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So wirkt ein EU-USA-Deal auf die Schweiz

Gross ist die Angst hierzulande, die Schweiz könnte bei einem Freihandel zwischen der EU und den USA zur Verliererin werden. Nun sagt eine Studie, was wirklich passiert.

Von einem ausgebauten Handel zwischen den USA und der EU könnte auch die Schweiz profitieren: Containerschiff in Bremen. (Archivbild)
Von einem ausgebauten Handel zwischen den USA und der EU könnte auch die Schweiz profitieren: Containerschiff in Bremen. (Archivbild)
Keystone

Je umfassender und tiefgreifender das derzeit verhandelte Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU ausfällt, desto weniger hat die Schweiz zu befürchten. Bauen die Partner die Zölle ganz ab und technische Handelshemmnisse nur ein wenig, dürften Einbussen beim Bruttoinlandprodukt resultieren.

Bleibt das dereinstige Abkommen im Wesentlichen auf den Zollabbau beschränkt, dürfte das Niveau des Schweizer Bruttoinlandprodukts im Jahr 2030 um 0,17 bis 0,51 Prozent tiefer liegen. Zu diesem Schluss kommt eine heute veröffentlichte Studie des Welthandelsinstituts der Universität Bern (World Trade Institute/WTI).

Kommt es zu einem umfassenden Abkommen mit einer Vereinheitlichung von Produktionsstandards im US- und EU-Markt, käme ein Zuwachs des Schweizer BIP von 1 Prozent zustande. Durch ein solches Abkommen nämlich würden gemäss den Forschern faktisch neue globale Produktionsstandards entstehen. Und diese erleichtern den Marktzugang allgemein.

Efta-Freihandelsabkommen offen

Beschränkt sich das Abkommen hingegen auf exklusive Vorteile der beiden Parteien bei der gegenseitigen Anerkennung von Standards und den Zollabbau, dürften die Schweiz und andere Länder wesentliche Nachteile erfahren.

Ein möglichst umfassendes Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU ist somit im Eigeninteresse der Schweiz. Offen ist, ob die Schweiz und die Efta mit den USA ein paralleles Freihandelsabkommen abschliessen können.

Ein solches würde positive Wirkung entfalten, wenn ein umfassendes Freihandelsabkommen USA–EU zustande kommen sollte. Zollschranken wären eliminiert, und das BIP-Niveau würde um knapp 3 Prozent steigen.

Auf die einzelnen Sektoren gesehen, stellten die Wissenschaftler überraschend starke und unterschiedliche Auswirkungen fest. Grund dafür sind die unterschiedlichen Abhängigkeiten der Branchen von der EU und den USA.

Industrie am stärksten betroffen

Den stärksten Ausschlag zeigt die Industrie. Bei einem umfassenden USA-EU-Abkommen könnte die Produktion knapp 3 Prozent steigen, bei einem auf Zollabbau beschränkten um 0,3 bis 0,8 Prozent sinken. Landwirtschaft und Nahrungsmittelsektor können im idealen Fall mit bis zu 2,3 Prozent mehr Absatz rechnen, weil die EU und die USA hier derzeit recht protektionistisch sind.

Generell leiden dürften hingegen Anbieter im öffentlichen Beschaffungswesen. Schweizer Firmen wären auf dem europäischen Markt einem verschärften Wettbewerb ausgesetzt. Auch sähen sie sich einem teilweisen Ausschluss auf dem US-Markt gegenüber EU-Konkurrenz ausgesetzt.

Bei den Dienstleistungen, im Investitionsschutz und beim geistigen Eigentum erwarten die Studienverfasser kaum Auswirkungen. Die Beziehungen der Schweiz zur EU dürfte das Abkommen aber wesentlich beeinflussen. Die Drittlandbeziehungen der EU hätten zunehmend Auswirkungen auf dieses Verhältnis.

Die Forscher loteten die möglichen Auswirkungen im Auftrag des Staatssekretariats für Wirtschaft (Seco) aus. Über den derzeitigen Stand der Verhandlungen USA–EU ist wenig Konkretes bekannt. Das Institut stützte sich auf Szenarien. Das Jahr 2030 als Basis für die Szenarien wurde gewählt, weil das Freihandelsabkommen erst in fernerer Zukunft voll implementiert sein dürfte.

(SDA)

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