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Warum Trumps Politik gegenüber China gefährlich ist

Der neue Präsident hat recht. Chinas Wirtschaftspolitik hat in den USA Jobs vernichtet. Trotzdem ist seine geplante Antwort darauf fehlgeleitet.

Der neu gewählte Präsident der USA, Donald Trump, sieht in der Politik Chinas die Schuld für Jobverluste in der US-Industrie: Donald Trump (l.), Chinas Präsident Xi Jinping (r.).
Der neu gewählte Präsident der USA, Donald Trump, sieht in der Politik Chinas die Schuld für Jobverluste in der US-Industrie: Donald Trump (l.), Chinas Präsident Xi Jinping (r.).
Keystone

Einen Zoll von 45 Prozent wolle er auf Importe aus China in die USA draufschlagen, hat der mittlerweile gewählte Donald Trump schon während des Präsidentschaftswahlkampfs angekündigt. Nach der Wahl hat er zudem erklärt, sein Finanzminister solle am ersten Tag im Amt China als Währungsmanipulator brandmarken. International schürt damit der künftige US-Präsident die Angst vor einem Handels- oder Währungskrieg. Damit ist gemeint, dass beide grossen Volkswirtschaften, die USA und China, sich gegenseitig mit Massnahmen zur Einschränkung des Handels oder mit der Beeinflussung ihrer Währungen das Leben schwer machen, was sich auch auf den Freihandel weiterer Länder auswirken könnte und letztlich auch ganz generell äusserst negativ auf das Verhältnis der beiden Supermächte.

Trotz diesen Risiken kommt Trumps Drohung gegenüber China bei vielen Amerikanern gut an. Das ist wenig verwunderlich. Denn tatsächlich hat China in der Vergangenheit eine Währungspolitik zulasten der USA betrieben. Die gesamte Wirtschaftspolitik Chinas hat sich mittlerweile aber fundamental geändert. Trumps Vorstösse hätten vor ein paar Jahren Sinn ergeben, jetzt stellen sie vor allem eine Gefahr dar. Der Reihe nach:

«China war von 2003 bis 2014 Allzeit-Weltmeister im Manipulieren der eigenen Währung», hielt Fred Bergsten, einer der führenden Aussenhandelsökonomen in einem Text vor kurzem fest. Um die eigene Währung zu schwächen, hat die chinesische Regierung laut Bergsten in diesem Jahrzehnt jährlich mehr als 300 Milliarden Dollar gekauft und sie in US-Staatsanleihen angelegt. 2014 beliefen sich die Währungsreserven im Maximum auf rund 4000 Milliarden Dollar.

Gezielte Abwertung zur Exportförderung

Die damit gezielt verfolgte Abwertung der chinesischen Währung Yuan Renminbi hat die Wettbewerbsfähigkeit der chinesischen Produkte auf dem Höhepunkt der Interventionen bis auf 40 Prozent gesteigert und so den Exporten in die USA Schub verliehen. Das Ergebnis waren riesige Nettoexportüberschüsse Chinas gegenüber den USA und entsprechende Defizite der USA gegenüber China. Letztlich hat dieses Vorgehen Chinas den USA die Nachfrage nach den eigenen Produkten entzogen. Wie eine viel beachtete Studie zeigt, sind in den USA durch die Politik Chinas in den Jahren 1999 bis 2011 zwischen 1 und 2,4 Millionen Stellen im Industriebereich verloren gegangen.

Dieses Fokussieren auf Exportüberschüsse hat China noch vor kurzem gigantische jährliche Wachstumsraten ermöglicht. So legte etwa das chinesische Bruttoinlandprodukt (BIP) im Jahr 2007 um mehr als 14 Prozent zu. Im Inland selbst war das Wachstum vor allem von Investitionen getrieben, während der private Konsum eine aussergewöhnlich geringe Bedeutung hatte. Exportüberschüsse waren daher ein unverzichtbarer und entscheidender Nachfragetreiber für die chinesische Wirtschaft. Um diese Nettoexportüberschüsse zu erzielen, war die aktive Schwächung der eigenen Währung zentral.

Doch in den letzten Jahren hat die chinesische Regierung ihre Politik radikal geändert. Die Investitionen als inländischer Nachfragetreiber erwiesen sich als immer weniger nachhaltig. Die Aufnahme von Krediten für immer weniger rentable Projekte führt zunehmend zu Fehlinvestitionen und einem gefährlich wachsenden inländischen Schuldenberg. Das neue Ziel ist daher eine Steigerung des inländischen Konsums, damit dieser wie in weiter entwickelten Volkswirtschaften zum Hauptträger des Wachstums wird. Die Politik der Nettoexportüberschüsse in Verbindung mit dem Aufkauf von Dollars, um die eigene Währung tief zu halten, hat letztlich bedeutet, dass China statt für die eigene Bevölkerung für jene in den USA produziert und den Amerikanern gleich auch noch das Geld für diese Importe geliehen hat.

Die alten Ziele gelten nicht mehr

Der Wandel von einer auf Exporte ausgerichteten auf eine am inländischen Konsum ausgerichteten Wirtschaft ist aber mit einem deutlich geringeren BIP-Wachstum verbunden. Doch ein hohes Wachstum nützt der Bevölkerung nichts, wenn die Früchte ihrer Arbeit zum grössten Teil exportiert werden. Nettoexportüberschüsse sind daher nicht mehr primäres Ziel der chinesischen Wirtschaftspolitik und damit auch nicht mehr die Schwächung der eigenen Währung. Donald Trump und China haben hier mittlerweile das gleiche Interesse, beide sind nicht an einer weiteren Schwäche des Yuan Renminbi interessiert.

Dennoch tendiert die chinesische Währung weiterhin zur Schwäche. Doch diesmal liegt das nicht an einer bewussten Währungsmanipulation der chinesischen Führung als vielmehr am Versuch vieler Chinesen, ihr Geld ins Ausland zu schaffen, beziehungsweise in eine andere Währung einzutauschen. Das ist Ausdruck des Misstrauens darüber, ob der Wandel der Wirtschaft auch gelingt und es nicht zu einem Absturz kommt. Allein die Erwartung einer weiteren Währungsabschwächung befeuert die Kapitalflucht.

Deutlich sinkende Währungsreserven

Genau umgekehrt, als ihr Donald Trump vorwirft, tut die chinesische Regierung alles, um den daraus resultierenden Wertzerfall ihrer Währung aufzuhalten. Das zeigt sich etwa an den Währungsreserven. Statt dass sie wie früher durch Dollarkäufe gegen frisch geschaffene Yuan Renminbi ansteigen, verkauft sie jetzt die Regierung und kauft die eigene Währung auf, um sie zu stützen. Aktuell sind die Währungsreserven seit dem 4000-Milliarden-Höhepunkt im Jahr 2014 auf rund 3000 Milliarden Dollar gefallen. Allein im Oktober sind sie gemäss Bloomberg um rund 46 Milliarden zurückgegangen. Auch über die Stützungskäufe hinaus versucht die chinesische Regierung mit einer Reihe von administrativen Auflagen den Zerfall der eigenen Währung zu stoppen.

Hohe Zölle auf Importen aus China zur Strafe für eine schädliche Währungsmanipulation wären daher jetzt kontraproduktiv und drohten einzig die Beziehungen zwischen diesen und möglicherweise weiteren Ländern zu verschlechtern. Für die US-Konsumenten hätte ein Handelskrieg mit höheren Zöllen und entsprechenden Gegenmassnahmen von China überdies höhere Preise und eine geringere Produktauswahl zur Folge.

Dazu kommt, dass selbst in den Jahren, als die Wirtschaftspolitik Chinas tatsächlich und nachweislich zu Jobverlusten in den USA geführt hat, diese Verluste relativ gering im Verhältnis dazu ausfielen, wie allein der technologische Fortschritt und der mit ihm einhergehende Strukturwandel die Industrie Stellen gekostet hat. Diese Stellen kommen daher unwiederbringlich nicht mehr zurück, egal welche Politik die künftige Regierung Trump gegen China auch immer einschlägt.

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