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Italien wird Anleihen nur gegen horrende Zinsen los

Laut der Ratingagentur Moody's müssen die europäischen Staaten dringend den Markt stabilisieren. Ansonsten drohe der Euro-Zone die Zersplitterung. Italien muss weiter hohe Zinsen auf Bonds hinnehmen.

Will Italien auf Reformkurs bringen: Chef der Übergangsregierung, Mario Monti.
Will Italien auf Reformkurs bringen: Chef der Übergangsregierung, Mario Monti.
Keystone

Die Ratingagentur Moody's hat vor einer Verschärfung der Euro-Krise gewarnt. Die «schnelle Eskalation der Euro-Schulden- und Bankenkrise» bedrohe die Kreditwürdigkeit aller europäischen Staaten, hiess es in einer Erklärung, die in London veröffentlicht wurde. Das Kreditrisiko werde steigen, solange keine Massnahmen beschlossen würden, die die Marktbedingungen stabilisierten.

Zwar besitze die Euro-Zone eine enorme wirtschaftliche und finanzielle Kraft. Aber institutionelle Schwächen behinderten eine Lösung der Krise. Euroland stehe an einem Scheideweg, der entweder zu engerer Integration oder zu grösserer Zersplitterung führe.

Hohe Zinsen für Italien

Das hoch verschuldete Italien hat den Kapitalmarkt erfolgreich angezapft, muss Investoren aber immer noch sehr hohe Zinsen zahlen. Heute platzierte das Finanzministerium inflationsindexierte Anleihen mit einer Laufzeit bis September 2023 im Volumen von 567 Millionen Euro und musste Anlegern eine Bruttorendite von 7,3 Prozent bieten.

Zinsen über der Marke von sieben Prozent gelten für die Refinanzierung der Schulden als mittelfristig untragbar. Der nächste Test für das Vertrauen der Investoren in die Sparpläne der neuen italienischen Regierung folgt aber bereits morgen: Dann will Italien Staatsanleihen über bis zu acht Milliarden Euro begeben.

Keine Hilfe für Italien

An den Finanzmärkten entspannte sich die Lage minimal. Ein Sprecher des Internationalen Währungsfonds (IWF) dementierte allerdings einen Bericht der italienischen Zeitung «la Stampa», wonach der Fonds Hilfen im Volumen von bis zu 600 Milliarden Euro für die drittgrösste Volkswirtschaft der Euro-Zone erwägt.

Ein Sprecher der EU-Kommission sagte, Italien habe nicht um finanzielle Hilfe angefragt. Auch eine Dikussion darüber werde auf europäischer Ebene nicht geführt.

Leichte Stimmungsaufhellung

Die Stimmung der italienischen Unternehmen hat sich im November überraschend etwas aufgehellt. Der saisonbereinigte Index stieg leicht auf 94,4 von revidiert 94,2 Punkten im Oktober, wie das nationale Statistikamt Istat mitteilte.

Trotz des leichten Anstiegs bleibt das Stimmungsbarometer auf dem zweitniedrigsten Stand seit Januar 2010 und drückt eher Skepsis als Zuversicht der Firmen aus. Ihre Auftragslage verschlechterte sich erneut, während sich die Produktionsaussichten etwas verbesserten.

Mini-Wachstum für Italien

Nach dem Machtwechsel in Rom will der Chef der italienischen Übergangsregierung, Mario Monti, das Land auf Reformkurs bringen und das Vertrauen der Finanzmärkte zurückgewinnen. Allerdings muss Italien derzeit für neue Schulden sehr hohe Finanzierungskosten zahlen.

Die EU-Kommission traut der drittgrössten Volkswirtschaft im Euro- Raum 2012 nur ein Mini-Wachstum von 0,1 Prozent zu, das sich 2013 auf 0,7 Prozent beschleunigen dürfte. Die OECD erwartet für das nächste Jahr sogar ein Schrumpfen der italienischen Wirtschaft um 0,5 Prozent und rechnet erst 2013 wieder mit einem Plus von 0,5 Prozent.

dapd/kpn

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