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Ölförderer in der Zwickmühle

Das Überangebot an Öl ruft nach Produktionskürzungen der Opec. Doch die nützen primär den US-Ölbaronen.

Die Opec-Länder wollen ihr Öl wieder teurer verkaufen: Raffinerie in Schwedt/Oder in Brandenburg. Foto: Glenn Duda (Reuters)
Die Opec-Länder wollen ihr Öl wieder teurer verkaufen: Raffinerie in Schwedt/Oder in Brandenburg. Foto: Glenn Duda (Reuters)

In ihrer Lagebeurteilung sind sich alle zwölf Mitglieder der Organisation erdölexportierender Länder (Opec) einig: Es gibt zu viel Öl auf dem Markt, und das momentane Preisniveau – ein Fass (159 Liter) der Sorte Brent kostet weniger als 80 Dollar – ist nicht akzeptabel. Seit diesem Sommer sind die Dollar-Ölnotierungen in Europa und in den USA um mehr als 30 Prozent eingebrochen. Ebenso ist für die Akteure klar, wie der Markt aus Sicht der Ölförderer auf ein erträglicheres Niveau zurückzuführen wäre. Die Produktion müsste gekürzt, und Förderkapazitäten müssten stillgelegt werden.

Doch ob die Opec dazu die Kraft und Entschlossenheit aufbringen wird, wenn die Ölminister des Kartells heute Donnerstag in Wien tagen, erscheint zweifelhaft. Ein Treffen von Vertretern Saudi-arabiens und Venezuelas mit den Nicht-Opec-Mitgliedern Mexiko und Russland am Dienstag endete ergebnislos. Wobei die Russen durchblicken liessen, dass sie kurzfristig nicht imstande seien, ihre Förderung zu drosseln. Prompt ging der Brent-Preis nach der Zusammenkunft um 1.35 Dollar auf 78.33 je Fass zurück. Manche Experten erwarten einen noch heftigeren Preisrutsch, wenn sich auch die Opec-Minister nicht auf Produktionseinschränkungen verständigen können.

Mangelnde Disziplin im Kartell

Dabei fördert das Kartell – das ungefähr ein Drittel zur weltweiten Ölproduktion beisteuert – schon jetzt mehr als die 30 Millionen Fass pro Tag, die man vor drei Jahren vereinbarte. Laut Zahlen von Bloomberg hat die Opec-Produktion im Oktober knapp 31 Millionen Fass pro Tag betragen, womit sie nun den fünften Monat in Folge die selbst auferlegte Limite übertroffen hat. Die mangelnde Kartelldisziplin führen Beobachter darauf zurück, dass die Mitgliedsländer aus Angst vor Marktanteilsverlusten über ihre Fördervorgaben hinaus produzieren.

Was eine Einigung auf Produktionskürzungen zusätzlich erschwert, ist der Umstand, dass die einzelnen Opec-Länder sehr unterschiedliche Schmerzgrenzen beim Ölpreis haben. Besonders verletzlich sind Venezuela und der Iran: Die Südamerikaner sind auf einen Preis von rund 160 Dollar je Fass angewiesen – also das Doppelte des heutigen Niveaus –, um mit ihren Öleinnahmen den Staatshaushalt auszugleichen. Bei den Persern, die zusätzlich noch die Wirtschaftssanktionen des Westens zu spüren bekommen, sind es 130 Dollar. Saudiarabien und die Ölemirate kommen demgegenüber auch noch mit Preisen um die 85 Dollar einigermassen gut über die Runden.

Kein Wunder, dass vorab Venezuela, der Iran und die ebenfalls finanzschwachen Länder Nigeria und Algerien auf Quotenkürzungen drängen, um den Ölpreis wieder hochzutreiben. Allerdings haben die Iraner bereits zu verstehen gegeben, sie würden ihre Fördermenge um kein einziges Fass reduzieren. Den Ausschlag geben wird heute einmal mehr die Stimme Saudiarabiens, das im Falle von Produktionskürzungen den Hauptanteil zu tragen hätte. Das Land stemmt sich nicht grundsätzlich dagegen, doch will es auf keinen Fall zulassen, dass andere Produzenten die Lücke füllen und so Marktanteile auf Kosten der Saudis einheimsen.

Amerikaner am längeren Hebel

Tatsächlich ist es für Marktbeobachter längst nicht ausgemacht, dass die Preise am Rohölmarkt klar werden, selbst wenn die Opec ihre Förderlimite von 30 Millionen Fass pro Tag überraschenderweise reduzieren würde. Angesichts eines Überangebots, das manche Experten in der ersten Jahreshälfte 2015 auf 2 Millionen Fass pro Tag anschwellen sehen, müsste das Ölkartell schon drastische Einschnitte beschliessen, um den Markt zu beeindrucken. Ausgeschlossen ist das nicht: 2008, auf dem Höhepunkt der Finanzkrise, hatte die Opec ihre Produktion um 4,2 Millionen Fass pro Tag zurückgefahren.

Heute ist die Lage aber vollkommen anders. Dafür sorgt primär der Fracking-boom in den USA, dank dem das Land zum weltweit grössten Ölförderer avancierte. Laut Expertenschätzungen werden die USA die Produktion bis 2016 bis auf 9,5 Millionen Fass pro Tag ausweiten – und damit ihr Allzeithoch von 1970 nahezu egalisieren. 2008 hatte die geförderte Menge 5 Millionen Fass pro Tag betragen. Im Falle reduzierter Förderquoten liefe die Opec Gefahr, die Ölbohrungen in den USA noch zusätzlich anzuheizen. Die Amerikaner sitzen auch deshalb am längeren Hebel, weil sie ihre Schieferölvorkommen bei Preisen von 53 bis 78 Dollar pro Fass immer noch ohne Verluste abbauen können.

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