Nur eine Kette kann die Miete noch zahlen

Wie eine unabhängige Apotheke zur Filiale des Galenica-Konzerns wird – ein Fallbeispiel aus der Berner Altstadt.

«Ganz andere Möglichkeiten»: Die Central-Apotheke Volz in der Zytgloggelaube ist jetzt eine Amavita-Apotheke.

«Ganz andere Möglichkeiten»: Die Central-Apotheke Volz in der Zytgloggelaube ist jetzt eine Amavita-Apotheke. Bild: Adrian Moser

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Die Medikamenten-Dichte um den Berner Zytglogge ist ausserordentlich hoch: Gleich drei Apotheken sind hier präsent. Kunden haben sie alle – Passanten, Touristen, Altstadtbewohner und auch Stammkunden aus den Quartieren kaufen hier ihre Medikamente.

An der Ecke Zytgloggelaube und Zibelegässli steht die Central-Apotheke Volz. Sie wurde 1659 als dritte Apotheke Berns gegründet – und war seither immer in Familien- beziehungsweise Privatbesitz. Das ist seit dem 1. Januar anders: Die Apotheke gehört nun zur grössten Apothekenkette das Landes, zu Amavita. Die Amavita-Apotheken sind zusammen mit Sun Store und Coop Vitality Teil des Berner Konzerns Galenica.

Der letztes Jahr abgetretene langjährige Galenica-Chef und -Präsident Etienne Jornod hatte die Strategie verfolgt, den Pharmagrosshändler auch zum Apothekenbetreiber zu machen. So ist die Galenica in den letzten 20 Jahren zur Marktführerin geworden: Ihr gehören rund 340 Apotheken, 160 weitere sind ihr als Partnerbetriebe angeschlossen. Zusammen sind das 500 Betriebe und damit mehr als ein Viertel aller Apotheken in der Schweiz.

Wenn eine Apotheke zum Verkauf steht, etwa bei einer Pensionierung ohne Nachfolge, steht die Galenica bereit. Renata Mordasini wollte eigentlich nicht verkaufen. Vor 15 Jahren hatte sie die Central-Apotheke Volz von der Familie Volz übernommen. Das Haus gehört bis heute der Erbengemeinschaft Volz. Mordasini wollte den Mietvertrag verlängern, und erhielt den Bescheid, dass sich der Mietzins für die Räumlichkeiten beinahe verdoppeln sollte. «Er bewegt sich neu auf dem Niveau der Mieten in der oberen Altstadt», sagt Mordasini. «Eine solche Miete konnten wir als unabhängige Apotheke nicht bezahlen.»

Immobilienverwalter Georg Volz hält hingegen fest, dass sich die Miete für die Apotheke bis zum Auslaufen des aktuellen Mietvertrags im August 2022 nicht erhöht hätte. Doch die Apothekerin habe bereits sieben Jahre vor dem Auslaufen des bestehenden Vertrages einen neuen Vertrag mit einer Dauer von 20 Jahren verlangt. Er sagt zudem, dass der Mietzins bereits beim Vertragsabschluss im Jahr 2002 tief gewesen sei, denn dieser habe dem unter den Familienmitgliedern geltenden Mietzins aus den Achtziger-Jahren entsprochen.

Die Löhne bleiben gleich

Mordasini hat sich entschieden, sich als Unternehmerin zurückzuziehen. Mit der Galenica-Kette Amavita fand sie eine Käuferin. «Es war mir wichtig, dass die Apotheke weiter existiert», sagt Mordasini. Sie hat im Zuge des Verkaufs die Geschäftsführung abgegeben, arbeitet aber Teilzeit weiter. Die Galenica habe das 13-köpfige Team übernommen, die Arbeitsverträge und Löhne blieben unverändert, sagt Mordasini. Für die Kunden der Central-Apotheke Volz habe sich kaum etwas verändert, auch die Hausspezialitäten würden weiterhin hergestellt.

Doch wie kann der Betrieb jetzt als Amavita-Apotheke rentieren, bei gestiegener Miete und gleichbleibenden Löhnen? Das Zauberwort heisst Mengenrabatt. Die 500 Apotheken, die zur Galenica gehören oder mit ihr kooperieren, haben eine hierzulande nie dagewesene Einkaufsmacht. Die Pharmahersteller gewähren der Grosskundin Galenica Rabatte. Damit steigen die Margen der Apotheken – beziehungsweise deren Budgets für teure Lagen. Die Galenica-Apotheken profitierten auch von tieferen Kosten im Bereich IT und Marketing, erklärt Daniele Madonna, Apotheken-Chef bei Galenica. «Als Teil von Amavita hat die Apotheke ganz andere Möglichkeiten», sagt Mordasini.

Galenica kauft und schliesst

Andere Gewerbler aus der unteren Altstadt hätten zuerst mit Unverständnis reagiert, als Mordasini mitteilte, dass sie ihre Apotheke an ein Grossunternehmen verkaufe. Mit der Schilderung der Mietsituation habe sich das jeweils rasch gelegt. «Die Hausverwaltung hatte kein Gehör für mich», sagt Mordasini. «Man muss sich dann aber auch nicht wundern, wenn sich die Stadt entsprechend verändert», hält die Apothekerin fest.

Galenica profitiert von solchen Entwicklungen. «Wir erhalten laufend Angebote, Apotheken zu übernehmen», sagt Daniele Madonna von Galenica. Aber nicht alle Standorte eigneten sich, teilweise seien die Ladenlokale zu klein. Je nach Lage und Marktsituation übernimmt die Galenica aber auch eine solche Apotheke – um sie zu schliessen und den Kundenstamm an eine nahegelegene Amavita-, Sun-Store- oder Coop-Vitality-Apotheke zu übergeben. Ein Ende des Wachstums ist nicht absehbar: Die Galenica-Manager wollen gemäss eigenen Aussagen weiter expandieren. (Der Bund)

Erstellt: 14.03.2018, 07:10 Uhr

Die neue Galenica wächst weiter

Der Konzern hat im ersten Jahr nach der Trennung von Vifor Umsatz und Gewinn gesteigert.

Das Apotheken- und Pharmagrosshandelsgeschäft der Galenica wurde im vergangenen April als neues Unternehmen namens Galenica Santé an die Börse gebracht. Die bisherige Galenica konzentrierte sich fortan auf ihre erfolgreichen Eisenmedikamente und übernahm den Namen ihrer Tochterfirma Vifor. So konnte sich Galenica Santé bald wieder Galenica nennen. Auch sonst änderte sich für das Unternehmen wenig: Während Vifor nun den Sitz in Glattbrugg ZH hat, blieb die Galenica in Bern-Bethlehem.
Konstanz ist auch das Leitmotiv der finanziellen Entwicklung bei der Galenica: Die Aktie wurde beim Börsengang als verlässliches Dividendenpapier angepriesen. «Wir konnten alle Versprechen, die wir im Rahmen des Börsengangs gemacht hatten, erfüllen oder übertreffen», sagte Galenica-Finanzchef Felix Burkhard gestern bei der Präsentation der Jahreszahlen.
Umsatz und Gewinn sind gestiegen, der Gewinn stärker als der Umsatz. Dieses Jahr soll es entsprechend weitergehen: plus 2 bis 3 Prozent Umsatz und – Einmaleffekte ausgeklammert – 5 Prozent mehr Betriebsgewinn. Die Börse nahm dies positiv auf: Die Galenica-Aktien stiegen gestern um 0,4 Prozent, während der Gesamtmarkt deutlich nachgab.
Verwaltungsratspräsident Jörg Kneubühler verdiente in den 9 Monaten seit dem Börsengang 452 000 Franken, Konzernchef Jean-Claude Clémençon im selben Zeitraum 893 000 Franken. Wie das Unternehmen gestern mitteilte, soll der neue Verwaltungsrat noch mit Bertrand Jungo, dem langjährigen Manor-Chef, verstärkt werden.
Wie die von Etienne Jornod geführte Vifor Pharma im ersten Jahr nach der Aufspaltung gewirtschaftet hat, wird morgen Donnerstag bekannt gegeben. (sul)

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