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SNB stemmt sich mit Milliarden gegen Brexit-Schock

Das Ja zum Brexit hat den Franken unter Aufwertungsdruck gesetzt. Neuste SNB-Zahlen lassen darauf schliessen, wie viel der Kampf dagegen alleine in der vergangenen Woche gekostet hat.

Der Brexit bringt die Nationalbank in eine noch schwierigere Lage: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Der Brexit bringt die Nationalbank in eine noch schwierigere Lage: SNB-Präsident Thomas Jordan.
Alexandra Wey, Keystone

Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat sich nach dem überraschende Brexit-Votum mit milliardenschweren Devisengeschäften gegen eine starke Aufwertung des Frankens gestemmt. Die Interventionen bewegen sich dabei in ähnlichem Umfang wie in früheren Krisen.

Die SNB gibt üblicherweise nicht bekannt, ob und wie stark sie am Devisenmarkt interveniert. Nach dem Ja der Briten zum Brexit machte sie jedoch eine der ganz seltenen Ausnahmen. Um dem Aufwertungsdruck auf den Franken zu begegnen, habe sie stabilisierend am Devisenmarkt eingegriffen und werde aktiv bleiben, teilte die SNB am 24. Juni mit. Die am Montag veröffentlichten Statistik der Sichteinlagen von Banken und Bund bei der Notenbank gibt jetzt auch einen Anhaltspunkt, in welchem Umfang das geschehen ist.

So sind in der vergangenen Woche die Giroguthaben inländischer Banken um 6,8 Milliarden Franken auf 430,3 Milliarden Franken angestiegen. Das Total der Sichtguthaben bei der SNB nahm um 6,3 Milliarden auf 507,5 Milliarden Franken zu. Bereits in der «Brexit-Woche» waren die Sichtguthaben um 4,8 Milliarden Franken angestiegen. Allerdings waren in diesen Zahlen die Angaben für den Freitag nach dem Brexit nicht enthalten.

Mit dem Anstieg der Sichtguthaben um über 6 Milliarden Franken in der Woche nach dem Brexit hat die Nationalbank in vergleichbarem Umfang wie bei früheren drohenden Frankenaufwertungen reagiert. So pumpte die SNB auch vor der Aufgabe des Euro-Mindestkurses im Dezember 2014 pro Woche zwischen 2 und 6 Milliarden Franken in den Markt.

Im Zug der ersten Diskussionen um einen möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone von Mitte Mai 2012 bis August 2012 stiegen die Giroguthaben wöchentlich um 4 bis 18 Milliarden Franken. Bei der zweiten Grexit-Debatte im Sommer 2015 waren es zwischen 1 und 3,5 Milliarden Franken wöchentlich.

Keine Rekordintervention

Zu deutlich stärkeren Interventionen als jetzt beim Brexit sah sich die SNB jedoch nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses Mitte Januar 2015 und bei der ersten dramatischen Zuspitzung der Griechenlandkrise 2011 veranlasst. Im August 2011 flutete die SNB die Märkte mit rund 40 Milliarden Franken wöchentlich. In der Woche nach der Aufgabe des Euro-Mindestkurses schnellten die Giroguthaben in einer Woche um 26 Milliarden Franken in die Höhe.

Der Verlauf der Interventionen nach dem Aus für den Euro-Mindestkurs könnte auch ein Hinweis sein, wie lange die Nationalbank nach dem Brexit mit hohen Beträgen am Devisenmarkt noch präsent sein muss. Nach dem Hochschnellen der Beträge nach der Mindestkurs-Aufgabe sanken die Volumen schnell ab. Bereits in der vierten Woche nach dem Ereignis gab es keine Bewegungen bei den Giroguthaben mehr. Insgesamt erhöhten sich damals die Guthaben um rund 56 Milliarden Franken.

Euro-Frankenkurs schnell stabilisiert

Der Franken hatte unmittelbar nach dem Ja der Briten zum Austritt aus der Europäischen Union markant an Wert gewonnen. Kurzzeitig fiel der Euro gegenüber dem Franken von über 1,10 auf bis zu 1,06 Franken ab. Auch gegenüber dem britischen Pfund wertete die Schweizer Währung markant auf.

Während jedoch das Pfund seither gegenüber dem Schweizer Franken schwach blieb, stabilisierte sich der für die Schweizer Wirtschaft entscheidende Euro-Frankenkurs dank den Interventionen der SNB schnell wieder auf einer Bandbreite zwischen 1,08 und 1,09 Franken pro Euro. Aktuell wird der Euro zu einem Kurs von 1,084 Franken gehandelt.

SDA

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