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Neue Hiobsbotschaften aus Italien, Spanien und Grossbritannien

Den Italienern ist die Lust auf Konsum angesichts der Finanzkrise deutlich vergangen. Spanien muss für kurzfristiges Geld fast dreimal mehr Zins zahlen, und die Bank of England könnte bald weiteres Geld drucken.

Die Analystenerwartungen für die Detailhandelsumsätz wurden klar verfehlt: Flaschen an einem Markt in Rom. (Archivbild)
Die Analystenerwartungen für die Detailhandelsumsätz wurden klar verfehlt: Flaschen an einem Markt in Rom. (Archivbild)
AFP

Im italienischen Detailhandel sind die Umsätze im April drastisch weggebrochen. Sie gingen im Vergleich zum Vorjahresmonat um 6,8 Prozent zurück, wie die italienische Statistikbehörde Istat heute in Rom mitteilte.

Das ist der stärkste Rückgang seit mindestens Januar 2001. Die Markterwartungen von minus 0,1 Prozent wurden sehr deutlich verfehlt. Selbst im Monatsvergleich war der Rückgang mit 1,6 Prozent aussergewöhnlich stark. Sowohl im Lebensmittelhandel als auch im übrigen Detailhandel gingen die Umsätze stark zurück. Gelitten haben im April auch die Lebensmitteldiscounter, die sich zuvor in der Krise noch gut gehalten hatten.

Schwindendes Vertrauen

Italien ist in der Rezession, was sich auch in dem weiterhin zurückgehenden Vertrauensindex der Konsumenten spiegelt. Die harten Spar- und Steuerauflagen der Technokratenregierung unter Mario Monti drücken auf das Konsumentenverhalten.

Mit Investitionsprogrammen und einer noch ausstehenden Liberalisierung des Arbeitsmarktes will Monti nach der Sparwelle gegen die Verschuldung jetzt für Wachstum sorgen.

Wenig Interesse für Papiere Roms

Italien nahm heute 3,9 Milliarden Euro neue Schulden auf – und verfehlte damit sein Ziel, vier Milliarden Euro aufzunehmen. Für die bis 2014 laufenden Anleihen muss das Land 4,712 Prozent Zinsen zahlen, wie die italienische Notenbank mitteilte.

Am 28. Mai hatte das Land noch Schuldpapiere für 4,037 Prozent ausgegeben.

Hohe Zinsen für spanische Anleihen

Das zur Zeit grösste Euro-Sorgenkind Spanien hat sich heute nur zu stark erhöhten Zinsen frisches Geld von Investoren beschaffen können. Bei einer Versteigerung zweier kurzlaufender Staatstitel mit drei- und sechsmonatiger Laufzeit stiegen die Renditen im Vergleich zu früheren Auktionen kräftig an, wie aus Zahlen der nationalen Notenbank hervorgeht.

Zugleich war die Nachfrage nach den Papieren rückläufig, allerdings immer noch robust. Der spanische Staat konnte insgesamt 3,08 Milliarden Euro einsammeln. Das ist etwas mehr als ursprünglich geplant. Börsenkurse und der Eurokurs gaben daraufhin etwas nach.

Fast dreimal mehr Zins

Mit einem Dreimonatspapier nahm Spanien 1,6 Milliarden Euro ein. Im Vergleich zu einer Auktion im Mai verdreifachte sich die Rendite nahezu. Sie kletterte von 0,846 auf 2,362 Prozent.

Bei der Versteigerung eines Geldmarktpapiers mit sechsmonatiger Laufzeit, das 1,48 Milliarden Euro einbrachte, legte die Rendite von 1,787 auf 3,237 Prozent zu – sie verdoppelte sich also fast.

Euro-Krise lastet schwer auf britischer Wirtschaft

Das Schuldendrama in der Euro-Zone belastet nach Ansicht der Bank von England zunehmend auch die britische Wirtschaft. Er sei selbst überrascht, wie dramatisch sich die Lage in der jüngsten Zeit verschlechtert habe, sagte Zentralbank-Chef Mervyn King am Dienstag bei einer Parlamentsanhörung in London.

Er sei auch pessimistisch was die Zukunft der Euro-Zone angehe. «Ich bin besonders beunruhigt, weil ich in den vergangenen zwei Jahren gesehen habe, dass die Situation in der Euro-Zone sich immer weiter verschlimmert hat und zugleich eine Lösung des Problems immer wieder verschoben wurde», sagte King.

Dritte Runde von Staatsanleihenkäufen?

Anfang des Monats hatte King für einen weiteren Stimulus für die abermals in die Rezession gerutschte britische Wirtschaft plädiert, war aber im geldpolitischen Rat der Notenbank knapp damit gescheitert. Die Mehrheit des Gremiums hatte mit fünf gegen vier Stimmen damals noch gegen eine dritte Runde von Staatsanleihenkäufen votiert.

Experten glauben jedoch, dass die Bank of England schon kommende Woche die Geldschleusen abermals öffnen könnte. King deutete dies vor den Parlamentariern auch an: Er habe sogar nichts gegen eine weitere Zinssenkung, sollte sie nötig werden, gab er zu Protokoll. Die Bank Rate, der Leitzins in Grossbritannien, steht bereits seit längerer Zeit bei extrem niedrigen 0,5 Prozent.

SDA/rub

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