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Die Börsen zeigen das wahre Ausmass der Krise

Übertreiben die Märkte wieder einmal? Von wegen, sagt unser Chefökonom.

Die Reaktion an den Aktienmärkten ist keine Übertreibung: Ein Börsenhändler in der New Yorker Börse. Foto: Keystone
Die Reaktion an den Aktienmärkten ist keine Übertreibung: Ein Börsenhändler in der New Yorker Börse. Foto: Keystone

Ein Streit um die Ölförderung zwischen Saudiarabien und Russland hat den Ölpreis am Wochenende abstürzen lassen – und in der Folge auch die Aktienmärkte weltweit. Weil Russland sich nicht an einer Beschränkung der Ölförderung beteiligen wollte, um den Ölpreis zu stützen, haben die Saudis fast schon trotzig angekündigt, noch viel mehr Öl zu aus dem Boden zu pumpen.

Der Zwist und seine Folgen sind ein Beispiel von vielen, wie die Ausbreitung des Coronavirus sich indirekt auswirkt. Sie war es, die den Zerfall des Ölpreises ausgelöst hat, dessentwegen es überhaupt erst zur jetzt eskalierten Auseinandersetzung zwischen Saudiarabien und Russland kam.

Wer von Übertreibungen im Zusammenhang mit dem Virus spricht, denkt meist nur an dessen direkte Folgen.

Wenn Menschen nicht mehr reisen, nicht mehr feiern, nicht mehr ausgehen und sich in ihrer Wohnung verschanzen, geben sie weniger Geld für Güter und Dienstleistungen aus. Das allein bedroht viele Unternehmen. Verschlimmert wird das noch, wenn Beschäftigte ausfallen und Vorprodukte fehlen und sich verteuern. So drohen letztlich viele Konkurse weltweit und ein Einbruch der gesamten Wirtschaftstätigkeit. Auf diesem Hintergrund ist die Reaktion der Aktienmärkte keine Übertreibung – und auch nicht wegen vieler Unsicherheiten, die zur Entwicklung der Krankheit weiter bestehen.

Wer von Übertreibungen im Zusammenhang mit dem Virus spricht, denkt meist nur an dessen direkte Folgen. Immer wieder ist die Aussage zu hören, die Krankheit sei bloss eine Gefahr für die Alten und stelle für die meisten kein Risiko dar. Diese Ansicht ist nicht nur zynisch, sie ist auch grundfalsch. Vor allem wegen der indirekten Konsequenzen. Und diese zeigen sich nicht nur in einer grossen wirtschaftlichen Gefahr, einbrechenden Aktienmärkten sowie Spannungen im internationalen Kontext.

Wenn auch nur ein Bruchteil der Bevölkerung hospitalisiert werden muss, kann das die ganze Gesundheitsversorgung gefährden.

Wenn Länder, Regionen oder Einzelpersonen zum Beispiel medizinisches Material und Medikamente horten, wird nicht nur das Coronavirus tödlicher, sondern auch andere Krankheiten, zu deren Heilung das gleiche Material notwendig ist. Und wenn auch nur ein ansteigender Bruchteil der Bevölkerung hospitalisiert werden muss, kann das die ganze Gesundheitsversorgung gefährden. Auch das erhöht die Sterblichkeit bei allen Krankheiten.

Weitgehende Massnahmen zur Eindämmung der Ansteckungen werden vor allem im Frühstadium der Virusausbreitung zuweilen für übertrieben gehalten. Auch hier gehen die Konsequenzen vergessen. Einfaches Potenzialrechnen und die Erfahrung aus China oder Italien zeigen, welche dramatischen Konsequenzen es nicht nur für das Gesundheitssystem, sondern für das gesamte Zusammenleben hat, wenn sich das Virus ungehindert verbreitet – selbst wenn anfänglich nur sehr wenige von ihm betroffen sind.

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