Knall bei Sunrise: Chef tritt nach Debakel um UPC-Kauf zurück

Olaf Swantee geht, der Finanzchef übernimmt per sofort – auch Präsident Peter Kurer ist bald weg.

Ist nicht mehr Chef von Sunrise: Olaf Swantee.

Ist nicht mehr Chef von Sunrise: Olaf Swantee.

(Bild: Keystone)

Philipp Felber-Eisele@PhilippFelber

Nach der gescheiterten UPC-Übernahmekommt nun das grosse Aufräumen: Der Chef von Sunrise, Olaf Swantee, tritt per sofort zurück. Verwaltungsratspräsident Peter Kurer wird ebenfalls nicht mehr lange an der Spitze des Unternehmens sein. Dies teilte die Firma heute früh mit. Swantee war nicht ganz vier Jahre CEO von Sunrise. Noch im Oktober sagte Swantee, dass er nicht zurücktreten wird. Nun ist aber offenbar alles anders (zum Interview).

Als Nachfolger von Swantee wird André Krause, bisher Finanzchef bei Sunrise, die Geschicke der Firma übernehmen (zum Kommentar).

Eine Begründung, warum Swantee abtritt, liefert Sunrise derweil nicht. Klar ist aber, dass es mit der gescheiterten Übernahme von UPC zu tun hat. Diese Übernahme hat Swantee stets unterstützt. Auch Peter Kurer ging arg angeschossen aus den erfolglosen Verhandlungen mit der UPC-Mutter Liberty Global heraus. Wer seinen Posten übernimmt ist noch unklar. Klar ist einzig, dass er zur nächsten Generalversammlung abgelöst wird. Kurer ist seit April 2016 Verwaltungsratspräsident bei Sunrise.

Mit Peter Schöpfer geht auch der Vizepräsident des Verwaltungsrats. Peter Kurer war die treibende Kraft hinter dem Versuch, UPC zu übernehmen. Die Logik dahinter: Kabelnetzbetreiberin UPC sollte Sunrise ergänzen, welche in diesem Geschäft nicht tätig ist.

Generalversammlung abgesagt

Im Februar 2019 machte Sunrise seine Absichten bekannt, UPC Schweiz zu übernehmen. Was folgte, war ein monatelanger Kampf um den Deal. Erst Mitte Dezember hat Liberty Global bekannt gegeben, dass die Gespräche bezüglich eines Verkaufs von UPC in der Schweiz an Sunrise endgültig beendet worden sind. Vorher hat sich das Unternehmen immer noch eine Türe offen gelassen. Klar war aber schon länger, dass die Übernahme geplatzt ist. Denn mit Freenet hat sich der grösste Aktionär von Sunrise gegen den Milliardendeal gestellt. Freenet hält fast einen Viertel aller Aktien des Telekommunikationsriesen.

Im Oktober 2019 sagte die Sunrise-Führung eine ausserordentliche Generalversammlung nur einen Tag vor der Veranstaltung ab. Dies nachdem auch der Führungsetage klar wurde, dass der UPC-Deal bei den Aktionären nicht durchgehen wird. Bereits viel früher hatten oppositionelle Aktionäre angekündigt, dass sie genügend Unterstützung haben, um den 6,3-Milliarden-Franken- Deal zu verhindern.

Ursprünglich war angedacht, dass Sunrise für die Übernahme eine Kapitalerhöhung durchführt. Nach starker Kritik daran wurde die Finanzierungsstruktur angepasst: Mehr Schulden, weniger Kapitalerhöhung sollten das Geschäft retten. Was aber scheiterte. Nun gehen die verantwortlichen Chefs von dannen. Weil die Übernahme nicht zustande kam, musste Sunrise 50 Millionen Franken Strafe an Liberty Global zahlen. Hinzu kommen Finanzierungs-, Beratungs- und Integrationskosten, deren Höhe Sunrise aber noch nicht beziffern konnte.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt