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Politiker wollen Post zwingen, Kreditkarten zu akzeptieren

An Postschaltern kann man nur mit Postcard oder Bargeld bezahlen. Eine breite Allianz von Parlamentariern will das nun ändern.

Am Schalter gibt es zwar viel zu kaufen, doch bezahlt werden muss mit Postcard oder in bar.
Am Schalter gibt es zwar viel zu kaufen, doch bezahlt werden muss mit Postcard oder in bar.
Martin Rütschi, Keystone

Die Post duldet in ihren Räumen keine Konkurrenz. An Postschaltern sind bargeldlose Zahlungen nur mit den Kontokarten der hauseigenen Postfinance möglich. Die marktüblichen Debit- und Kreditkarten, die sonst als Zahlungsmittel fast überall zum Einsatz kommen (Visa, Mastercard, Maestro, Eurocard), werden vom gelben Riesen nicht akzeptiert. Verwaltungsratspräsident Peter Hasler hat diese Praxis im Interview mit dem «Tages-Anzeiger» (Ausgabe von gestern) eben erst wieder verteidigt: «Wir wollen uns in den eigenen Filialen ja nicht kannibalisieren.»

Nun aber gerät die Post unter politischen Druck. FDP-Nationalrat Andrea Caroni aus Appenzell Ausserrhoden hat vor wenigen Tagen eine parlamentarische Initiative eingereicht, welche die «freie Wahl des Plastikgeldes bei Postzahlungen» fordert. Die Post soll demnach gesetzlich zur Akzeptanz aller gängigen Kreditkarten verpflichtet werden, sofern deren Herausgeber zu vernünftigen Bedingungen offerieren. Kunden mit «postfremden Drittkarten» dürften «nicht schlechtergestellt werden» als die Inhaber von Postcards.

Vorteil nicht ausnützen

Caroni begründet seinen Vorstoss mit der privilegierten Stellung der Post: Das Unternehmen verfüge für Briefsendungen bis zu 50 Gramm das Monopol; folglich seien die Bürger gezwungen, Postdienstleistungen in Anspruch zu nehmen. «Es ist äusserst stossend, wenn die Post diesen Vorteil dazu ausnutzen will, ihre Finanzprodukte zu fördern.» Caroni spricht auch aus eigener ärgerlicher Alltagserfahrung. «Ich gehöre zu jener Generation, die die Kreditkarte zückt, sobald es mehr als 10 Franken kostet. Wenn jeder Käseladen hierfür ein Terminal aufstellen kann, dann sollte das doch auch für die Post möglich sein.»

Ein grosser Teil des Parlaments scheint diese Meinung zu teilen. 27 Angehörige sämtlicher Fraktionen haben Caronis Initiative unterzeichnet. Grünen-Präsidentin Regula Rytz und Sozialdemokratin Evi Allemann sind ebenso darunter wie BDP-Präsident Martin Landolt, CVP-Vertreterin Viola Amherd oder die SVP-Leute Natalie Rickli und Lukas Reimann.

Konsumentenschützer erfreut

Die Stiftung für Konsumentenschutz zeigt sich erfreut über den breit unterstützten Vorstoss. «Dieses Thema beschäftigt uns seit Jahren», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder. Durch den Ausschluss der Kreditkarten werde man heute faktisch dazu genötigt, ein Postkonto zu führen. «Nicht nur Privatpersonen, sondern auch Gewerbler haben sich deshalb bei uns beschwert.»

Post-Sprecher Oliver Flüeler hält die Aufregung für übertrieben: «Wir haben wegen der Kreditkarten nur wenig Reklamationen.» Postfinance führe immerhin drei Millionen Kundenkonti; überdies generierten die Poststellen mit dem Verkauf externer Produkte (wie iPads von Apple) rund 500 Millionen Franken pro Jahr. Flüeler sieht hier ein Indiz dafür, dass das Bedürfnis nach Kreditkartenterminals eher bescheiden sei. Die Kosten einer allfälligen Umrüstung lassen sich ihm zufolge zwar nicht beziffern, fielen aber wohl nicht zu knapp aus: «Es würden auch Transaktionsgebühren zugunsten der Kartenanbieter fällig.»

Bundesrat stützt Post

Den Bundesrat weiss die Post mit ihrer Argumentation bislang hinter sich. Noch hat sich die Regierung zu Caronis Vorstoss nicht geäussert. In einer früheren Stellungnahme hielt sie aber fest, das Verhalten der Post sei «sachlich begründbar». Einzahlungen am Schalter seien wegen sinkender Nachfrage ohnehin schon ein defizitäres Geschäft.

Freilich sagt auch Post-Sprecher Flüeler, die heutige Praxis sei «nicht in Stein gemeisselt». Und Verwaltungsratspräsident Hasler äusserte im TA-Interview sogar Verständnis dafür, dass sich «einige Kunden» ärgerten. Beobachter hoffen auf einen freiwilligen Öffnungsschritt.

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