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Wenn der Durchbruch heute nicht gelingt

Nach den chaotischen Zuständen der letzten Woche erwartet die Welt heute am Eurogipfel überzeugende Lösungen für die Krise. Doch wird der Durchbruch gelingen? Antworten zu den aktuell wichtigsten Fragen zur Schuldenkrise.

Müssen heute eine Lösung präsentieren: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel.
Müssen heute eine Lösung präsentieren: Der französische Präsident Nicolas Sarkozy und die deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel in Brüssel.
Keystone

Gelingt am Mittwoch der Durchbruch?

Am Dienstag wurde zwischen den Hauptstädten noch unter Hochdruck verhandelt, das Gesamtpaket schien noch auf der Kippe zustehen. Die schwierigste Frage: Wagt die Eurozone einen drastischen Schuldenschnitt von rund 60 Prozent für Athen? Das halten die Troika-Experten für notwendig, damit Griechenland wieder auf die Beine kommen kann. Das Land bräuchte zwar noch viele Jahre, um sich selbst wieder Geld am Markt leihen zu können. Die Wirtschaft würde durch die wegfallende Zinslast aber nicht länger abgeschnürt.

Werden sich die Banken darauf einlassen?

Freiwillig nicht, meint Finanzexperte Guntram Wolff vom Brüsseler Institut Bruegel. Deswegen sollten Merkel & Co. einen Schuldenschnitt erzwingen. «Das würde von den Märkten positiv aufgenommen, denn die Eurozone würde zeigen, dass sie zu harten Entscheidungen fähig ist.» Die Ausfälle für die Banken blieben verkraftbar. Und die Ansteckungsgefahr für andere Sorgenkinder, allen voran Italien, bliebe beherrschbar.

Und was passiert, wenn als Folge einer griechischen Teilpleite das Geldleihen für andere Wackelkandidaten doch unbezahlbar wird?

Dann soll der Euro-Rettungsfonds EFSF einspringen. Mit Krediten zur Bankenrettung, durch den Aufkauf von Staatsanleihen, und durch Vorsorgedarlehen für unter Druck geratene Regierungen. Dafür erhält der Fonds auch mehr Kraft: Er soll als «Teilkaskoversicherung» einspringen, wodurch das Volumen für Staatsanleihenkäufe vervielfacht werden könnte. Und er soll um Investitionsgesellschaften erweitert werden, in die das Euro-Ausland einzahlen könnte: Länder wie China, Indien oder Brasilien haben die Bereitschaft signalisiert, bei der Rettung des Euros auszuhelfen, um die globale Wirtschaft zu stabilisieren.

Wird das Geld mit den Hebeln ausreichen?

Nein, meinen einige Euro-Regierungschef. Mit seinen verbliebenen Mitteln (200 bis 300 Milliarden Euro) könnte er als Teilkaskoversicherung maximal 1,5 Billionen Euro absichern. Aber der Finanzierungsbedarf aller Wackelkandidaten in den kommenden zwei Jahren wird schon auf 1,5 Billionen Euro kalkuliert. Wenn auch die Franzosen oder Belgier Hilfe bräuchten, dann würde auch der «gehebelte» EFSF nicht reichen. Experten schätzen, über die Auslandsfonds könnten mittelfristig bis zu 200 Milliarden Euro zusätzlich hereinkommen. Alles hänge davon ab, ob die Finanzmärkte die Hebel für glaubwürdig befinden, sagt Schuldenfachmann Wolff. Nach seiner Einschätzung ist die Lösung «mittelprächtig».

Und wenn die Hebel nicht reichen?

Dann bleibt die Europäische Zentralbank der letzte Feuerlöscher. Genau das wollten Berlin und die EZB selbst verhindern. Die Zentralbank hat schon Anleihen für 170 Milliarden Euro vom Markt genommen, um die angeschlagenen Länder über Wasser zu halten. Aber sie will das Schuldenaufkaufprogramm stoppen, genau dafür ist schliesslich der EFSF ausgebaut worden. Ob der Ausstieg der EZB tatsächlich möglich ist, darauf wollte sich aber auch EU-Ratschef Herman Van Rompuy nach dem Gipfel am Sonntag noch nicht festnageln lassen. Womöglich könnte gerade der «Versicherungshebel» neue Probleme bringen. Denn durch eine Absicherung neuer Anleihen könnten die alten, unversicherten, massiv an Wert verlieren - und die EZB zum Eingreifen auf dem Sekundärmarkt zwingen.

dapd/wid

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