Das bringt 2019 der Schweizer Wirtschaft

Was in den wichtigsten Branchen ansteht: Schnelleres Internet, neuartige Krebstherapien und ein Schicksalsjahr für eine Schweizer Bank.

Nach stark steigenden Auftragseingängen im laufenden Jahr erwartet die Industrie 2019 eine Abflachung. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Nach stark steigenden Auftragseingängen im laufenden Jahr erwartet die Industrie 2019 eine Abflachung. Foto: Gaetan Bally (Keystone)

Die konjunkturellen Aussichten für die Schweizer Wirtschaft waren auch schon besser. Im Herbst hat sich die Konjunktur abgekühlt. Die Schweizer Wirtschaft schrumpfte im dritten Quartal des vergangenen Jahres wider Erwarten um 0,2 Prozent. Die Zahlen des vierten Quartals sind noch nicht bekannt, ein guter Monat Oktober lässt allerdings auf eine Erholung hoffen. Das Problem für die Wirtschaft sind die weltweit vorhandenen politischen Unsicherheiten, vom Handelskrieg zwischen den USA und China bis zum Brexit und zum umstrittenen Rahmenabkommen der Schweiz mit der EU.

Die für die Schweiz wichtige Exportindustrie – lange schien sie trotz teurem Franken ziemlich unbehelligt zu funktionieren – stotterte im dritten Quartal 2018 deutlich (–4,2%). Grund dürfte eine Abschwächung der Konjunktur in Deutschland und anderen EU-Ländern sein. Zahlreiche hiesige Unternehmen beliefern die deutsche Autoindustrie, die wegen des Dieselskandals Absatzprobleme bekam und politisch vor unsicheren Zeiten steht. Die Ausrüstungsinvestitionen gingen ebenfalls deutlich zurück (–2,0%), was darauf hindeutet, dass Unternehmen grundsätzlich vorsichtig geworden sind, Geld in ihrem Unternehmen zu investieren. Der Inlandkonsum legte nicht mehr zu. 2019 dürfte deshalb ein interessantes Jahr werden. Ein zweites Quartal in Folge mit rückläufigem Wachstum würde bedeuten, dass sich die Schweiz in einer Rezession befindet.

Doch auch in anderen Ländern sehen die Zahlen nicht besonders gut aus, auch in solchen, welche für die Schweiz als Handelspartner wichtig sind. Die Wirtschaftsentwicklung in den USA war auch schon besser. Die Steuersenkungen von Donald Trump haben zwar eine Euphorie ausgelöst, die jedoch durch immer neue Zölle im Handelskrieg mit China erschüttert worden ist. In Europa stottert sogar Deutschland, der jahrzehntealte Motor der europäischen Wirtschaft. Das Problem im nächsten Jahr: Sollte es tatsächlich zu einem Abschwung kommen, haben die betroffenen Staaten und Notenbanken kaum mehr Möglichkeiten, Gegensteuer zu geben. Erstere sind meist bereits hoch verschuldet, letztere bereits auf einem Zinsniveau unter null – mit negativen Auswirkungen auf einfache Sparer.


Technologieschub in der Telecombranche

Das superschnelle 5G-Mobilfunknetz steht vor der Tür. Foto: Keystone

Die Schweizer Telecombranche muss im kommenden Jahr die Weichen für die Lancierung des superschnellen 5G-Mobilfunknetzes stellen. Im Januar 2019 versteigert die Eidgenossenschaft die Frequenzen dafür. Swisscom, Sunrise und Salt werden an der Auktion teilnehmen. Der Bund rechnet mit einem Erlös von mindestens 220 Millionen Franken. Die Betreiber gehen davon aus, dass die Smartphone-Hersteller im Vorfeld des Mobile World Congress vom Februar in Barcelona erste 5G-fähige Geräte präsentieren. Im zweiten Halbjahr 2019 sollen diese Mobiltelefone auf den Markt kommen.

Der Fahrplan der Produzenten und auch die strengen Vorgaben bei den Strahlenwerten für Sendemasten geben das Tempo beim Aufbau des 5G-Netzes in der Schweiz vor. Marktführer Swisscom plant, bis Ende 2019 rund 60 Städte und Gemeinden punktuell mit 5G zu erschliessen. Salt nennt das dritte Quartal 2019 als Zeitpunkt für eine Einführung von 5G. Sunrise will Ende Februar informieren.

Doch auch die Politik bestimmt im neuen Jahr die Agenda der Branche. Das Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation hat eine Arbeitsgruppe zum neuen Mobilfunkstandard eingesetzt. Sie soll Bedürfnisse und Risiken beim Aufbau von 5G-Netzen analysieren und bis Mitte 2019 einen Bericht mit Empfehlungen dazu verfassen.

Voraussichtlich in der Frühjahrssession wird die kleine Kammer als Zweitrat über die Netzneutralität debattieren. Der Ständerat hat eine Bestimmung ins revidierte Fernmeldegesetz aufgenommen, welche Ausnahmen erlaubt, sofern sie dem Qualitätsanspruch der Kunden Rechnung trägt und unter anderem die Netzkapazität damit nicht spürbar eingeschränkt wird. Damit soll die zuvor vom Nationalrat beschlossene Regelung flexibler ausgestaltet und präzisiert werden. (met)


Finanzbranche: Schicksalsjahr für Raiffeisen

Der neue Raiffeisen-Chef Guy Lachappelle muss sich beweisen. Foto: Keystone

Für eine Bank wird 2019 zum Schicksalsjahr: Die Raiffeisen-Gruppe muss unter ihrer neuen Führung beweisen, dass sie sich grundlegend erneuern und die Altlasten aus der Ära von Pierin Vincenz endgültig abtragen kann. Dazu bedarf es der entschlossenen Umsetzung von Regeln guter Unternehmensführung (Corporate Governance), die einer dritten Kraft im Schweizer Bankensektor angemessen sind. Ferner muss Raiffeisen Schweiz auf Geheiss der Finanzmarktaufsicht entscheiden, ob man die heutige Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umwandeln soll. Gefordert ist Raiffeisen auch noch anderweitig: Ab 2019 muss die Bank zusammen mit Postfinance und der Zürcher Kantonalbank (ZKB) höhere Eigenmittelanforderungen erfüllen. Als systemrelevante Institute in der Schweiz sind sie gehalten, neu sogenanntes «Gone concern»-Kapital zu halten (für UBS und Credit Suisse gilt das seit 2016). Dieses soll sicherstellen, dass eine in Schieflage gehaltene Bank ohne Staatshilfe geordnet saniert oder abgewickelt werden kann.

Für die Kunden der Postfinance wird es im 2019 ernst: Sie müssen monatliche Kontoführungsgebühren von 5 Franken bezahlen. Im Laufe des nächsten Jahres wird der Bundesrat ferner bekannt geben, wie er sich die Teilprivatisierung der Postfinance und deren Einstieg ins Hypothekargeschäft vorstellt. (rm.)


Pharmabranche: Mehr teure Medikamente

Die Krebsmedikamente werden immer wirksamer – aber zu welchem Preis? Foto: Keystone

In der Pharmaindustrie wird die Konzentration auf ertragsstarke rezeptpflichtige Medikamente weiter gehen. Novartis hat den Weg dazu mit der Ausgliederung der Augenheilkundesparte Alcon bereits beschritten. Der Börsengang dürfte in diesem Jahr realisiert werden.

Die Konzentration auf neuartige Krebstherapien, Immunologie und seltene Krankheiten wird auch bezüglich der Preisgestaltung das heisse Thema bei Gesundheitsbehörden, Krankenversicherern und Patienten sein. In den USA, dem weltweit wichtigsten Pharmamarkt, hat die anhaltende Kritik von US-Präsident Donald Trump zur Folge, dass die Pharmahersteller im Januar noch rasch ihre Preise erhöhen werden in Erwartung einer möglichen Reform der Arzneimittelpreise. Die wichtigsten Pharmahersteller haben weitere Medikamente in der Pipeline, deren Preise pro Therapie im Millionenbereich liegen werden.

In der Schweiz hat das zuständige Bundesamt für Gesundheit (BAG) für die Novartis-Therapie Kymriah keinen Preis festgelegt. Das dürfte in den kommenden Monaten passieren. Zum Vergleich: In Deutschland kostet das Leukämiemedikament 320'000 Euro. Auf dem Schweizer Arbeitsmarkt dürfte die Umsetzung des im November 2018 angekündigten Stellenabbaus beim deutschen Pharmakonzern Bayer Auswirkungen haben. Bayer beschäftigt derzeit 1600 Personen in der Schweiz. (rf)


Bleibende Risiken für den Export

Das Verhältnis zur EU ist für die Schweizer Exportwirtschaft von eminenter Bedeutung. Foto: Keystone

Auch im kommenden Jahr bleibt die Schweizer Wirtschaft stark abhängig vom Export und damit von der weltweiten Konjunktur. Die wichtigste Exportbranche ist die chemisch-pharmazeutische Industrie, deren Anteil auf fast 45 Prozent am Gesamtexport der Schweiz angewachsen ist (2016). Der Anteil der Maschinen-, Metall- und Elektro-Industrie sank in den letzten Jahren auf noch knapp 15 Prozent. Aber auch Dienstleistungen werden exportiert, vor allem von Banken, Versicherungen und im Tourismus (insgesamt 29%). Eine Fortsetzung des Handelskriegs zwischen den USA und China dürfte an der Exportbranche nicht spurlos vorbeigehen. Bis jetzt ist es der Schweiz nicht gelungen, von den USA anders behandelt zu werden als die Europäische Union. Auch sie wurde mit Zöllen belegt.

Gut vierzig Prozent der gesamten exportierten Güter und Dienstleistungen gehen in die Europäische Union. Im Unterschied zu Grossbritannien verfügt die Schweiz über Verträge, welche über die allgemeinen WTO-Regeln hinausgehen. Der Exportanteil der Schweizer Wirtschaft ist zwar nicht direkt gefährdet, ohne Rahmenabkommen könnten allerdings langfristig die Kosten für den Export in den europäischen Binnenmarkt leicht ansteigen. Dies befürchten die Befürworter des Vertragswerkes. Bei einer Ablehnung durch die Schweiz droht die EU zudem mit Sanktionen gegen die Schweiz. (fi)


Hoffnung auf sanfte Landung im Wohnungsbau

Ob die Kräne für die Bauwirtschaft weiter in den Himmel wachsen, ist ungewiss. Foto: Urs Jaudas

Die Schweizer Bauwirtschaft kann allgemein auf eine stabile Entwicklung im nächsten Jahr hoffen – zumindest was die erste Jahreshälfte angeht. Laut Ausblick der Konjunkturforschungsstelle des Bundes KOF wachsen die Bauausgaben in der ersten Jahreshälfte 2019 weiter, wenn auch leicht schwächer. Das Kof rechnet mit 1,8 Prozent Wachstum im ersten Quartal und 1,4 im zweiten.

Unterstützend wirken nach wie vor die robuste Konjunktur, das steigende Beschäftigungswachstum und die Negativzinsen. Zunehmend Sorge bereitet der Schweizer Bauwirtschaft hingegen der Wohnungsbau. Hierzulande steht mittlerweile jede 40. Mietwohnung leer, in vielen Teilen der Agglomerationen ist der Leerbestand noch grösser, während in den grossen Städten bezahlbare Wohnungen gesucht sind. Nachdem im dritten Quartal das Volumen der baubewilligten Wohnungen um rund ein Fünftel zurückging, befürchtet die Branche, die Trendwende bei den sogenannten Renditebauten sei eingeläutet worden. Die Credit Suisse rechnet jedenfalls, dass die Bauunternehmungen ab dem zweiten Halbjahr 2019 einen Rückgang der Investitionen zu spüren bekommen. Ob es nur ein Zwischentief ist, oder ob der Trend definitiv gekehrt hat, bleibt laut den CS-Ökonomen noch abzuwarten. (eme)

Diese Inhalte sind für unsere Abonnenten. Sie haben noch keinen Zugang?

Erhalten Sie unlimitierten Zugriff auf alle Inhalte:

  • Exklusive Hintergrundreportagen
  • Regionale News und Berichte
  • Tolle Angebote für Kultur- und Freizeitangebote

Abonnieren Sie jetzt