Legales Kiffen bringt Milliarden

In den USA profitieren Start-ups und der Staat von der Cannabis-Legalisierung. Ein grosses Problem bleibt.

Das Geschäft blüht: Marihuana-Verkauf in Denver im US-Bundesstaat Colorado.

Das Geschäft blüht: Marihuana-Verkauf in Denver im US-Bundesstaat Colorado. Bild: Brennan Linsley/Keystone

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Was die Schweizer Stimmbürger vor gut 10 Jahren an der Urne wuchtig verworfen haben, ist in den USA jetzt ein Milliardenbusiness: legales Marihuana. 2015 haben Firmen, die in den USA mit Cannabis-Produkten handeln, 5,4 Milliarden Dollar umgesetzt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Wachstum von 17 Prozent, wie eine neue Studie des Marihuana-Markt-Analysten Arcview zeigt.

Den Boom hat Colorado ausgelöst, das vor zwei Jahren als erster Bundesstaat Marihuana als Genussmittel legalisiert hat. Seither sind mit Alaska, Washington und Oregon drei weitere Staaten und die Hauptstadt Washington D.C. dem Vorbild gefolgt. Zusätzlich ist in 23 Bundesstaaten Marihuana für medizinische Zwecke legal.

2016 als Wendepunkt

Ein Grossteil des Hanfumsatzes entfällt auf die medizinische Nutzung. Doch der Genussmittelanteil steigt rapide an: innerhalb von einem Jahr von rund 350 Millionen auf knapp 1 Milliarde Dollar.

Begünstigt wird der Aufschwung dadurch, dass dieses Jahr ein Wendepunkt im Umgang mit Marihuana in den Vereinigten Staaten sein soll. In weit mehr als einem Dutzend Bundesstaaten steht die Legalisierung als Genussmittel oder für medizinische Zwecke zur Wahl. Es wird erwartet, dass bis Ende Jahr somit eine Mehrheit der Staaten eine Art von Legalisierung eingeführt haben wird.

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Von der Legalisierung profitiert auch der Staat. In Colorado beispielsweise müssen 10 Prozent Umsatzsteuer entrichtet werden und Grosshändler müssen zusätzlich noch 15 Prozent Gewerbesteuern bezahlen. Gemäss der Studie nahm Colorado im vergangenen Jahr 135 Millionen und Washington D.C. 70 Millionen Dollar Steuern ein.

Nur Cash im Milliardenbusiness

Rund um den Cannabis-Aufschwung entsteht eine Start-up-Szene für unterschiedlichste Produkte: Verpackungen mit Kindersicherung, Beleuchtungs- oder Belüftungssysteme, Backwaren und Smartphone-Apps.

Eine dieser Unternehmerinnen ist Peggy Noonan aus dem Bundesstaat Arizona, wo medizinisches Marihuana legal ist. Bevor Gras legal wurde, sass sie wegen Drogenhandel in Mexiko im Gefängnis und erhielt eine bedingte Freiheitsstrafe in Arizona, wie Bloomberg berichtet. Heute verkauft ihre Firma Cornucopia Health and Wellness über 40 Produkte, wie Schokoladen-Brownies oder Kaugummis mit unterschiedlich hohem Hanfanteil. Noonan hat ihr Geschäft im April 2014 eröffnet und hat mittlerweile acht Angestellte. Ihre Verkaufszahlen hätten sich in den letzten drei Monaten verdoppelt, sagt sie zu Bloomberg.

Cornucopia Health and Wellness wirbt auf Instagram und Facebook für seine Produkte.

Die Start-up-Szene hat aber ein grosses Problem: Marihuana ist in den föderalistischen USA auf Bundesebene immer noch verboten und wird gleich wie Heroin behandelt. Das führt dazu, dass Banken in den USA kein Geld von den Geschäften annehmen dürfen. Das Milliardengeschäft läuft daher ausschliesslich mit Bargeld.

Ein demokratischer Senator aus Oregon, wo seit dem 1. Oktober 2015 der Verkauf an Erwachsene erlaubt ist, nervt die Bankenregelung. Für ihn sei die Zeit gekommen, dass Banken das Geld annehmen dürfen, ohne Konsequenzen von den Bundesbehörden fürchten zu müssen, sagt er dem Magazin «Vice»: «Geschäftsfrauen und -männer werden gezwungen, Sporttaschen voll mit Geld herumzutransportieren, obwohl sie gemäss Staatsgesetz legal arbeiten. Das ist eine Einladung für Kriminelle.»

Eine schnelle Lösung für das Bankenproblem ist nicht in Sicht. Peggy Noonan träumt trotzdem von der Expansion ihres Start-ups mit Hanfesswaren. Sie will ihr Geschäft nach Kalifornien, Colorado und Washington ausweiten. Die Prognose von Arcview für den Markt ist jedenfalls gut. Die Studie erwartet für 2016 einen Umsatz von 6,7 Milliarden Dollar und bis 2020 soll er auf fast 22 Milliarden US-Dollar ansteigen. (DerBund.ch/Newsnet)

Erstellt: 05.02.2016, 13:42 Uhr

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