Konsumentenschutz will strenge Kassen auf schwarze Liste setzen

Wer gegen die Regeln von Hausarzt- oder Telmed-­Modellen verstösst, werde zu hart angefasst. Die Konsumentenschützer wollen deshalb Kassen an den Pranger stellen.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Schweizerischen Konsumentenschutzes.

Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Schweizerischen Konsumentenschutzes.

(Bild: zvg)

Adrian Sulc@adriansulc

Wer hat schon die allgemeinen Versicherungsbedingungen seiner Krankenkasse gelesen? Gerade bei den alternativen Versicherungsmodellen könnte dies jedoch nicht schaden. Denn wer in einem Hausarzt-, HMO- oder Telmed-Modell versichert ist, zahlt zwar tiefere Prämien, ist aber gleichzeitig mit strengeren Regeln einverstanden. Nicht alle Versicherten kennen diese jedoch im Detail – oder sie denken nicht daran, wenn sie sich einige Monate nach dem Versicherunsgswechsel in Behandlung begeben.

Und wer nicht zuerst seinen Hausarzt, sein Ärztezentrum oder sein Callcenter konsultiert, verstösst gegen die Bedingungen der Krankenkasse und muss mit Sanktionen rechnen. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) und ihre beiden Schwesterorganisationen aus der Romandie und dem Tessin kritisieren die Krankenversicherer dafür, mit ihren Versicherten schon beim ersten Verstoss gegen die Regeln streng zu sein.

SKS-Geschäftsleiterin Sara Stalder sagte gestern vor den Medien in Bern, fehlbare Versicherte würden teilweise ohne Vorwarnung gezwungen, die betreffenden Arztkosten selbst zu übernehmen, oder von ihrer Kasse gleich in ein teureres Versicherungsmodell hochgestuft. Sie forderte, dass die Versicherungen ihre Kunden zuerst mahnten. Auf Nachfrage stellt Stalder klar, dass nicht alle Kassen gleich rigide sind. Namen will sie keine nennen. Es handle sich jedoch um die tendenziell günstigen Kassen.

Ernüchtert über die Ärzteschaft

Die Konsumentenschützer wollen 2016 mit ihrem Anliegen an die Kassen herantreten und danach eine weisse, graue und schwarze Liste der Krankenkassen veröffentlichen – entsprechend deren Kulanz. Gleichzeitig betont Stalder, dass die SKS die alternativen Versicherungsmodelle grundsätzlich für sinnvoll hält.

Ernüchtert gab sich Stalder betreffend den Versuch ihrer Organisation, gegen die «Überversorgung im Gesundheitswesen» zu kämpfen – eines der Ziele für das endende Jahr. «Die Mühlen mahlen sehr langsam», sagte Stadler. Einerseits wollten die drei Konsumentenorganisationen die Patienten dafür sensibilisieren, «selbstbewusst» die Verschreibungen der Ärzte in Frage zu stellen. Und andererseits soll mittels Datenanalyse eine Vergleichbarkeit der Leistungserbringer ermöglicht werden, um bei Überversorgung intervenieren zu können. Es gebe zwar einzelne Ärztenetzwerke, die mithelfen wollten, unnötige Behandlungen zu reduzieren, so Stadler, «die meisten Ärzte und Spitäler sind jedoch dagegen und wollen dem Bund keine anonymisierten Daten liefern, die Vergleiche ermöglichen würden.»

Der Bund

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