Schweizer Löhne sinken bis zu 8 Prozent

Gewerkschaften werfen den Arbeitgebern vor, die Personenfreizügigkeit zu missbrauchen.

Starker Franken drückt auf die Löhne: Ein Schweisser in einer Werkstatt. (Symbolbild)

Starker Franken drückt auf die Löhne: Ein Schweisser in einer Werkstatt. (Symbolbild) Bild: Peter Klaunzer/Keystone

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Angestellte in der Schweiz verdienten zwischen 2012 und 2014 bis zu 8 Prozent weniger. Das zeigen Recherchen der «SonntagsZeitung», gestützt auf der Lohnstrukturerhebung 2014 des Bundes. Besonders betroffen sind demnach Industrie, öffentliche Verwaltung, Personalverleih, Bankenbranche, Gesundheits- und Sozialwesen sowie die Verkehrsbranche.

Im Schnitt sanken die Löhne innert der Zweijahres-Frist um 0,2 Prozent. Am stärksten zurückgegangen waren die Einstiegslöhne von ausländischen Jahresaufenthaltern. Das verstärke den Lohndruck auf Schweizer Berufseinsteiger, heisst es in dem Bericht weiter. In der Industrie verdienten sie 0,7 Prozent weniger, in der öffentlichen Verwaltung sogar 3,7 Prozent.

Mehr Lohnverstösse

Der starke Franken zwinge die Unternehmen dazu, ihre Kosten zu senken, erklärt Swissmem-Direktor Peter Dietrich. Dadurch sei der Druck auf die Löhne gestiegen. Das bestätigt auch Daniel Lampart. Der Chefökonom des Gewerkschaftsbundes wirft den Firmen allerdings Missbrauch der Personenfreizügigkeit vor. «Schweizer Firmen rekrutieren Arbeitnehmer im Ausland zu tiefen Löhnen, statt Einheimische zu fairen Bedingungen anzustellen», sagt Lampart zur «SonntagsZeitung».

Lohnkontrollen aus dem letzten Jahr hätten gezeigt, dass es mehr Missbrauch gebe, so Lampart. Bei 17 Prozent der ausländischen Firmen und bei 11 Prozent der Schweizer Unternehmen gab es demzufolge im Jahr 2015 Lohnverstösse.

Auch Stefan Studer, Geschäftsführer der Angestellten Schweiz, stört sich an der Praxis der Firmen: «Offensichtlich versuchen sie, die Löhne von neu in den Arbeitsprozess einsteigenden Angestellten von Anfang an zu drücken.»

Vertreter der Arbeitgeber weisen die Kritik zurück. Langfristig hätten sich die Löhne seit 2002 positiv entwickelt, heisst es beim Industrieverband Swissmem und dem Schweizerischen Arbeitgeberverband. Die Personenfreizügigkeit werde nicht missbraucht.

Firmenregister soll schwarze Schafe auflisten

Es brauche stärkere Kontrollen gegen Dumpinglöhne, allgemeinverbindliche Gesamtarbeitsverträge, einen Kündigungsschutz für ältere Mitarbeiter und eine Meldepflicht für freie Stellen an die Regionalen Arbeitsvermittlungszentren, fordert der Gewerkschaftsbund. Zudem sei ein Register nötig, das schwarze Schafe unter den Firmen aufliste. Der Arbeitgeberverband lehnt die Forderungen ab.

Boris Zürcher vom Staatssekretariat für Wirtschaft spricht sich für häufigere Kontrollen in Kantonen aus, die stärker von der Einwanderung betroffen sind – allen voran im Tessin und in Genf. (ij)

Erstellt: 10.07.2016, 10:24 Uhr

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