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Schweizer Börse reagiert gelassen – Deutsches Kursfeuerwerk

Die Entscheidung der Europäischen Zentralbank bewegt den Schweizer Leitindex SMI leicht abwärts. In Frankfurt schossen dafür die Aktien in die Höhe.

An der Schweizer Börse vermochte der Entscheid der Europäischen Zentralbank, im grossen Stil Anleihen aufzukaufen, kaum zu überraschen. Die Massnahme war erwartet worden. Der Schweizer Aktienmarkt hat den Handel mit einem geringen Minus beendet. Die EZB-Entscheidung zum Kauf von Staatsanleihen brachte weniger Unterstützung als an anderen Handelsplätzen. Der Swiss Market Index (SMI) beendete den Handel mit einem Minus von 0,11 Prozent auf 7'999 Punkten.

In Frankfurt schossen die Aktien regelrecht in die Höhe. Der wichtigste Index DAX schloss bei 10'435 Punkten – einem historischen Schlusshoch. Auch der zweitwichtigste Index MDAX vollbrachte Höhenflüge. Er kletterte erstmals über die Marke von 18'000 Punkten. Neben den europäischen Aktien reagierten auch die US-Börsen positiv auf das milliardenschwere Programm der EZB.

(Quelle: Reuters)

Die Grösse des Anleihenkaufprogramms und die Möglichkeit, dass es über September 2016 hinaus läuft, kommt für viele Experten überraschend. Die über 1000 Milliarden Euro, die EZB-Chef Mario Draghi bis 2016 in die Wirtschaft pumpen will, sind mehr als David Kohl, Leiter Währungsresearch bei der Bank Julius Bär, erwartet hat. Insbesondere Draghis Hinweis, dass die Anleihenkäufe noch ausgedehnt werden könnten, falls die Konjunktur im Euroraum nicht in Fahrt kommt, wertete Kohl gegenüber der Nachrichtenagentur sda als starkes Signal.

Auch der Chefökonom der deutschen Commerzbank, Jörg Krämer, interpretiert Draghis Aussagen so, dass Draghi im Falle einer anhaltend niedrigen Inflation nachlegen könnte. «Nach QE (Quantitative Easing) ist vor QE», sagte Krämer gegenüber der Nachrichtenagentur Reuters.

Laut Stefan Bielmeier, Chefökonom der DZ Bank, dürften die realwirtschaftlichen Effekte für Wachstum und Inflation allerdings sehr überschaubar bleiben. Was der Euroraum wirklich brauche, seien nicht noch weitere Programme der EZB, sondern Reformen in Wirtschaft und Politik.

(Quelle: Reuters)

Geldschwemme zur Konjunkturbelebung

Die EZB will mit der Geldschwemme den Euro schwächen, um die Konjunktur anzukurbeln. Das kann dazu führen, dass Anleger auf den Schweizer Franken ausweichen, was diesen weiter stärken würde. Um dies zu verhindern, erhebt die Schweizerische Nationalbank (SNB) zwar seit heute Donnerstag Negativzinsen. Ob die Strafgebühren Wirkung zeigen, muss sich aber erst noch weisen.

Nur ganz kurz schienen die Anleger an der Schweizer Börse Hoffnung zu schöpfen: Um 14.40 Uhr und damit kurz vor der Bekanntgabe des Anleihenkaufprogramms legte der Leitindex kurzfristig zu und baute dann einen Teil seiner Verluste ab. Nach der Bekanntgabe sank er dann wieder auf das Niveau von vorher.

SDA/spu

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