Nach Trump-Schelte: US-Notenbank prüft Reformen

Der US-Präsident nannte das Fed «verrückt», Trump passten die Zinserhöhungen nicht. Jetzt geht die Notenbank in die Offensive.

Zwei Männer, zwei Meinungen: Donald Trump und Jerome Powell sind punkte Zinsen nicht gleicher Meinung.

Zwei Männer, zwei Meinungen: Donald Trump und Jerome Powell sind punkte Zinsen nicht gleicher Meinung.

(Bild: Keystone MICHAEL REYNOLDS)

Die von US-Präsident Donald Trump wegen Zinserhöhungen heftig kritisierte Notenbank Fed prüft Reformen ihrer Arbeitsweise. «Jetzt ist eine gute Zeit, um Bilanz zu ziehen darüber, wie wir Geldpolitik festlegen, betreiben und kommunizieren», teilte Fed-Chef Jerome Powell am Donnerstag mit.

Demnach sollen 2019 bei Veranstaltungen landesweit die Meinungen verschiedener Gruppen über Verbesserungen eingeholt werden. Es wird erwartet, dass dabei neben Ökonmen und Investoren auch Unternehmer, Arbeiter und Vertreter der Zivilgesellschaft zu Wort kommen.

Die ungewöhnliche Erklärung deutet darauf hin, dass Powell die seit längerem andauernden Bemühungen der Notenbank um mehr Transparenz beschleunigen will. Die Erkenntnisse der Veranstaltungsserie sollen dann analysiert und in einem Bericht gebündelt werden. Ob es dann Veränderungen in der Fed-Politik gibt, ist noch unklar.

Inflationziel verfehlt

Die Notenbank ist an das Mandat des Parlaments gebunden, Vollbeschäftigung und stabile Preise zu fördern. Daran kann sie nicht rütteln. Allerdings könnte sie andere Wege einschlagen, zu diesen Zielen zu gelangen.

So wird beispielsweise darüber spekuliert, dass sie von ihrem starren Zwei-Prozent-Ziel bei der Inflation abweichen könnte. Dieses gilt seit 2012. Meistens lag es in der Vergangenheit darunter, bevor in den vergangenen Monaten eine Punktlandung gelang. Einige Fed-Mitglieder haben aber dafür plädiert, das Inflationsziel zu überdenken: Einer der prominentesten Fürsprecher ist der einflussreiche Chef des Fed-Bezirks New York, John Williams. Er brachte ein Modell ins Gespräch, das der Fed mehr Spielraum bieten soll.

Demnach könnte sie die Inflationsrate für einen längeren Zeitraum über dem angepeilten Idealwert halten, wenn diese zuvor geraume Zeit darunter geblieben ist. Damit wäre es nach seiner Ansicht geldpolitisch einfacher, auf das Auf und Ab der Wirtschaft zu reagieren - insbesondere in Rezessionszeiten.

Trump erklärt Fed für verrückt

In der derzeitigen Boomphase haben die Währungshüter ihre Ziele weitgehend erreicht. Die Fed erhöht nun schrittweise die Zinsen, um die Teuerung in Schach zu halten. US-Präsident Trump fürchtet jedoch um den von ihm mit einer radikalen Steuerreform zusätzlich befeuerten Aufschwung und hat die Fed wegen ihre strafferen Geldpolitik für «verrückt» erklärt.

Neben dem erst kürzlich aufgekommenen Gegenwind aus dem Weissen Haus sieht sich die Fed seit Jahren mit Druck aus dem Kongress konfrontiert, für mehr Transparenz zu sorgen. Eine Gruppe um den republikanischen Senator Rand Paul aus Kentucky sieht das Gebaren der Fed als unzulässigen Eingriff in das freie Spiel der Marktkräfte und will ihr stärker auf die Finger schauen.

Powell erteilte diesen unter dem Schlagwort «Audit the Fed» laufenden Bemühungen eine Absage, da sie letztlich auf ein Einspannen des Kongresses in die Geldpolitik hinausliefen. Powell hat zugleich für nächstes Jahr erste Pflöcke eingeschlagen, um für mehr Transparenz zu sorgen. So wird er sich 2019 nach jeder der regulären acht Zins-Sitzungen der Presse stellen - statt bisher nur ein Mal im Quartal.

sda

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