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Schweiz hat den Vorsprung beider Bankenregulierung eingebüsst

Experten empfehlen höhere Kapitalquoten für systemrelevante Banken.

Es waren die Banken selbst, die bei der Beratung der «Too big to fail»-Gesetze vor vier Jahren auf einer Überprüfung bestanden. Die Politik sollte nach einer Wartefrist erneut evaluieren, ob es den «Swiss finish» wirklich braucht: ob die Schweiz ihren Grossbanken also effektiv strengere Kapitalregeln aufbürden sollte, als es andere Staaten tun.

Die Überprüfung ist für 2015 vorgesehen. Doch sie findet unter anderen Vorzeichen als erwartet statt. Nicht eine Abschwächung, sondern eine Verschärfung von «Too big to fail» (TBTF) steht zur Debatte: Dies legt der Experten­bericht zur Finanzmarktstrategie nahe, den die Gruppe um den Berner Ökonomieprofessor Aymo Brunetti gestern veröffentlicht hat. Es handelt sich dabei um den umfassendsten bisher vorgenommenen Vergleich der hiesigen TBTF-Regulierung mit dem Ausland.

Schweiz gewürdigt

Darin wird die Vorreiterrolle der Schweiz gewürdigt. Gleichzeitig hält das Papier fest, dass sich der Vorsprung verringert habe. «Die anderen Länder haben sich entschlossen, die Lücke zur Schweiz zu schliessen.» Das TBTF-Problem bestehe in der Schweiz weiterhin.

Nach Ansicht der Experten recht­fertigt die Grösse des schweizerischen Bankensektors denn auch Massnahmen, die über den internationalen Durchschnitt hinausgehen – und zwar auch bei den ­Eigenmittelanforderungen, dem heissesten Eisen in der Diskussion. Die Schweiz solle zu den international ­f­ührenden Ländern bei den Eigenmittelanforderungen für global systemrelevante ­Banken gehören, heisst es hierzu.

Sorge bereitet der Kommission, dass UBS und Credit Suisse unter Ausklammerung bestimmter Kapitalsorten (den sogenannten progressiven Komponenten) ihr Geschäft eigentlich mit mässig viel Kapital betreiben. Bei den diesbezüglichen, risikogewichteten Eigenmittelanforderungen sei der Vorsprung «klein», bei den ungewichteten Anforderungen liege die Schweiz mit einer ­Leverage Ratio von 3,12 Prozent «teils deutlich» hinter Grossbritannien und den USA zurück. Dort werden künftig 5 bis 6 Prozent verlangt.

Experten äussern Zweifel

Die Leverage Ratio beschreibt das Verhältnis der Eigenmittel zur Gesamtbilanz einer Bank. Die Eigenmittel funktionieren dabei wie ein Airbag: Je mehr von ihnen vorhanden sind, desto grösser ist der Puffer, der Verluste im Krisenfall zu Lasten der Eigentümer und gewisser Gläubiger absorbiert. Im Gegenzug schmälern strenge Eigenmittelanforderungen in guten Jahren die Gewinne und Boni, was die Aversion von Bankern gegen eine hohe Leverage Ratio erklärt.

Eine Besonderheit von UBS und ­Credit Suisse ist der grosse Unterschied zwischen der risikogewichteten Kapitalquote – hier werden gewisse Risiko­eigenschaften der Aktivposten berücksichtigt – und der dazugehörigen, ungewichteten Kennzahl. Die Experten äussern denn auch «gewisse Zweifel über die tatsächliche Bewertung der Krisenresistenz» anhand der risikogewichteten Quoten. Diese werden von den Grossbanken selbst berechnet und nehmen im Schweizer TBTF-Gesetz einen wich­tigen Platz ein. Mehr Transparenz sei wünschenswert, so der Bericht. (Simon Schmid)

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