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Nach der Auftragsflut kam die Existenznot

Die Euro 2012 hat in Polen einen Bauboom ausgelöst. Wegen massiven Preissteigerungen und Verkalkulierungen kämpfen viele Firmen nun gegen die Insolvenz.

Bauprojekt mit Folgen: Zugstation des EM-Stadions in Warschau. Bild: Keystone
Bauprojekt mit Folgen: Zugstation des EM-Stadions in Warschau. Bild: Keystone

Die Fussball-Europameisterschaft in Polen und der Ukraine waren sportlich gesehen ein Erfolg. Wirtschaftlich allerdings sieht die Bilanz für das Gastgeberland Polen weniger positiv aus, wie die «Süddeutsche Zeitung» schreibt (Artikel online nicht verfügbar). Obwohl die Europameisterschaft einen Bauboom auslöste, steckt die polnische Bauindustrie Monate nach dem Fussballfest in einer schweren Krise. In Zahlen: Mehr als 100 Baufirmen, überwiegend kleine und mittlere Betriebe, aber auch der Branchenführer, meldeten in der ersten Hälfte dieses Jahres Insolvenz an. Wie die Zeitung schreibt, erwarten Experten noch weitere Pleiten.

Wie das? Warum kämpfen nun so viele Bauunternehmen um ihre Existenz, wenn der Staat doch Gesamtinvestitionen von 94 Milliarden Zloty (23 Milliarden Euro) in die Verbesserung der Infrastruktur getätigt hat? Ein Grund ist in der geballten Vergabe der EM-Projekte zu suchen, die zu einer hohen aber kurzfristigen Nachfragespitze führte. Die Folge waren massive Preissteigerungen. Die Folgen für die Firmen: Die im Vorfeld abgemachten Konditionen verschlechterten sich.

Branchenführer verkalkulierte sich

Nach Angaben des polnischen Branchenverbandes gerieten viele Baufirmen aber auch deshalb in Existenznot, weil Auftraggeber ihren Zahlungsverpflichtungen nicht oder zu spät nachkamen. Zudem würden Grossprojekten oft falsch kalkuliert, weil die Firmen tendenziell günstiger offerieren. So ging die Rechnung für den Branchenführer PBG mit seinen Tochtergesellschaften Hydrobudowa Polska und Aprivia nicht auf. Obwohl der Baukonzern die Aufträge für den Bau der Stadien in Warschau, Danzig und Posen sowie für mehrere Strassenabschnitte gewann, ging das Geld im Juli aus.

Auch der Grosskonzern Polimex-Mostostal musste kürzlich publik machen, dass im ersten Halbjahr 2012 ein Verlust von 370 Millionen Zloty (89 Millionen Euro) erwirtschaftet wurde. Der Grund war auch hier vor allem, dass sich Strassenbauprojekte als unrentabel erwiesen. Die Firmenspitze führte den Konkurrenz- und Preiskampf um die Aufträge sowie die Explosion der Kosten nach Abschluss der Verträge als Ursachen ins Feld.

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