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Erholung vom «Corona-Crash»: Schweizer Börse leicht im Plus

Nach einem turbulenten Wochenstart beruhigen sich Märkte wieder. Der SMI notiert zu Handelsbeginn rund 1,5 Prozent im Plus.

Lange Gesichter beim Blick auf die Kurse: Händler an der New York Stock Exchange. Foto: Reuters
Lange Gesichter beim Blick auf die Kurse: Händler an der New York Stock Exchange. Foto: Reuters

Nach dem Ausverkauf am Montag – der Leitindex SMI büsste über 5 Prozent ein – haben sich die Aktienkurse an der Schweizer Börse am Dienstagmorgen wieder etwas erholt. Bei Handelsbeginn notierte der SMI gegenüber dem Schlusskurs des Vorabends rund 1,5 Prozent im Plus.

Die grössten Verlierer vom Montag sind nun tendenziell die Gewinner. So stehen allen voran die Aktien der beiden Grossbanken UBS und CS um knapp 3 bzw. um über 4 Prozent im Plus. Beide Aktien hatten am Montag klar mehr als 10 Prozent eingebüsst und damit unter 9 Franken geschlossen.

Auch die Börsen in Asien haben am Dienstag im Handelsverlauf einen Erholungskurs eingeschlagen. Nach den schweren Vortagsverlusten drehte der zeitweise nochmals um bis zu 4 Prozent abgerutschte japanische Nikkei 225 nach der Halbzeit ins Plus.

Konjunkturpakete schüren Hoffnung am Markt

Letztlich schloss der japanische Leitindex 0,85 Prozent höher auf 19867,12 Punkten. Auch in China ging es mit dem Markt wieder aufwärts. Der CSI mit den 300 wichtigsten Aktien an den chinesischen Festlandbörsen legte sogar 2,14 Prozent auf 4082,73 Punkte zu. Der Hongkonger Hang Seng stieg zuletzt 2 Prozent auf 25'545,78 Punkte.

Hoffnung bereiteten den Investoren offenbar Pläne in Japan und den USA, sich mit Konjunkturpaketen gegen das neuartige Coronavirus zu stemmen. Um den wirtschaftlichen Auswirkungen durch das Virus entgegenzusteuern, stellte etwa US-Präsident Donald Trump in der Nacht bei einem kurzfristig anberaumten Auftritt ein Massnahmenpaket in Aussicht. In Medienberichten wurden ähnliche Vorbereitungen in Japan mit einem dort auf den Weg gebrachten Notfallplan thematisiert.

Ölpreis-Kollaps schürt Furcht vor einer Pleitewelle der US-Ölindustrie

Die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie und der Einbruch des Erdöl-Preises setzen den Börsen zum Wochenauftakt schwer zu. Der Ölpreis-Kollaps schürt die Furcht vor einer Pleitewelle in der US-Ölindustrie. Zusammen mit der Verunsicherung über die wirtschaftlichen Folgen der Coronavirus-Epidemie brockte dies den Aktienmärkten happige Verluste ein.

Europas Börsen verloren am Montag teils weit über 7 Prozent. Verhältnismässig gut stand die Schweizer Börse mit einem Minus von 5.55 Prozent da. Der deutsche DAX gab 7.9 Prozent nach, noch schlimmer traf es die Börsen in Italien, Norwegen und Österreich.

Panikartige Verkäufe

Der Abschwung hatte sich im Vergleich zu den letzten beiden Wochen gar noch beschleunigt, so dass viele Marktteilnehmer mit Anspielung auf das weltweit sich ausbreitende Virus bereits vom «Corona-Crash» sprachen.

Der Handelstag dürfte jedenfalls als ein neuer schwarzer Montag in die Bücher eingehen, hiess es in Handelskreisen. Zum Teil war gar von panikartigen Verkäufen die Rede. «Die Angst vor einer globalen Rezession sitzt den Anleger derzeit tief im Nacken. Und der starke Ölpreisverfall hat dann die Märkte endgültig in Panik versetzt», meinte ein Händler dazu.

Angstbarometer schnellt in die Höhe

Die extreme Nervosität zeigte sich auch am Angstbarometer VSMI, das phasenweise um fast 30 Prozent in die Höhe schnellte und nun mit gut 43 Punkten auf dem höchsten Stand seit der Finanzkrise vor über 10 Jahren notiert. Die weltweiten Kurseinbrüche an diesem Montag erinnerten stark an die dunklen Momente der Finanzkrise von 2008, kommentierte denn auch ein Händler.

Die Aktien der Grossbanken UBS und Credit Suisse sackten unter 9 Franken. Als Grund wurden die tiefen Zinsen genannt: Tiefe Renditen bedeuten auch weniger Einnahmen für die Finanzinstitute. Zudem wurde befürchtet, dass eine steigende Zahl von Unternehmen wegen der Folgen der Ausbreitung des Coronavirus in die Bredouille geraten und Probleme bei der Rückzahlung ihrer Kredite haben könnten.

Dow verliert beinahe acht Prozent

Der Dow Jones startete am Montag mit einen Eröffnungsverlust von 7,1 Prozent. Das ist der grösste Kursrutsch seit zehn Jahren. Kurz nach Start wurde der Handel automatisch gestoppt, weil die Verluste eine bestimmte Schwelle übertrafen. Auch am Ende des Handelstags besserte sich die Lage nicht. Im Gegenteil. Der US-Leitindex verlor zum Schluss 7,8 Prozent. Der technologielastige Nasdaq gab 7,3 Prozent nach und der breit gefasste S&P 500 büsste 7,6 Prozent ein.

Zuvor hatte die US-Notenbank Fed bekannt gegeben, dass sie ihre Hilfsmassnahmen ausweitet. Knapp eine Woche nach einer Zinssenkung erhöht sie ihre Geldspritzen für das Finanzsystem. Wie die regionale Fed von New York am Montag mitteilte, steigt das Volumen ihrer Übernachtgeschäfte mit den Banken von bisher 100 Milliarden auf mindestens 150 Milliarden US-Dollar. Das heisst, die Banken bekommen entsprechend mehr Geld für einen Tag.

Trump rät Amerikanern vom Ölpreis-Crash zu profitieren

US-Präsident Donald Trump machte den Streit zwischen den Ölproduzenten Russland und Saudiarabien für den Absturz an den US-Börsen verantwortlich. Ein weiterer Grund für den starken Verfall der Aktienpreise seien nicht näher bezeichnete «Fake News», erklärte Trump am Montag auf Twitter.

Vom Einbruch der Ölpreise könnten die Amerikaner mitunter profitieren: «Gut für den Konsumenten, dass die Benzinpreise sinken!» Zur Coronavirus-Epidemie schrieb er: «Nichts ist geschlossen, das Leben und die Wirtschaft gehen weiter.» Jährlich würden zwischen 27'000 und 70'000 Amerikaner an der gewöhnlichen Grippe sterben. Derzeit gebe es 546 bestätigte Corona-Fälle und 22 Tote. «Denken Sie darüber nach.»

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Warum sinken die Aktienkurse heute weiter? Und ist dies das Ende der zehnjährigen Wachstumsphase? Christian Gattiker, Chefstratege von Julius Bär, erklärt.

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Im Laufe des Wochenendes hatten die Nachrichten zum Coronavirus gezeigt, dass es sich immer weiter ausweitet und damit ein Abschätzen der wirtschaftlichen Folgen immer schwieriger wird. Im besonders stark betroffenen Italien sind ganze Regionen und Städte im Norden abgeriegelt worden.

Auch in Brüssel ist die Nervosität spürbar. Die Europäische Union will die Folgen des Coronavirus auf die Wirtschaft in der EU umfangreich abfedern. «Wir prüfen alles, was wir tun können, um den Auswirkungen auf die Wirtschaft entgegenzuwirken», sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen am Montag.

Der am Wochenende begonnene Erdöl-Preiskrieg zwischen Saudiarabien und Russland liess die Preise für die wichtigsten Sorten um etwa 30 Prozent einbrechen (zum Artikel).

«Coronavirus stürzt Weltwirtschaft in Rezession»

Die Investment-Beratungsfirma Sentix meldete am Montag einen bislang beispiellosen Einbruch ihres Barometers innerhalb eines Monats in allen Weltregionen. Der globale Konjunktur-Gesamtindex fiel im März von plus 8,1 Zählern auf minus 12 Punkte zurück.

Nie zuvor sei ein so starker synchronisierter Einbruch der Weltkonjunktur in den Sentix-Daten messbar gewesen, so Sentix-Geschäftsführer Manfred Hübner. «Damit reiht sich der aktuelle Einbruch in eine unrühmliche Kette: Lehman (2008), Fukushima (2011) und die Öl-Kreditkrise (2016)», erklärte Sentix.

Flucht ins Gold

Zulegen konnte der Goldpreis. Das Edelmetall stieg auf mehr als 1700 Dollar je Feinunze. Das war der höchste Stand seit Dezember 2012.

Anleger flüchteten aus Aktien in als sicher geltende Staatsanleihen. In Ländern wie Deutschland und den Niederlanden gaben die Renditen deutlich nach. Die Rendite zehnjähriger deutscher Anleihen fiel um 0,13 Prozentpunkte auf minus 0,846 Prozent. Besonders stark stiegen die Kurse von US-Anleihen. Bereits am Freitag hatten die US-Staatspapiere deutlich zugelegt. Insbesondere Anleihen mit einer langen Laufzeit legten weiter kräftig zu. Dagegen wurden italienische Staatsanleihen zu Beginn der Woche massiv verkauft. Hier stieg die Rendite zehnjähriger Staatsanleihen um 0,22 Prozentpunkte auf 1,29 Prozent.

Investoren am Geldmarkt spekulieren derweil auf zwei Zinssenkungen der EZB bis Anfang Juni. Wie aus den Kursen am Montag hervorging, erwarten Anleger mittlerweile zu 100 Prozent, dass die Europäische Zentralbank bis dahin ihren sogenannten Einlagenzins in zwei Schritten um zusammen 0,20 Prozentpunkte auf minus 0,70 Prozent senken wird.

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Zunehmend ist von einer drohenden Rezession wegen des Coronavirus die Rede. Damit wurde die Welt auch früher fertig. Gefährlich ist diesmal, dass gleich eine ganze Reihe Faktoren zusammenkommen.

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(sda/reuters)

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