Panikverkäufe der Bauern lassen Fleischpreis sinken

Die Dürre zwingt viele Landwirte, ihr Vieh zu schlachten. Das drückt auf den Fleischpreis. Die Detailhändler planen Aktionen.

Überstunden und Samstagsarbeit: Die Schlachthöfe haben alle Hände voll zu tun. Foto: Keystone

Überstunden und Samstagsarbeit: Die Schlachthöfe haben alle Hände voll zu tun. Foto: Keystone

(Bild: Keystone GAETAN BALLY)

Jorgos Brouzos@jorgosbrouzos

Endlich fällt vielerorts der langersehnte Regen. Doch meist nur in der Form von lokalen Gewittern. Die Trockenheit der letzten Wochen setzt der Landwirtschaft zu. Die Dürre sorgt dafür, dass das Futter ausgeht und die Bauern ihre Kühe schlachten lassen.

Besonders in der Ostschweiz würden derzeit viel mehr Tiere geschlachtet als üblich. So kommt mehr Fleisch als üblich auf den Markt und der Grosshandelspreis sinkt rasant. Der sonst relativ stabile Wert, sackte innerhalb von kürzester Zeit um 20 Prozent ab.

Letzte Woche betrug der Marktpreis für ein Kilogramm Fleisch noch 8.50 Franken. Proviande, die Branchenorganisation der Schweizer Fleischwirtschaft, schlägt aufgrund der Marktsituation derzeit einen Preis von 8.20 Franken vor. Doch bezahlen einzelne Grosshändler aktuell nur noch 7 Franken.

Frust bei den Bauern

Der grosse Unterschied ärgert die Bauern. «Dieser Preisabschlag ist nicht nachvollziehbar und enttäuschend», so Martin Rufer, Leiter Produktion, Märkte & Ökologie beim Schweizer Bauernverband. Dass die Preise etwas sinken würden, sei nachvollziehbar, doch sei die Preissenkung auf 7 Franken völlig übertrieben und schade den Bauern. Der Bauernverband hält die Landwirte dazu an, auf Panikverkäufe zu verzichten, und er ermahnt die Schlachtbetriebe, dass sie die Situation nicht schamlos ausnutzen sollen.

Die Situation habe sich in den letzten Tagen stark zugespitzt, heisst es beim Fleischverarbeiter Bell. «Für die laufende Woche müssen wir mit einem etwa doppelt bis dreifach so hohen Angebot rechnen wie üblicherweise zu dieser Jahreszeit», so eine Bell-Sprecherin. Da die Schlachtkapazität derzeit deutlich überschritten werde, würden zahlreiche Überstunden geleistet. Wegen des Überangebots werde die Zerlegerei diese Woche auch am Samstag in Betrieb sein.

«Der Kunde soll von der Situation profitieren»

Neben der starken Belastung der Mitarbeiter bedeute das auch einen deutlichen Anstieg der Personalausgaben sowie höhere Betriebskosten. Demgegenüber bleibe der Absatz auf einem vergleichbaren Niveau. In der Folge steigen die Lagerbestände und damit auch die Kosten stark an, heisst es bei Bell. Dennoch sollen die tieferen Preise an die Kunden weitergegeben werden.

«Wenn ein Überangebot da ist, dann drückt das auf den Marktpreis», sagt Martin Hollenstein, Geschäftsleiter des Fleischverarbeiters Lucarna Macana in Hinwil ZH. Das Unternehmen gebe den tieferen Einkaufspreis an die Detailhändler weiter. «Am Ende soll der Kunde von der Situation profitieren, weil für ihn Fleisch günstiger wird», so Hollenstein. Wenn der Detailhandel mitziehe und die Preise senke, dann steige auch der Absatz und die Lage sei rasch wieder im Lot. Weil aber die Nachfrage momentan fehle, werde das Fleisch eingefroren und grössere Mengen gelagert. Das sei mit Kosten verbunden.

Coop und Migros wollen Preise senken

Immerhin werden die Detailhändler reagieren. «Wir werden alle Preissenkungen an unsere Kundinnen und Kunden weitergeben», so eine Coop-Sprecherin. Der Detailhändler führe schon jetzt wöchentlich Aktionen im Fleischsortiment durch.

Bei Konkurrentin Migros tönt es ähnlich. «Grundsätzlich beurteilen wir den Schlachtviehmarkt wöchentlich, saisonale Schwankungen sind in den verschiedenen Rohmaterialmärkten in dieser Jahreszeit nachvollziehbar», so eine Sprecherin. Sinkende Preise würden an die Kunden weitergegeben.

Wenn auf einem Markt wegen übergeordneter Ereignisse ein deutliches Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage entstanden sei, habe Migros bis jetzt immer mit zusätzlichen Aktionen oder anderen Massnahmen unterstützt. Migros werde auch im aktuellen Fall Hand bieten.

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