Rekord bei Frauenquote in Schweizer Chefetagen

Zwar ist jedes fünfte neue Mitglied in einer Schweizer Geschäftsleitung eine Frau. In den Verwaltungsräten verharrt die Quote aber weiterhin auf tiefem Niveau.

Frauen auf dem Vormarsch: Ihr Anteil in den Geschäftsleitungen der grössten Schweizer Firmen ist von 6 auf 8 Prozent gestiegen.

Frauen auf dem Vormarsch: Ihr Anteil in den Geschäftsleitungen der grössten Schweizer Firmen ist von 6 auf 8 Prozent gestiegen. Bild: Getty Images

Feedback

Tragen Sie mit Hinweisen zu diesem Artikel bei oder melden Sie uns Fehler.

Die Frauen sind in den Führungsetagen auf dem Vormarsch. Von den neuen Geschäftsleitungsmitgliedern in den hundert grössten Schweizer Unternehmen ist heute jedes fünfte weiblich. Ein rekordhoher Zustrom von Frauen, wie aus der aktuellen Ausgabe des Schillingreports hervorgeht, die heute veröffentlicht wurde.

Durch diese Neuzugänge hat sich die Frauenquote in den Geschäftsleitungen insgesamt nach oben entwickelt. Sie nahm von 6 auf 8 Prozent zu. Der Anstieg des Frauenanteils sei gleich stark wie in den gesamten 10 Jahren davor, bilanziert Guido Schilling, der mit seinem Unternehmen Führungskräfte vermittelt.

Einen vergleichbaren Zuwachs hat die Frauenquote bei den Neuzugängen in den Verwaltungsräten erfahren. Auch hier ist jedes fünfte Neumitglied eine Frau. Gesamthaft stieg die Frauenquote in diesen Gremien von 16 auf 17 Prozent in den 100 grössten Schweizer Firmen. Diese Entwicklung reiche nicht aus, um das Ziel einer 30-Prozent-Frauenquote, wie sie von der Politik gefordert werde, langfristig zu erreichen, mahnt Schilling. Die Schweiz drohe hier von den anderen Ländern in Westeuropa abgehängt zu werden. Tatsächlich belegt die Schweiz mit ihrem Frauenanteil aktuell den viertletzten Platz.

Interessant ist der Vergleich mit Deutschland, wo seit Anfang 2016 eine Frauenquote von 30 Prozent für den Verwaltungsrat (Aufsichtsrat) gilt. Dieser gesetzliche Druck hat die Zunahme des Frauenanteils in diesen Gremien in den letzten Monaten stark beschleunigt. Bei den Unternehmen des deutschen Börsenindex DAX ist die Quote innerhalb eines Jahres von 27 auf 30 Prozent gestiegen. Von den Neumitgliedern sind 43 Prozent Frauen. Im Vergleich dazu ist die Frauenquote in den 20 börsenkotierten Unternehmen des Swiss-Market-Index von 18 auf 21 Prozent gestiegen, wobei sich unter den neuen Mitgliedern der Verwaltungsräte 32 Prozent Frauen befinden.

Gleichzeitig mit dem Schillingreport hat die Beratungsfirma EY die Resultate einer Umfrage bei mittelständischen Schweizer Unternehmen veröffentlicht. Gemäss dieser Auswertung ist der Frauenanteil in den Geschäftsleitungen und Verwaltungsräten der KMU in den letzten zwei Jahren von 17 auf 19 Prozent gestiegen. Gleichzeitig ist die Zahl der reinen Männergremien von 41 auf 35 Prozent gesunken. Generell sei der Frauenanteil in kleineren Unternehmen grösser: In Firmen mit bis zu 30 Millionen Franken Umsatz beträgt er 21 Prozent, in Unternehmen mit über 100 Millionen Franken Umsatz 13 Prozent.

Frauen auf dem Weg nach oben

Ein Indiz für die weitere Entwicklung der Frauenquote in den Schweizer Führungsgremien lässt sich am Frauenanteil auf den unteren Hierarchiestufen ablesen. Für den aktuellen Schillingreport wurden dazu die Daten von 92 der 250 bedeutendsten Schweizer Unternehmen ausgewertet. Dabei ergab sich folgender Frauenanteil: 10 Prozent in der Geschäftsleitung, 14 Prozent im Topkader und 21 Prozent auf mittleren Führungspositionen. Allerdings seien viele dieser Frauen in sogenannten Servicefunktionen tätig – Paradebeispiel Personalwesen –, wodurch sie nur indirekten Einfluss auf das operative Geschäft haben.

Der Schillingreport erfasst neben der Privatwirtschaft auch die Leitungsgremien in den Verwaltungen im öffentlichen Sektor. Bei Bund und Kantonen wurde eine Frauenquote von 14 Prozent in den obersten Führungsgremien ermittelt. «Der öffentliche Sektor ist für weibliche Führungskräfte ein attraktiver Arbeitgeber, weil er die Vereinbarkeit von Familie und Karriere fördert», sagt Schilling dazu.

Die personellen Grenzen zwischen öffentlichem und privatem Sektor seien durchlässiger geworden. Fast die Hälfte der Führungspersonen in den Verwaltungen habe vorher Berufserfahrung in der Privatwirtschaft gesammelt.

Mehr Ausländer in den Geschäftsleitungen

Auf ein neues Rekordniveau ist der Ausländeranteil der Neuzugänge in den Teppichetagen der Schweizer Firmen gestiegen. Von den neuen Geschäftsleitungsmitgliedern sind 65 Prozent Ausländer. Insgesamt hat die Ausländerquote damit 45 Prozent erreicht. In den Verwaltungsräten sind 43 Prozent der Neumitglieder Ausländer, wobei der Anteil insgesamt bei 43 Prozent liegt.

Insbesondere Deutsche und US-Amerikaner sind stärker vertreten. Die Zahl der Schweizer nahm laut Schillingreport hingegen ab. «Die Schweiz verfügt, gemessen an ihrer Grösse, über sehr viele global erfolgreiche Unternehmen. Der Pool an Schweizer Führungskräften reicht daher nicht aus, um alle Positionen in den Geschäftsleitungen optimal zu besetzen», sagt Guido Schilling. (Tages-Anzeiger)

Erstellt: 07.03.2017, 11:30 Uhr

Artikel zum Thema

«Unsere Frauenquote im Topmanagement ist viel zu tief»

SonntagsZeitung Migros-Präsident Andrea Broggini über die Suche nach Herbert Bolligers Nachfolger und die neue Gesundheitsoffensive. Mehr...

Die schönen Beine der Frauenquote

Glosse Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – meistens. Die schlimmsten Symbolbilder. Mehr...

Sommarugas Frauenquote fällt im Parlament durch

Der Bundesrat hält an Geschlechtervorgaben für Unternehmen fest. Das unterstützt nur die Linke. Mehr...

Die Redaktion auf Twitter

Stets informiert und aktuell. Folgen Sie uns auf dem Kurznachrichtendienst.

Newsletter

Kurz, bündig, übersichtlich

Montag bis Samstag die besten Beiträge aus der «Bund»-Redaktion. Jetzt kostenlos abonnieren!

Kommentare

Paid Post

Die Bank der Zukunft

Hohe Depotgebühren, unzureichende Services: Es gibt zahlreiche Gründe, die Bank zu wechseln, aber der wahrscheinlich wichtigste Grund ist im digitalen Zeitalter der Mangel an Innovation und Ideenreichtum.

Die Welt in Bildern

Hammerschlag für die Kunst: 15 Asylsuchende aus Afghanistan, Eritrea und Sri Lanka arbeiten im Kunstsilo in Emmen für die Ausstellung «Ich bin hier». (21. September 2017)
(Bild: KEYSTONE/Alexandra Wey) Mehr...