Lenk distanziert sich von Adelboden

Auch ohne Lenk wird am Donnerstag die Tourismusorganisation Talk starten. Wie es mit Lenk weitergeht ist derzeit offen.

Lenk Tourismus befürchtete, zum «Satelliten von Adelboden» zu werden: Biker am Betelberg.

Lenk Tourismus befürchtete, zum «Satelliten von Adelboden» zu werden: Biker am Betelberg. Bild: Stefan Hunziker (swissimage.ch)

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Am Donnerstag ist es so weit. Die Ferienregionen Adelboden-Frutigen und Kandersteg bündeln ihre Kräfte und schliessen sich zur Tourismus Adelboden-Lenk-Kandersteg AG zusammen, kurz Talk. Wie der Name der neuen Organisation sagt, hätte sich ihr eigentlich auch die Lenk anschliessen sollen. Doch es kam anders. Im Frühling erteilte die lokale Tourismusorganisation an der Lenk dem Zusammenschluss eine Abfuhr. Dies nachdem früher schon St. Stephan vermeldet hatte, es werde sich der neuen Destination nicht anschliessen.

Wirklich zufrieden ist mit der aktuellen Situation niemand. In Adelboden und Kandersteg fühlt man sich vor den Kopf gestossen. Urs Pfenninger, Direktor von Adelboden Tourismus und designierter Direktor von Talk, sagt: «Wir haben zweieinhalb Jahre eng und im vollsten Vertrauen zusammen auf dieses Ziel hingearbeitet. Natürlich gab es nach dem Nein aus der Lenk im ersten Moment Emotionen.»

Auch viele Lenker sind enttäuscht. So hatten sich etwa die Gemeinde sowie Vertreter von Gewerbe, Bergbahnen und Hotellerie für den Beitritt zur neuen Organisation starkgemacht. Sie werden im Verwaltungsrat der Talk AG Einsitz haben. Der Gewerbeverband Lenk, Teile der Lenker Hotellerie und die Bergbahnen haben darüber hinaus beschlossen, trotz allem Aktionäre von Talk zu werden. Zum Unverständnis von Heinrich Summermatter, der sich im Abstimmungskampf als Vorreiter für ein Nein etabliert hat. Obwohl gewichtige Akteure aus der Lenk Ja gesagt hätten zum Beitritt, habe er grosse Teile der Bevölkerung und mehrere Hotels hinter sich, sagt Summermatter.

Beitritt ist derzeit ausgeschlossen

Und wie geht es weiter? Für Summermatter, der bei Lenk Tourismus im Verwaltungsrat sitzt, sind zwei Dinge sonnenklar. Erstens: Ein nachträglicher Beitritt kommt nicht infrage – auch wenn das Konzept das vorsähe und Talk-Vertreter stets erwähnen, die Türen stünden den Lenkern weiterhin offen. Dagegen sprechen für Summermatter mehrere Punkte, etwa die zu starre Organisation und vor allem, dass die Lenk aus seiner Sicht im neuen Konstrukt zum «Satelliten von Adelboden» geworden wäre. Zweitens: Eine Form von Zusammenarbeit muss es trotzdem auf jeden Fall geben. Allein schon deshalb, weil Adelboden und Lenk im Wintersportgeschäft nicht zu trennen sind. Und: «Dem Tourismus geht es nicht so gut, dass wir uns solche Querelen leisten können», sagt Summermatter.

Die Situation scheint jedoch verfahren zu sein. Ein erster Entwurf für einen Kooperationsvertrag, den Adelboden der Lenk vorlegte, stiess auf Ablehnung. Der Vertrag sei viel zu weit gegangen, sagt Summermatter. Adelboden und Kandersteg wirft er vor, zu wenig gesprächsbereit zu sein und die Lenk zu stark unter Druck zu setzen. Pfenninger staunt ob dieser Aussage. Schliesslich sei man gegenwärtig mit der Lenker Tourismusorganisation im Dialog: «Wir sind überzeugt vom ursprünglich gemeinsam eingeschlagenen Weg und gehen ihn deshalb unbeirrt weiter.» Es könne sein, dass das als Unter-Druck-Setzen interpretiert werde.

Es geht auch um viel Geld

Die Lenker haben sich diese Woche an Regierungsrat Christoph Ammann gewandt mit der Bitte, er oder jemand aus seiner Direktion möge doch zwischen Talk – oder Tak (ohne l), wie die Organisation von den Lenkern konsequenterweise genannt wird – und der Lenker Tourismusorganisation verhandeln. Von diesem Vorgehen wusste Pfenninger bis zur «Bund»-Anfrage nichts. Für ihn hat sich der Kanton jederzeit fair und transparent verhalten. In Ammanns Direktion antwortet man auf die Frage nach einer Mediation zurückhaltend: Regierungsrat Ammann sei nach wie vor entschlossen, die Destinationsverdichtung bis Ende Oktober abzuschliessen. Um dieses Ziel zu erreichen, stehe die Direktion weiterhin beratend und unterstützend zur Verfügung.

Summermatter macht den Kanton für die derzeitige verfahrene Situation mitverantwortlich. Denn es geht auch um Geld. Um rund 250 000 Franken jährlich, um genau zu sein. So viel Beherbergungsabgaben werden an der Lenk pro Jahr erwirtschaftet, die an den Kanton fliessen. Dieser schüttet sie dann an die Destinationen aus. Vorausgesetzt, er anerkennt die Destination als solche. Die Lenk, das war lange Ammanns Haltung, sei keine eigenständige Destination, weshalb ihr keine Rückvergütung der Abgabe zustehe. Adelboden und Kandersteg dagegen wollte der Regierungsrat die Abgabe überweisen. Damit ermöglichte er es den beiden, gehörig Druck auf die Lenker auszuüben, so Summermatters Vorwurf.

Doch nun ist Ammann offenbar von der starren Forderung abgekommen, dass nur bei einem Vollbeitritt Geld fliesse. Auf Anfrage heisst es aus der Volkswirtschaftsdirektion, der Kanton habe neben dem Vollbeitritt auch die Möglichkeit eines Kooperationsvertrags zwischen Lenk Simmental Tourismus und Talk in die Diskussion gebracht. Bei einer solchen Kooperation würde die Beherbergungsabgabe an Talk fliessen; die Verwendung der Mittel müsste im Vertrag geregelt werden.

(Der Bund)

Erstellt: 31.08.2017, 06:55 Uhr

Was der Zusammenschluss bringen soll

Die Geschichte der Feriendestinationen im Berner Oberland war in den letzten Jahrzehnten eine bewegte. Bis zur Jahrtausendwende wurde das Oberland als eine Destination vermarktet. Dann brach die Organisation auf. Die grossen Akteure und bekannten Feriendörfer wollten mehr Autonomie. Eine zentrale Tourismusorganisation war ihnen zu starr. Anfangs profitierte der Tourismus vom Aufbruch.

Es entstand eine neue Dynamik. Sie flachte allerdings in den letzten Jahren zusehends ab, weshalb der Kanton Bern im 2012 überarbeiteten Tourismusentwicklungsgesetz auf die sogenannte Destinationsverdichtung setzte. Statt zehn sollte es im Kanton nur noch fünf Destinationen geben. So könnten die Kräfte gebündelt werden.

Misstöne gehören dazu

Wenn sich einzelne Feriendörfer zu Destinationen zusammenschliessen, können sie insbesondere ihre Marketingaktivitäten bündeln und so am Markt deutlich sichtbarer werden. Kleine Orte können so auch von der Strahlkraft bekannter Marken profitieren.

Eine Destination ist dann besonders attraktiv, wenn sie sich an den Bewegungen und Bedürfnissen der Touristen orientiert. Daraus ergibt sich ein weiteres zentrales Ziel solcher Organisationen: das Entwickeln neuer touristischer Angebote. Dank der Zusammenarbeit können täler- und dörferübergreifende Produkte und Events geschaffen werden. Insgesamt sollen mit diesen Massnahmen mehr Besucher in eine Destination gelockt werden und dort auch ein besseres Angebot vorfinden.

Es klingt einleuchtend, dass es sich für alle Beteiligten lohnt, wenn sie sich zusammenschliessen. Das wird auch von allen Touristikern bestätigt. Trotzdem ist der Prozess in der Praxis mitunter holprig. So gab es nicht nur bei der Gründung der Tourismusorganisation Adelboden-Lenk-Kandersteg Misstöne.

Auch der Zusammenschluss von Interlaken, Jungfrauregion und Haslital scheiterte. Zwar haben sich Haslital und Jungfrauregion in der Zwischenzeit gefunden. Interlaken hat sich als eigenständige Destination etabliert und ist vom Kanton als solche anerkannt. Mit einem Kooperationsvertrag hat sich ihr die Region Thunersee angeschlossen.

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