Lieber Bitcoin als Bonus

Toptalente verlassen Wallstreet-Banken, weil sie mit Kryptowährungen reich werden. Schweizer halten sich dagegen zurück.

Gerade junge Finanzprofis wagen sich in Bitcoin-Investments. Einige verdienen damit mehr als mit ihrem Job in der Bank.

Gerade junge Finanzprofis wagen sich in Bitcoin-Investments. Einige verdienen damit mehr als mit ihrem Job in der Bank.

(Bild: Keystone Sascha Steinbach)

Holger Alich@Holger_Alich

Banker an der US-Wallstreet gelten nicht gerade als unterbezahlt. Allein die Bonus-Zahlungen für 2017 lagen laut den New Yorker Steuerbehörden im Schnitt bei 184'220 Dollar. Das sind 17 Prozent mehr als im Vorjahr. Doch einigen reicht das immer noch nicht.

Laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Bloomberg häuften sich zuletzt die Fälle von Toptalenten, welche namhafte Bankhäuser wie Goldman Sachs verlassen, weil sie mit ihren privaten Spekulationsgeschäften mit Kryptowährungen reich geworden sind.

So seien bei Goldman Sachs schon in diesem Jahr allein drei Kundenberater gegangen, weil sie mit ihren privaten Geschäften mit Kryptowährungen genug Gewinn gemacht haben. Bei der Deutschen Bank in New York hat der 29-jährige Adrian Xinli Zhang das Geldhaus im März verlassen. Auch er habe mit Kryptogeschäften auf eigene Rechnung so viel Geld verdient, dass er nicht mehr für die Bank arbeiten wollte – obwohl er im gleichen Monat, indem er kündigte, zum Direktor befördert worden war.

«So viel wie mein Jahresgehalt»

Auch der Vermögensverwalter Blackrock ist von dem Phänomen betroffen. «Ich bin in einer Position, in der es einfach keinen Sinn mehr macht, für Blackrock zu arbeiten», sagt Asim Ahmad, der in London Pensionskassen und Hedgefonds bei ihren Anlagegeschäften beraten hat. «Die Preisschwankungen in meinem Portfolio sind höher als mein Gehalt, wenn ich also ein paar richtige Investments tätige, verdiene ich genauso viel wie mein Jahresgehalt. Und alles, was obendrauf dazukommt, ist ein Bonus.»

Wie viel er mit seinen Kryptogeschäften verdient hat, will er aber nicht verraten. Ahmad investierte zum ersten Mal im Jahr 2016 in die Kryptowährung Ether, im gleichen Jahr heuerte er bei Blackrock an. Er steckte seine gesamten Ersparnisse von umgerechnet rund 13'000 Franken in Ether-Käufe. Das Geld hatte er in sechs Jahren zusammengespart, als er als Investmentberater in Nordengland gearbeitet hatte. Als Ahmad bei Ether einstieg, kostete die Kryptowährung rund 10 Franken, derzeit liegt sie bei etwa 560 Franken, Anfang des Jahres erreichte sie fast 1400 Franken.

Doch Investments in Kryptowährungen sind riskant, die Preisausschläge enorm. Das räumt auch Fondsmanager Ahmad ein. Die weitgehend unregulierten Geschäfte haben das Interesse der Behörden geweckt, so prüft das US-Justizministerium, ob es an Kryptohandelsplätzen zu Kursmanipulationen gekommen ist.

Schweizer Anleger meiden Bitcoin & Co.

Schweizer halten sich bisher mit Geldanlagen in Kryptowährungen zurück. Das zeigt eine Studie des Marktforschungsinstituts GFK, die im Auftrag des Vergleichsdiensts Moneyland erarbeitet wurde.

Demnach haben gerade acht Prozent von rund 1500 befragten Personen in der Schweiz in Bitcoin investiert. Dabei haben drei Prozent eine kleine Summe, drei Prozent eine mittlere und nur zwei Prozent eine grössere Summe in Bitcoin angelegt. Andere Kryptowährungen sind noch weniger verbreitet als Bitcoin.

Kryptowährungen finden demnach vor allem bei jüngeren Anklang, so haben in der Altersgruppe der 19- bis 25-Jährigen bereits 14 Prozent und bei den 26- bis 49-Jährigen 10 Prozent in Bitcoin investiert. Bei den über 50-Jährigen haben nur 4 Prozent Geld in Kryptogeld angelegt.

Generationenkonflikt um Kryptogeld

Dieser Generationenkonflikt in Sachen Kryptowährungen ist dabei kein Schweizer Phänomen. «Es gibt bei vielen grösseren Finanzhäusern eine regelrechte Zweiteilung, wobei ältere Manager sehr skeptisch und die Nachwuchskräfte sehr positiv gegenüber Kryptowährungen eingestellt sind», meint Adam Grimsley, der früher als Anleihe-Spezialist bei Blackrock arbeitete und nun einen Kryptohedgefonds namens Prime Factor Capital mitbegründet hat.

Schweizer Vermögensverwalter halten ebenfalls Abstand von Kryptowährungen. So heisst es zum Beispiel bei UBS und Credit Suisse, dass beide Banken ihren vermögenden Privatkunden keine Kryptwährungen als Anlageklasse anbieten.

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt