Pensionskasse: Was ist mit dem Lohn für Überstunden?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Arbeitsrecht.

Zum AHV-Lohn gehört das, was man effektiv verdient, also auch Zuschläge, Gewinnbeteiligungen oder Überstundenentschädigungen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Zum AHV-Lohn gehört das, was man effektiv verdient, also auch Zuschläge, Gewinnbeteiligungen oder Überstundenentschädigungen. Foto: Gaëtan Bally (Keystone)

Andrea Fischer@tagesanzeiger

Ich habe einen Arbeitsvertrag für ein 50-Prozent-Pensum. Seit zwei Jahren muss ich aber konstant Überstunden leisten; mehreren Arbeitskollegen geht es ähnlich. Mein effektives Pensum liegt bei umgerechnet 70 Prozent. Die Überstunden bekomme ich ausbezahlt, doch werden mir darauf keine Pensionskassenbeiträge abgezogen. Nun frage ich mich, ob das korrekt ist oder ob mich der Arbeitgeber nicht auch für die Überstunden in der Pensions­kasse versichern müsste.

Doch, das müsste er, wenn Sie tatsächlich regelmässig Überstunden leisten müssen. Gemäss Gesetz ist derselbe Lohn in der Pensionskasse zu versichern, der auch für die AHV-Beiträge massgebend ist. Zum AHV-Lohn gehört nicht nur, was im Arbeitsvertrag vereinbart ist, sondern das, was man effektiv verdient, also auch Zuschläge, Gewinnbeteiligungen oder eben Überstundenentschädigungen. Je nach Pensionskasse wird noch ein Koordinationsabzug gemacht – der Rest ist versichert.

Nun gibt es aber eine Ausnahmebestimmung. So können Pensionskassen im Reglement festlegen, dass Lohnbestandteile, die nur gelegentlich anfallen, nicht versichert sind. Welche Lohnbestandteile gemeint sind, muss explizit erwähnt sein. Angenommen, im Reglement Ihrer Kasse gibt es eine solche Bestimmung, und diese besagt, dass Überstundenentschädigungen nicht versichert sind: Das wäre zulässig, weil Überstunden grundsätzlich die Ausnahme sein sollten.

Die Kasse müsste an den Arbeitgeber gelangen und die Beiträge nachfordern.

Wenn Sie nun aber, wie Sie schreiben, seit zwei Jahren ­konstant Überstunden leisten mussten und diese allein einem Pensum von 20 Prozent entsprechen, dann kann man schwerlich von «gelegentlich anfallenden» Lohnbestandteilen sprechen. ­Somit müssten Ihre Überstundenentschädigungen trotz all­fälliger Ausnahmebestimmung nachträglich versichert werden. Erst recht, wenn es im Reglement Ihrer Kasse gar keine Ausnahmebestimmung gibt.

Was können Sie nun tun? Am einfachsten ist es, wenn Sie sich an die Pensionskasse wenden. Anhand Ihrer Lohnabrechnungen können Sie nachweisen, dass Ihnen auf den Überstundenentschädigungen keine Abzüge gemacht worden sind. Die Kasse müsste dann an den Arbeitgeber gelangen und die Beiträge nachfordern. Das bedeutet, dass auch Sie rückwirkend Ihren Anteil an den Pensionskassenbeiträgen leisten müssen.


Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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