Rugenbräu: Eklat im Jubiläumsjahr

Familienkrach bei der Oberländer Brauerei Rugenbräu: Der Verwaltungsrat stellt kurz vor der grossen 150-Jahr-Feier den langjährigen Chef auf die Strasse.

Die Rungenbräu-Produktion in Matten: Das Bier läuft weiter vom Band, doch der Chef ist ab sofort ein neuer.

Die Rungenbräu-Produktion in Matten: Das Bier läuft weiter vom Band, doch der Chef ist ab sofort ein neuer. Bild: Peter Schneider/Keystone

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Am Freitagmorgen um 8.45 Uhr informierte die Rugenbräu AG die Öffentlichkeit: Bruno Hofweber wurde entmachtet. Seit 1979 hat Hofweber die Brauerei in Matten bei Interlaken geführt, mehr als sein halbes Leben lang. Der heute 60-Jährige ist im Berner Oberland bestens vernetzt, so sitzt er etwa auch im Verwaltungsrat der Jungfraubahnen.

Am 7. Oktober hätte Hofweber einen seiner grössten Auftritte gehabt: Er wäre Gastgeber gewesen am Fest zum 150-Jahr-Jubiläum der Brauerei. Alles, was im Oberland Rang und Namen hat, wurde zum Fest eingeladen. Nun wird es wohl ohne Hofweber stattfinden. Denn Hofwebers Verwandte richteten sich im Verwaltungsrat gegen ihn und entzogen ihm das Vertrauen.

Die gestrige Pressemitteilung ist vergleichsweise explizit: «Verschiedene Ereignisse, welche die Auffassung von Bruno Hofweber zur operativen Geschäftstätigkeit betreffen, haben beim Verwaltungsrat zu einem Vertrauensverlust geführt», schreibt Rugenbräu-Verwaltungsratspräsidentin Andrea Dähler-Hofweber. Dieser Vertrauensverlust habe «eine sofortige Trennung von Bruno Hofweber unumgänglich» gemacht.

Die Rugenbräu-Präsidentin wollte am Freitag die Gründe für Bruno Hofwebers Rauswurf nicht weiter erläutern. Auch die Frage, ob die «verschiedenen Ereignisse» ein juristisches Nachspiel hätten, wollte sie nicht beantworten. Bruno Hofweber selbst liess am Nachmittag ein Communiqué verbreiten. Darin schreibt er, dass die Freistellung auch für ihn «sehr überraschend» komme.

Die Differenzen zwischen ihm und dem Verwaltungsrat seien ausschliesslich sachlicher Natur. «Ich bin auch in Zukunft bereit, zum Erfolg des Unternehmens beizutragen», schreibt Hofweber zuletzt.

Doch eine Rückkehr in das Unternehmen scheint wenig wahrscheinlich. Der Rugenbräu-Verwaltungsrat hat bereits Hofwebers Nachfolger bestimmt: Es handelt sich um den 49-jährigen Remo Kobluk, der seit 2013 als Marketing- und Verkaufsleiter bei Rugenbräu arbeitet. Damit wird die Brauerei erstmals seit über 120 Jahren nicht mehr von einem Familienmitglied geführt.

Sitz auf Schloss in Zollikofen

Die Rugenbräu AG gehört vollständig der J. Hofweber & Cie. AG mit Sitz im Schloss Reichenbach in Zollikofen. Diese besitzt neben der Brauerei diverse Immobilien – unter anderem das Schloss selbst und das Berner Restaurant Mappamondo.

Die Aktien der J. Hofweber & Cie. AG sind zwar in Besitz der Hofwebers, doch die Familie ist heute weit verzweigt. Wie die Stimmrechte innerhalb der Familie genau verteilt sind, bleibt geheim. Im Verwaltungsrat sitzen neben Bruno Hofweber sein Coucousin Martin Hofweber und dessen Tochter Andrea Dähler-Hofweber.

Rugenbräu wurde 1866 gegründet. 1892 kaufte der Bayer Joseph Hofweber den Betrieb. Zwei Jahre vorher hatte er bereits die Brauerei im Schloss Reichenbach übernommen. Diese wurde 1971 geschlossen, das Schloss dient aber noch heute teilweise als Rugenbräu-Lager für die Region Bern.

Zur Brauerei gehören auch eine Whiskybrennerei, eine Gastro-Getränkehandlung und ein neu eröffnetes Besucherzentrum. Insgesamt beschäftigt das Unternehmen 65 Personen.

Touristen trinken immer weniger

Rugenbräu ist im Vergleich zu Feldschlösschen oder Heineken Schweiz ein kleiner Spieler, doch gemäss der jährlichen Auswertung des «Bund» ist die Brauerei die grösste im Kanton Bern. Sie produziert jährlich knapp 4 Millionen Liter Bier. Zuletzt ist der Umsatz jedoch unter Druck geraten, weil im Oberland die Zahl der Touristen aus Bier-affinen Ländern wie Deutschland, Grossbritannien und Belgien zurückgegangen ist.

Die gleichzeitig vermehrt ins Oberland strömenden Chinesen, Inder und Araber trinken weniger oder gar keinen Alkohol, was Rugenbräu immer stärker zu spüren bekommt. Zudem verfolgt das Unternehmen wie viele etablierte Brauereien eine eher konservative Produktpolitik. Deshalb wird es nicht nur von den Grossbrauereien konkurrenziert, sondern auch von lokalen Mikrobrauereien mit kreativem Biersortiment. (Der Bund)

Erstellt: 26.08.2016, 10:20 Uhr

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