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Muss das Haus der Eltern neu geschätzt werden?

Die Antwort auf eine Leserfrage zum Thema Erbrecht.

Andrea Fischer
Auf den Kaufpreis kommts an: Einfamilienhaus in der Schweiz. Foto: Andreas Koll (Wikipedia)
Auf den Kaufpreis kommts an: Einfamilienhaus in der Schweiz. Foto: Andreas Koll (Wikipedia)

Als unser Vater vor mehr als 20 Jahren starb, ging sein gesamter Nachlass an unsere Mutter. Wir Kinder erbten vorerst nichts, so war es abgemacht. Ein paar Jahre später verkaufte die Mutter das Elternhaus an unseren Bruder, wir übrigen Geschwister kennen die Bedingungen nicht. Nun ist auch unsere Mutter verstorben, ohne ein Testament zu hinterlassen. Das Haus hat inzwischen einen höheren Wert. Haben wir Geschwister ein Anrecht darauf, dass es neu geschätzt wird?

Das kommt auf die Umstände des damaligen Verkaufs an. Die entscheidende Frage ist, wie viel Ihr Bruder seinerzeit für das Haus bezahlt hat. Er ist verpflichtet, dies Ihnen und den übrigen Geschwistern gegenüber offenzulegen. Hat er das Haus zu einem Preis unter dem damaligen Verkehrswert bekommen, so stellt der Preisnachlass eine Schenkung dar. Diese muss sich Ihr Bruder als Erbvorbezug anrechnen lassen und ausgleichen.

Für die Ausgleichung ist der Wert der Liegenschaft zum Zeitpunkt der Erbteilung massgeblich, das Haus müsste also tatsächlich neu geschätzt werden. Hat Ihr Bruder das Haus seinerzeit zum Verkehrswert gekauft, schuldet er seinen Miterben nichts mehr, auch wenn die Liegenschaft heute mehr wert ist.

Um das festzustellen, muss man den damaligen Verkehrswert kennen. Das ist kein Problem, wenn aus jener Zeit eine Schätzung vorliegt. Ist das nicht der Fall, muss der Verkehrswert rückwirkend ermittelt werden, was nicht ganz einfach sein dürfte.

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Andrea Fischer beantwortet Ihre Fragen zum Arbeitsrecht, Konsumrecht, Sozialversicherungsrecht und Familienrecht. Senden Sie sie an geldundrecht@tamedia.ch

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