten im Rennen um die Nachfolge des Patrons haben. Doch noch ist offenbar nichts spruchreif.

Alfred Schindler wolle den oder die Richtige auswählen, erklärte ein Insider vor einigen Jahren. Noch fällt es dem Patron offenbar schwer, loszulassen.

Schindler liege vor allem daran, den oder die Richtige auszuwählen. Dafür nehme er sich die nötige Zeit, hatte ein Insider vor einigen Jahren erklärt. Und noch fällt es Alfred Schindler offenbar schwer, loszulassen. Zwar ist die erste der geplanten insgesamt 15 Transaktionen bereits erfolgt: Ende Dezember wechselten Anteile im Umfang von 317 Millionen Franken den Besitzer. Doch Käufer ist nicht etwa die junge Generation der Familienerben. Zugeschlagen hat vielmehr der Patron selbst, wie eine Sprecherin sagte.

Alfred Schindler habe die Anteile übernommen. Das sei jedoch nur ein Zwischenschritt vor einer weiteren Übertragung. Die Mitteilung über die anstehenden Transaktionen sei vor allem als Absichtserklärung zu werten, liess er ausrichten. Personelle Änderungen seien damit nicht verbunden.

Wichtigste Funktionen wurden mit Externen besetzt

An den wichtigsten Schalthebeln des Betriebs hatte Schindler bereits vor Jahren seine Nachfolge geregelt. Das Präsidium hatte der frühere CEO und Vertrauensmann Silvio Napoli übernommen. Er arbeitet seit rund 30 Jahren für das Unternehmen. Zum CEO war 2017 der ehemalige China-Chef Thomas Oetterli aufgestiegen. Doch mit ihrer Ernennung sank auch die Bedeutung der Familie: Zum ersten Mal in der Geschichte des Konzerns ist seither weder der Firmenchef noch der Verwaltungsratspräsident ein Familienmitglied.

Wohl auch deshalb liegt es nahe, dass Schindler seine Interessen nicht leichtfertig in neue Hände übergibt. Er hatte sie in den vergangenen Jahren mit dem Zukauf weiterer Anteile ausgebaut. Nach einem Bericht der «Bilanz» will er seine Beteiligung – ohne die Aktien der anderen Familienmitglieder – auf über 50 Prozent der Stimmrechte ausweiten. Wo er aktuell steht, ist nicht bekannt. Zudem ist es das erklärte Ziel der Familien, dass Schindler langfristig in Schweizer Hand bleibt.

Egal, wer in die Fussstapfen Schindlers tritt – sein Nachfolger oder seine Nachfolgerin dürfte es schwer haben, den unternehmerischen Erfolg des langjährigen Patrons zu wiederholen: Unter seinem Einfluss wuchs Schindler zu einem Weltkonzern mit heute über 65’000 Mitarbeitenden und einem Jahresumsatz von gut 11 Milliarden Franken heran. Er ist bereits seit 1977 Teil des Verwaltungsrats, leitete in den Jahren 1985 bis 2011 als Konzernchef das operative Geschäft und war von 1995 bis 2017 Präsident des Verwaltungsrats.

Firmenchef Oetterli strebt mit Schindler weiteres Wachstum an. «Wir wollen weiter Gas geben und das Wachstumsmomentum beibehalten», sagte er Ende Oktober anlässlich der Veröffentlichung von Geschäftszahlen. Den Umsatz hatte Schindler in den ersten neun Monaten 2019 in einem schwierigeren konjunkturellen Umfeld währungsbereinigt um knapp 6 Prozent gesteigert, und für das Gesamtjahr peilt der Konzern ein Wachstum in Lokalwährungen zwischen 4 und 6 Prozent an.

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